Als die sieben Gründungsmitglieder*innen aus dem Freundeskreis von Gabriele Gérard-Post vor mehr als 15 Jahren die Idee hatten, der Gesellschaft „etwas zurückzugeben“, war ihnen nicht bewusst, welchen Stein sie mit ihrem Verein „himmel & ääd“ ins Rollen bringen würden. Die Geschäftsführerin der inzwischen gemeinnützigen GmbH, Gabriele Gérard-Post, erinnert sich: „Wir haben einfach gedacht: Uns geht es gut und wir haben bisher im Leben Glück gehabt. Zeit, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Was genau wir machen wollten und wie, das war uns damals nicht sofort klar.“

Kinder sollten unterstützt werden

Nach verschiedenen Anläufen, sich zu engagieren, entschied man sich schließlich irgendwann dafür, etwas für Kinder tun zu wollen. „Die Initial-Idee kam durch einen Besuch in einem städtischen Kindergarten, der stark renovierungsbedürftig war. Nach Rücksprache mit der Leitung wurde klar, dass die Stadt das Thema nicht angehen würde. Also nahmen wir einen Eimer Farbe in die Hand und fingen einfach an zu renovieren“, erinnert sich Gérard-Post.

Doch schon bald wurde klar, dass diese Hilfsidee nur teilweise förderlich war: „Wir haben im Laufe der Zeit dann verschiedene Schulen und Kitas renoviert. Irgendwann merkten wir allerdings, dass die Stadt bei Renovierungsbedarf schnell an unseren Verein verwies. Das war natürlich nicht im Sinne der Sache, schließlich ist die Stadt für ihre Einrichtungen selbst verantwortlich.“

Es musste also ein neuer Ansatz her. Zunächst wurde in der Nähe vom Griechenmarkt in Köln ein kleines Ladenlokal gemietet. Dort verteilten die Helfer*innen in einem ersten Schritt die zahlreichen Sachspenden, die sich beim Verein angesammelt hatten, an Bedürftige. Wenn Kinder kamen, waren auffallend oft nicht die Spielsachen von Interesse, sondern das Essen, das bereitgestellt wurde.

Ein unerwarteter Bedarf wird offensichtlich

Gabriele Gérard-Post: „Ich konnte das gar nicht glauben, dass es in Deutschland Kinder gibt, die nicht genügend zu essen bekommen. Daher haben wir uns mit der Hauptschule am Griechenmarkt ausgetauscht. Die haben uns bestätigt, was auch unser Eindruck war: Viele Kinder kommen ohne Frühstück zur Schule und werden auch nicht mit einem Mittagessen versorgt. Das führt dazu, dass sie in der Schule unkonzentriert sind und oft sogar Kreislaufprobleme bekommen. Als wir davon erfuhren, war klar, dass wir genau da mit unserer Hilfe ansetzen wollten.“

Damit war die Idee für „himmel & ääd“ in der heutigen Form geboren: Man versorgt Kinder innerhalb der Schule mit einem Frühstück, bietet in den eigenen Räumen Mittagessen an und betreut auch danach die Kinder und Jugendlichen bei ihren Hausaufgaben durch Nachhilfe sowie Freizeitangebote. „Wir möchten möglichst umfassend für sie da sein, damit sie über den Tag gut versorgt sind. Gegen 16 bis 17 Uhr gehen sie dann in der Regel wieder nach Hause“, so Gérard-Post.

Ganz zu Beginn gab es dieses weitreichende Rund-um-Angebot noch nicht. Die Geschäftsführerin der gemeinnützigen GmbH erinnert sich: „Wir haben uns das am Anfang viel zu einfach vorgestellt. Es war ja nichts da. Woher die großen Töpfe für so große Mengen nehmen? Wo kochen? Wer kauft wie ein? Wir sieben Gründungsmitglieder haben bald gemerkt, dass wir uns damit eine zu große Aufgabe zugemutet haben. Hinzu kam, dass der Platz in unserem Ladenlokal nur für maximal zehn Kinder reichte und die übrigen auf der Straße Schlange standen. Das fanden wir fürchterlich.“

Statt an diesem Punkt aufzugeben, wurden die Mitglieder von „himmel & ääd“ kreativ: Mit dem Mercure-Hotel fand sich ein Partner, der die Essenszubereitung übernahm. Ein neues Ladenlokal sorgte für mehr Platz. Die Mittagsbetreuung der Kinder wurde professionalisiert. „Und dann kam uns der Gedanke, dass es wenig Sinn macht, die teuer gemieteten Flächen nur für ein Mittagessen zu nutzen. Wir erweiterten also die Betreuungsangebote sukzessive auf den gesamten Tag“, resümiert Gabriele Gérard-Post.

Eine Frau im grauen Sweatshirt sitzt am Tisch.
himmel & ääd-Geschäftsführerin Gabriele Gérard-Post sieht einen enormen Bedarf in der Kinder- und Jugendhilfe und möchte das Angebot der gemeinnützigen GmbH weiter ausbauen.

Seit Januar 2022 ein ganzes Haus mit Platz für 90 Kinder

Nach mehreren Umzügen ist „himmel & ääd“ inzwischen in einem eigenen Haus in der Beethovenstraße mitten in Köln angekommen. Mit etwa 600 Quadratmetern steht der in Rekordzeit renovierte Altbau seit dem 5. Januar 2022 über 90 Kindern offen. Sie können über fünf Etagen hinweg in den verschiedenen Räumen diverse Angebote nutzen – vom Mittagessen bis zum Musikkurs. Betreut werden die Kinder sowohl von Ehrenamtler*innen als auch einem professionellen Team. Gabriele Gérard-Post zählt sie auf: „Wir haben sechs feste Mitarbeiter*innen, ca. 25 Honorarkräfte und um die 50 Ehrenamtler*innen. Damit ist die Betreuung von morgens bis zum späten Nachmittag ganz gut gewährleistet. Allerdings suchen wir weiterhin noch Unterstützung und freuen uns immer über neue ehrenamtliche Mitarbeiter*innen im Team!“

Finanzierung über Spenden

Und wie finanziert sich „himmel & ääd“? Gérard-Post erklärt: „Wir finanzieren 10 Prozent der Kosten über Leistungen für Bildung & Teilhabe (BuT). Der Rest kommt tatsächlich aus Spenden. Das ist eine ziemliche Summe, die da inzwischen zusammenkommen muss. Unsere Kosten liegen bei 500.000 Euro jährlich. Das heißt, wir haben ständig Spendenbedarf. Aber wir bekommen das ganz gut hin. Das Sammeln von Zuwendungen und Zuschüssen ist meine Kernaufgabe. Da ich in Köln gut vernetzt bin, finde ich zum Glück immer wieder die notwendigen Partner und Förderer. Auch für die Jugendlichen, die eine Ausbildungsstelle suchen, konnten wir bislang meist passende Angebote ausmachen.“

„Sonderprojekt“ Ukraine-Krieg brachte himmel & ääd an die Grenzen

Trotz der riesigen Aufgabe, die Gabriele Gérard-Post mit „himmel & ääd“ übernommen hat, möchte die tatkräftige Frau nicht beim Erreichten stehen bleiben. Dabei ist das Projektteam gerade erst in den regulären Betrieb eingestiegen, denn direkt nach Einzug in das neue Haus kam erst einmal der Angriff auf die Ukraine und brachte die nächste Herausforderung an anderer Stelle mit sich: „Als der Krieg begann, hat die DEG Invest ein Haus für Geflüchtete zur Verfügung gestellt, das allerdings von irgendwem bespielt werden musste. Da die Stadt sich dazu nicht in der Lage sah, sind wir eingesprungen. Wir haben 55 Kinder mit ihren Müttern in Empfang genommen, tagsüber betreut und mit Sprachkursen, sozialer Betreuung etc. versucht, sie auf ein Leben hier in Deutschland vorzubereiten. Viele der Geflüchteten waren traumatisiert. Dieses Projekt hat uns sehr viel Kraft gekostet, damit sind wir spürbar an unsere Grenzen gekommen. Dennoch war es ein Erfolg, denn alle 55 Kinder gehen seit dem Herbst in reguläre Schulen im Großraum Köln.“

Zweiter Standort in Bickendorf geplant

Für die Zukunft wird es in jedem Fall dynamisch weitergehen: „Wir eröffnen im kommenden Jahr einen zweiten Standort in Bickendorf. Darüber hinaus bemühen wir uns derzeit darum, eine Anerkennung als Wiedereingliederungshilfe zu erhalten. Dann können wir auch die Schulbegleitung für Kinder mit Integrationsbedarf übernehmen. Das würde unser Angebot abrunden.“

Unweigerlich stellt sich da die Frage, ob es denn nicht viel zu viel ist, was „himmel & ääd“ sich alles vornimmt. Gabriele Gérard-Post bleibt entspannt: „Wir haben bisher alles geschafft, auch wenn wir oft nicht wussten, wie. Ich denke, das liegt daran, dass uns die Kinder so viel zurückgeben. Das motiviert ungemein. Und wir haben ein tolles Team. Inzwischen ist mein Sohn der kaufmännische Leiter von „himmel & ääd“, und das freut mich natürlich sehr, dass er das Ganze weiterführen wird. Ich bin noch berufstätig und muss meine Selbständigkeit und die Geschäftsführung von himmel & ääd irgendwie unter einen Hut bekommen. Aber das funktioniert bislang ganz gut. Und wir haben natürlich eine Reihe an Förderern.“

Eine Frau im grauen Sweatshirt sitzt auf einem Stuhl.
Motivation und Kraft für ihr Engagement erfahren Gabriele Gérard-Post und das Team von „himmel & ääd“ aus dem Dank der jungen Menschen, die sie mit ihrer Arbeit unterstützen.

Die größte Belohnung ist der Dank der Kinder und Jugendlichen

Es ist erstaunlich, mit welchem Tempo und mit wie viel Einsatz Gabriele Gérard-Post mit ihrer gGmbH „himmel & ääd“ voranschreitet. Ihre Energie scheint unerschöpflich und sie durch nichts aufzuhalten. Sie selbst sagt: „Es gibt uns viel Kraft, wenn wir merken, dass unser Engagement Früchte trägt. So haben wir beispielsweise einem Jungen, der anfangs größere Schwierigkeiten hatte, eine Ausbildungsstelle bei einem Gebäude-Reinigungs-Unternehmen vermittelt. Irgendwann stand er vor unserer Tür. Seine Ausbildung hatte er beendet, und er wollte sich bedanken, indem er einmal im Monat bei uns kostenfrei die Fenster putzt. Das zeigt: Er hat das Prinzip von Hilfe erhalten und Hilfe zurückgeben verstanden. Und das ist großartig!

Info

Wir bedanken uns bei Gabriele Gérard-Post für das Interview. Unsere diesjährige Weihnachtsspende geht an himmel & ääd. Wer deren Engagement ebenfalls unterstützen möchte, kann dies direkt und online tun unter:

Spendenkonto himmel & ääd