Die Internetnutzung und das Gefühl von Einsamkeit sind keine neuen Variablen, die miteinander in Verbindung gebracht werden. Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben sich bereits dem Einfluss der Internetnutzung auf die subjektiv wahrgenommene Einsamkeit, oft unter Beachtung der Corona-Zeit, gewidmet. Auch in der Jugendtrendstudie 2026 des Instituts für Generationenforschung in Zusammenarbeit mit der Universität Augsburg wird die Rolle der Internetnutzung unter anderem in Bezug auf das Einsamkeitsgefühl in Deutschland betrachtet. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Generation Z, die mit neuen Technologien wie dem Internet aufgewachsen ist.

Internetnutzung muss differenziert betrachtet werden

Wie zu erwarten, kristallisiert sich in der untersuchten Stichprobe der Jugendtrendstudie 2026 die Generation Z als die Generation mit der höchsten durchschnittlichen Internetnutzung heraus. Im Schnitt verbringen Anhänger der Gen Z 5,70 Stunden am Tag im Internet. Knapp dahinter mit einer Nutzungsdauer von ebenfalls über 5 Stunden folgen die Generationen Y und Alpha. Die geringste Internetnutzung weisen die Generation X mit 3,99 Stunden am Tag und die Babyboomer mit 3,69 Stunden am Tag auf. Doch dieser Schein trügt. Wie die Autoren der Studie feststellen, reduzieren sich die Differenzen zwischen den einzelnen Generationen, wenn ausschließlich die private Internetnutzung ohne die Nutzung bei der Arbeit oder Schule betrachtet wird. Hier zeigt sich, dass die Babyboomer das Internet privat am häufigsten nutzen. Mit durchschnittlich 2,66 Online-Stunden am Tag liegen sie noch vor der Generation Z mit einer durchschnittlichen Tagesnutzung von 2,58 Stunden. Die geringste private Internetnutzung in der Stichprobe hat die Generation X mit durchschnittlich 2,06 Stunden am Tag.

Diese isolierte Betrachtung der Nutzung nach Kontext erweist sich auch in anderen Belangen als sinnvoll. So konnte ein positiver Zusammenhang zwischen der schulischen bzw. beruflichen Nutzung des Internets und dem Gefühl auf den steigenden KI-Einsatz vorbereitet zu sein festgestellt werden, während bei der privaten Nutzung kein signifikanter Zusammenhang festgestellt wurde. Dieser positive Zusammenhang der schulischen bzw. beruflichen Internetnutzung und dem subjektiven Gefühl der KI-Kompetenz erstreckt sich über alle Altersgruppen hinweg.durchscn

Hängen eine hohe private Internetnutzung und Defizite im Sozialleben zusammen?

Die private Internetnutzung hat anders als die beruflich bzw. schulisch bedingte Internetnutzung weniger positive Auswertungen. So zeigt sich in der Jugendstudie ein negativer Zusammenhang zwischen der privaten Internetnutzung und der Anzahl von Freund:innen, die man mindestens gelegentlich trifft, sowie der Zufriedenheit mit dem Familienleben, dem Beziehungsstatus und dem Freundeskreis. Je höher die private Internetnutzung, desto geringer die Zufriedenheit mit den genannten Aspekten bzw. die Menge der Freund:innen. Während das offline Sozialleben und die Zufriedenheit mit realen Beziehungen unter der privaten Internetnutzung leiden, steigen die digitalen Aktivitäten und die Offenheit für digitale Freunde mit dieser. Auch die selbsteingeschätzte Gesundheit fällt in der untersuchten Stichprobe bei hoher privater Internetnutzung geringer aus.

Internetnutzung und Einsamkeit hängen zusammen, doch welche Variable bedingt hier welche?

Ja, die Jugendstudie zeigt einen kleinen positiven Zusammenhang zwischen der Gesamtinternetnutzung und der Einsamkeit. Eine hohe Internetnutzung tritt dort vermehrt gemeinsam mit einem höheren Gefühl der Einsamkeit auf. Das zeigt sich über alle betrachteten Generationen hinweg. Andererseits besteht auch ein Zusammenhang zwischen der Anzahl an offline Freundschaften und der subjektiven Einsamkeit. Je geringer die Anzahl der offline Freundschaften, desto höher das Einsamkeitsgefühl. Diese Erkenntnisse sind allerdings keine Ursache-Wirkungs-Modelle, sondern lediglich Korrelationen, d.h. Zusammenhänge. Welche Variable hier welche beeinflusst, ist nicht erkennbar. So könnte die hohe Internetnutzung auch eine Folge der erhöhten Einsamkeit sein und zur Kompensation dieser dienen. Per se ist diese Aussage laut den Autoren allerdings nicht möglich. Die Internetnutzung sei „in ein komplexes Geflecht aus sozialer Einbindung, digitalen Interaktionsformen und subjektivem Wohlbefinden eingebettet“.

Internetnutzung, das Bildungssystem und Politik

Die Generation Z weist als einzige Generation im Studienvergleich signifikante Korrelationen zwischen beiden Typen der Internetnutzung und dem Vertrauen in das Bildungssystem auf. Während eine erhöhte private Internetnutzung in der Generation Z mit einem geringeren Vertrauen in das deutsche Bildungssystem einhergeht, weisen Personen der Generation, die eine erhöhte schulische bzw. berufliche Internetnutzung haben, ein höheres Vertrauen in das deutsche Bildungssystem auf. In den älteren Generationen treten diese Effekte gar nicht oder nur einseitig auf.

Auch für die politische Positionierung von Personen und deren private Internetnutzung konnten in der Studie signifikante Korrelationen identifiziert werden. So geht über die Gesamtstichprobe hinweg eine hohe private Internetnutzung mit einer linkeren politischen Positionierung einher. In der Generation Z ist dies etwas differenzierter: die Wählerschaften der linken Parteien, ebenso wie der rechten Parteien, äußern eine höhere private Internetnutzung als Wähler von Parteien, die eher in der politischen Mitte liegen. D.h. auch hier sind keine klaren Schlüsse über alle Altersgruppen hinweg möglich und auch hier weisen die Autoren abermals darauf hin, dass es sich um Korrelationen und keine kausalen Zusammenhänge und Schlussfolgerungen handle.

Fazit: Internetnutzung ist mehrdimensional und facettenreich

Die zahlreichen Erkenntnisse zur Internetnutzung hinterlassen ein mehrdimensionales Bild. Die Jugendstudie arbeitet klar heraus: Internetnutzung wird von vielen Faktoren beeinflusst und ist gleichzeitig Indikator vieler Variablen wie Generationenzugehörigkeit, Vertrauen und Angst, KI-Kompetenz sowie sozialer Einbindung. Internetnutzung muss dabei im Nutzungskontext betrachtet werden (privat oder institutionell), um differenzierte Aussagen treffen zu können. Dennoch ist in Anbetracht der Ergebnisse und deren Interpretation wichtig zu beachten, dass es sich um Korrelationen und keine kausalen Zusammenhänge handelt! Die Autoren der Studie verweisen auf die konsistenten Muster über die verschiedenen Auswertungen hinweg, welche eine Interpretation erlauben würden.

Ein passendes Schlusswort des Studienleiters und Zukunftsforschers Hartwin Maas: „Nicht das Digitale an sich entscheidet über unsere Zukunft, sondern die Art, wie wir es nutzen: Wer nur konsumiert, verliert leichter den Anschluss — wer es gezielt für Lernen, Arbeit und echte Teilhabe einsetzt, gewinnt Selbstwirksamkeit, Vertrauen und Zukunftsfähigkeit.“ Er und seine Kollegen fordern eine Vermittlung und Förderung der digitalen Kompetenzen zur Steigerung der KI-Vorbereitung und des Vertrauens in das deutsche Bildungssystem. Ebenso zeigen sie die Notwendigkeit der Förderung der sozialen Aspekte der privaten Internetnutzung auf, um geringer Teilhabe, Einsamkeit und einem geringen Wohlbefinden entgegenzusteuern und ein stärkeres Wohlbefinden sowie eine höhere Zufriedenheit mit sozialen Beziehungen zu fördern.

Neugierig geworden? Ein Blick lohnt sich!

Hier geht es zur Jugendtrendstudie 2026 des Instituts für Generationenforschung.