Gut, dass es Wikipedia gibt

Ich weiß noch, als Wikipedia so richtig Fahrt aufnahm. Damals hatte ich kurz vorher noch die letzte erschienene Druckversion des Brockhaus von meinem Mann geschenkt bekommen und war soo stolz.

Und dann kommt so ein Internet-Lexikon daher mit fragwürdiger Qualität und fegt das gedruckte Lexikon vom Markt. Um dann wiederum einige Zeit später zu verkünden, dass es ohne Spenden von mir nicht weiter bestehen könne. Na, prima, habe ich gedacht. Das ist ja toll. Erst die Konkurrenz vernichten und dann Geld verlangen. Wie alle großen Tech-Monopole.

Inzwischen hat sich mein Bild verändert: Wikipedia ist kein Tech-Monopol. Es ist eine Gemeinschaft. Eine bizarre, teilweise verstockte, vielleicht auch etwas zu kleine und zu wenig offene Gemeinschaft, aber dennoch: Es ist eine Community, die ehrenamtlich und nicht gewinngetrieben agiert. Wie selten ist das denn heutzutage.

Und Wikipedia macht eine gute Arbeit. Nicht jeder Artikel mag in jedem Detail stimmen, es mag Fehler und weiße Flecken geben, aber im Großen und Ganzen sind die Artikel von hoher Qualität. Übrigens sprechen wir von drei Millionen Artikeln! Der Brockhaus auf dem Bild in diesem Artikel bearbeitet 300.000 Stichwörter in 30 Bänden.

Am Ende muss man sagen: In einer so schnelllebigen und inzwischen auch glücklicherweise extrem diversen Welt reicht ein wissenschaftliches Lexikon wie der Brockhaus einfach nicht mehr aus, um den Informations- und Wissensbedarf zu decken.

Wikipedia ist notwendig sowohl als (zumindest theoretisch) demokratische Wissens-Plattform als auch als kontinuierliche Dokumentation sich ständig wandelnder Informationen.

Weswegen ich inzwischen auch gerne für die Plattform spende.

Kunden von Wikipedia überzeugen

Aus meiner Sicht ist es deswegen von großer Bedeutung, Kundenunternehmen, deren Relevanz für Wikipedia gegeben ist, davon zu überzeugen, dort ihre strukturierten Unternehmensinformationen zu hinterlegen und nicht nur eine Grounding-Page in Konkurrenz zum Lexikon-Artikel zu erarbeiten.

Klar: Auf Wikipedia gibt es nicht nur positive Informationen. Auch Kritik an Unternehmen ist dort zu finden. Aber das hat auch zur Folge, dass die Glaubwürdigkeit steigt. Und wer die Kritik sucht, findet sie sowieso.

Es ist nicht einfach für Unternehmen, Wikipedia-Artikel selbst zu bearbeiten. Und das ist auch gut so. Wikipedia möchte keine Eigen-PR und sperrt sich häufig gegen Unternehmenseingriffe bei den entsprechenden Artikeln.

Es gibt allerdings Wege, Unternehmen bei der Pflege ihrer Wikipedia-Präsenz zu unterstützen – vorausgesetzt, die Regeln der Community werden konsequent eingehalten. Genau dabei begleiten wir unsere Kunden: Wir erstellen oder überarbeiten Wikipedia-Artikel transparent und im Einklang mit den geltenden Richtlinien.

Auch wir als „Bezahl-Schreiber“ auf Wikipedia haben es nicht immer leicht. Aber ich finde das nicht schlimm. Wikipedia selbst hat definiert, wie ein Artikel auf ihrer Plattform auszusehen hat und welche Richtlinien es für Agenturen wie uns gibt. Dies zwingt uns, immer wieder Inhalte von Unternehmen kritisch auf ihre lexikalische und objektive Relevanz zu prüfen. Denn am Ende behält das Online-Lexikon nur seinen Wert, wenn es seinem Namen gerecht wird und nicht zur PR-Plattform mutiert.

Was ich interessant finde: Seit die KI-Suchen auf Wiki zugreifen, ist die Bearbeitung der Artikel dort plötzlich ein Thema. Als die Leserschaft „nur“ aus Menschen bestand, konnte man oft nicht davon überzeugen, auch diese Plattform im Rahmen der Unternehmenskommunikation zu pflegen und zu betreuen.

Die Zukunft von Wikipedia

Es wird sicherlich nicht mehr zu ändern sein, dass die Inhalte von Wikipedia mehr und mehr durch Maschinen abgefragt und von ihnen zusammengefasst ausgespielt werden.

Es wird aber weiterhin Relevanz haben, aus welcher Quelle KI-Ergebnisse kommen und welche Güte sie haben. Die Sicherung der Informationsqualität ist aus meiner Sicht für den Nutzwert des Internet lebenswichtig. Ich hoffe mal, dass dies auch die Tech-Konzerne irgendwann so sehen.

Die Sicherung der Informationsqualität im Netz ist auch für die Demokratie überlebenswichtig. Ich hoffe, dass dies die Politik irgendwann versteht.

Auch wenn wir als „Bezahl-Schreiber“ für Unternehmen innerhalb der Wikipedia-Community ein wenig despektierlich gesehen werden. Ich bin stolz darauf, dass wir mit unserer Arbeit dazu beitragen, die Plattform weiter auszubauen und eine gute Qualität der Artikel sicherzustellen. Dafür gehen wir gerne immer wieder in den Diskurs mit den Wiki-Moderatoren. So funktioniert halt Demokratie.