Das Gefühl von Einsamkeit in der deutschen Jugend – das ist eines der Themen, die die Jugendtrendstudie 2026 des Instituts der Generationenforschung in Zusammenarbeit mit der Universität Augsburg näher beleuchtet. In unserem ersten Artikel zur Jugendtrendstudie und deren Ergebnissen ging es um die einsamste Generation aller Zeiten, Geschlechts- und Ost- Westunterschiede sowie Faktoren, die mit dem Gefühl von Einsamkeit korrelieren. Weitere interessante Erkenntnisse der umfangreichen Studie gehen näher auf die Coping-Mechanismen gegen Einsamkeit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland, sowie ihren scheinbar isolierenden Lebensstil ein.
Digitale Freunde als Mittel gegen Einsamkeit?
Auf die Frage nach den genutzten Mitteln gegen Einsamkeit nennen die befragten Jugendlichen mit Abstand am häufigsten enge soziale Beziehungen. Auch soziale Nähe und Gespräche sowie die Ausübung von Hobbys und Bewegung sind beliebte Mittel. Auffällig ist dabei: die Generation Alpha nennt enge soziale Beziehungen häufiger als die Generation Z (49,3% vs. 38,3%). Auch Geschlechterunterschiede zeigen sich in den Ergebnissen. So nennen junge Frauen enge soziale Beziehungen eher als Mittel gegen Einsamkeit als es bei jungen Männern der Fall ist. Digitale Freunde, wie durch einen Chatbot oder virtuellen Assistenten, können sich Männer hingegen in fast allen Altersgruppen eher vorstellen als Frauen. Wenig überraschend ist die höhere Offenheit für einen solchen in den jüngeren Generationen im direkten Vergleich zu den älteren Generationen. Die Offenheit gegenüber einem digitalen Freund in der Generation Z scheint den Ergebnissen nach abhängig von den genannten Mitteln gegen Einsamkeit zu sein: Werden Hobbys, Aktivitäten oder digitale und mediale Beschäftigungen als Strategie gegen Einsamkeit genannt, ist die Offenheit gegenüber einem digitalen Freund höher als bei sozialen Beziehungen als genutztem Mittel gegen Einsamkeit. Das scheint wenig überraschend zu sein. Die Autoren der Studie ziehen hier den Schluss: Digitale Freunde passen bei diesen Bewältigungsstrategien der medialen/digitalen Ablenkung oder dem Nachgehen von Hobbys eher in die bisherigen genutzten Muster. Eine wichtige Erkenntnis dabei: Für Menschen, die zur Bekämpfung von Einsamkeit auf reale soziale Kontakte setzen, scheinen digitale Freunde kein Ersatz zu sein.
Die Social Battery und wie sie mit der Einsamkeit zusammenhängt
Junge Erwachsene sprechen vermehrt von einer leeren Social Battery (deutsch: soziale Batterie). Social Battery bezeichnet den Autoren der Jugendstudie nach „das Überforderungsgefühl bei zwischenmenschlicher Kommunikation (oft im analogen Setting)“. Die Gen Z berichtet in der Erhebung am häufigsten eine leere soziale Batterie zu haben. Sie leiden im Durchschnitt an 2,34 Tagen in der Woche an Erschöpfung und Überforderung durch zwischenmenschliche Interaktionen. Je älter die Generation, desto seltener wird dieses Phänomen genannt (Gen Y: 1,86 Tage/Woche, Gen X: 1,46 Tage/Woche, Babyboomer: 0,92 Tage/Woche). Auffällig sind dabei die variierenden Gründe für eine leere soziale Batterie. Während Gen Z sich dabei vermehrt auf die zu hohe Menge sozialer Interaktionen mit fremden Menschen bezieht (40,7 %), nennen ältere Generationen die zu geringe Zeit für Self-Care als häufigsten Grund. Wer jetzt vermutet, die häufig leere soziale Batterie der Gen Z hänge mit ihrem Internetkonsum zusammen, der bei ihnen über die in der Studie untersuchten Generationen hinweg am höchsten ist, liegt nur bedingt richtig. Der Zusammenhang zwischen der allgemeinen Internetnutzung und einer leeren sozialen Batterie sowie einer hohen Me-Time ist in der betrachteten Studie stark positiv. Jedoch ist es nach Erkenntnissen der Autoren hier wichtig zwischen dem Kontext der Internetnutzung zu unterscheiden. Sei die Nutzung des Internets bzw. von Social Media reflektiert oder sogar im schulischen oder beruflichen Kontext, sind negative Folgen wie eine leere soziale Batterie oder Einsamkeit nicht zwingend die Folge.
Zurückgezogen und entschleunigt: Die Gen Z sehnt sich nach dem Leben ihrer Großeltern
Zeit zu Hause zu verbringen und Hobbys wie Backen, Stricken, Nähen, Kaffeerunden oder Spazierengehen erleben einen neuen Aufschwung – und das vor allem in der jungen Generation Z. Die jungen Erwachsenen möchten nicht mehr so häufig feiern gehen, sei es aus geschürter Angst vor möglichen Gefahren über die sozialen Medien oder der Verfolgung eines gesünderen Lebensstils. Diese Tendenz hin zum „Granny Style“ wird von Studienleiter Dr. Rüdiger Maas wie folgt erklärt: „Es handelt sich hierbei um eine Art Schutzmechanismus, eine Art der Problemlösung. Viele Mitglieder aus der Gen Z wünschen sich in eine Zeit, die nicht digital war. Sie flüchten in Räume, die analog und kontrollierbar sind. […] Die „reine analoge Tätigkeit“ wird oft mit einem Gefühl beschrieben, das an die Lebenswelt der eigenen Großmutter (Gemütlichkeit, Routinen, Handarbeit) erinnert und fungiert als emotionaler Ausgleich.“
Gefährlich wird es Herrn Dr. Maas zufolge allerdings dann, wenn dieser Trend zu einer dauerhaften Vermeidung sozialer Kontakte und Begegnungen außerhalb der eigenen vier Wände führe. Diese Gefahr liege auch in der häufigen Erschöpfung, einer häufig leeren sozialen Batterie. Ergebnisse der Studie zeigen dabei die hohe Relevanz realer Freunde. Je mehr reale Freunde eine Person hat und je zufriedener sie mit diesen ist, desto geringer ist das Gefühl der Erschöpfung.
Verstehen junge Menschen überhaupt was der Begriffe der Social Battery bedeutet?
Die Autoren der Studie äußern eine brisante Vermutung. Werden die Mitglieder der Gen Z in ihrer Stichprobe nach den Gründen der leeren sozialen Batterie gefragt, geben 40,3 % der Altersgruppe an, das Gefühl einer leeren Social Battery nicht begründen zu können. Dieser hohe Anteil führt die Autoren zur Annahme, dass das Label der leeren sozialen Batterie zwar häufig genutzt wird, aber seine Bedeutung nicht ganz klar sei. Ob die Generation Z überhaupt häufiger eine leere Social Battery hat, wird dadurch von ihnen in Frage gestellt.
Die Folgen des Rückzugs in die eigenen vier Wände und der Erschöpfung durch fremde Begegnungen
Die abgeleiteten Risiken der Forscher aufgrund der geringen Interaktion mit Unbekannten oder gar der Isolation sind bedenklich. So ist die Sprache von einer zunehmenden Polarisierung, einer Abnahme der demokratischen Beteiligung, dem Verbleib in Echokammern ohne Vielfalt an Meinungen und Impulsen, einem sinkenden Zusammenhalt in der Bevölkerung und der fehlenden Übung in sozialen Situationen und Konflikten.
Für unsere Gesellschaft sind das erhebliche und nicht zu verachtende Konsequenzen, die auch folgende Generationen betreffen können. Das zeigt, wie wichtig es ist, die junge Generation Z in ihrem Vermeidungsverhalten zu betrachten und sie dabei zu bestärken sich einzubringen, teilzuhaben und zu verhindern, dass sie sich zu sehr zurückziehen.
Diese Erkenntnisse der Jugendstudie untermauern die Relevanz von Generationenforschung, um unsere Bevölkerung und heranwachsende Generationen zu verstehen und fördern zu können. Weitere interessante Aspekte, die in der Jugendtrendstudie 2026 betrachtet werden, sind die Rolle des Internets, künstlicher Intelligenz und die Sorgen der Generation Z.
Neugierig geworden? Ein Blick lohnt sich!
Hier geht es zur Jugendtrendstudie 2026 des Instituts für Generationenforschung.
