Um dieser Frage nachzugehen, hat er sich mit Tinka aus dem RESULT-Team zusammengesetzt. Sie gehört der sog. GenX an, also den Geburtenjahrgängen 1965 bis 1980. Entstanden ist kein klassisches Frage-und-Antwort-Format, sondern ein offenes Gespräch, das zeigt, wie ähnlich und gleichzeitig unterschiedlich Mediennutzung heute sein kann.
Hier schildert Justus seine Eindrücke:
Der Einstieg in die digitale Welt beginnt nicht immer gleich
Schon bei der ersten Frage wurde für mich deutlich, dass Mediennutzung immer auch etwas mit persönlicher Entwicklung zu tun hat. Während ich gar nicht so früh am Computer saß, sondern erst in der Schule in einer Informatik-AG wirklich mit dem PC in Kontakt kam und dort sogar direkt Programmieren lernte, war meine erste digitale Heimat eher die Konsole. Zuhause kam der PC dann erst später dazu, ungefähr 2019, als Strategiespiele interessant wurden.
Damit war schon am Anfang ein wichtiger Punkt für mich gesetzt: Digitale Medien bedeuten nicht automatisch von Anfang an „Computer“. Der Weg dorthin kann auch über Konsolen, die Schule oder konkrete Interessen führen.
Das Internet bleibt Alltag – auch wenn KI für uns vieles verändert
Im weiteren Gespräch ging es darum, wie regelmäßig wir das Internet nutzen. Die Antwort darauf fiel bei Tinka und mir eindeutig aus: täglich. Tinka nutzt das Internet im Beruf ganz selbstverständlich zum Recherchieren, Lesen, Suchen und Prüfen von Informationen. Auch für mich gehört es jeden Tag dazu. Gleichzeitig muss ich sagen, dass sich mein Umgang damit verändert hat. Seit KI-Tools stärker in meinen Alltag integriert sind, nimmt das klassische Suchen im Internet für mich weniger Raum ein als früher. Nicht, weil es unwichtiger geworden ist, sondern weil manche Dinge über KI-Anwendungen schneller zugänglich sind.
Genau an dieser Stelle wurde eine der zentralen Linien des Gesprächs sichtbar: Die klassische Suche im Internet verschwindet nicht, aber die Art, wie wir auf Informationen zugreifen, verändert sich. Tinka formulierte es so, dass die Kommunikation mit einer KI oft einfacher ist als die Suchfunktion im Internet und die Ergebnisse zielgenauer wirken können – auch wenn sie nicht immer richtig sind. Damit war bereits früh ein Spannungsfeld benannt, das sich durch das ganze Gespräch zog: Komfort und Geschwindigkeit auf der einen Seite, Verlässlichkeit und Prüfbarkeit auf der anderen.
KI hilft uns im Alltag – aber Vertrauen bleibt ein Thema
Passend dazu ging es später direkt um die aktive Nutzung von KI. Tinka nutzt KI nach eigener Aussage im Grunde täglich. Aktiv setzt sie KI unter anderem zur Unterstützung bei Ideenfindung, zur Informationssuche und besonders bei technischen Aufgaben ein, etwa für Excel-Makros oder SPSS-Codes. Dort sieht sie große Vorteile, weil sich Ergebnisse direkt prüfen lassen: Einfügen, testen, sehen, ob es funktioniert.
Ich habe das in Teilen ähnlich beschrieben. Auch für mich ist KI vor allem dann hilfreich, wenn sie Arbeit beschleunigt, Informationen komprimiert oder Vergleiche erleichtert. Als Beispiel habe ich die Recherche zu Customer-Relationship-Management-Tools (CRM-Tools) im Rahmen meines Praktikums genannt: Meine Aufgabe war es CRM-Tools zu vergleichen. Statt viele einzelne Seiten nacheinander zu durchsuchen, lässt sich über KI schneller eine erste Übersicht gewinnen. Das spart Zeit und hilft dabei, strukturierter in ein Thema einzusteigen.
Trotzdem bekam die KI im Gespräch keinen Freifahrtschein. Beide Perspektiven machten deutlich, dass sie für uns ein starkes Werkzeug ist, aber nicht automatisch die verlässlichste Quelle. Gerade wenn Informationen stimmen müssen, bleibt ein Punkt unübersehbar: Vertrauen hat Grenzen.
Wenn Genauigkeit zählt, bleibt für uns die klassische Suche im Internet vorn
Besonders klar wurde das bei der Frage, wofür eher die klassische Suchmaschine und wofür eher KI genutzt werden sollte. Tinka sagte sehr klar: Wenn Ergebnisse wirklich korrekt sein müssen, dann bleibt die klassische Internet-Recherche die erste Wahl. Dabei lassen sich Quellen prüfen, Texte direkt lesen und Inhalte besser einordnen. KI-Chatbots sieht sie vor allem als Sparringspartner für Ideen und als besonders stark bei logisch-technischen Aufgaben.
Auch meine Antwort ging in diese Richtung, nur aus meinem eigenen Alltag heraus formuliert: Für Hausarbeiten, wissenschaftliche Arbeiten, allgemeine Recherche oder um Nachrichten und gesellschaftliche Themen besser einzuordnen, bleibt die klassische Internet-Suche für mich zentral. KI nutze ich eher ergänzend: zum Beispiel, wenn ich ein Thema aus den Nachrichten noch einmal verständlicher erklärt bekommen möchte oder wenn ein Text zunächst zu lang und zu dicht wirkt. Auch bei Rezepten hilft sie mir praktisch weiter – etwa, wenn Mengen umgerechnet oder Zutaten ersetzt werden sollen.
Damit wurde ein klares Muster sichtbar: Die klassische Suche im Internet ist für uns vor allem der Ort für belastbare Informationen und eigenständige Prüfung. KI nutzen wir als Werkzeug, das Tempo bringt, Dinge vereinfacht und beim Denken oder Strukturieren unterstützt.
Fernsehen wird nicht abgeschafft – es wird anders genutzt
Ein interessanter Wechsel im Gespräch kam dann mit der Frage nach linearem Fernsehen. Schon meine Rückfrage, was genau damit gemeint sei, war eigentlich eine Antwort für sich. Nachdem Tinka klassische Sender wie ARD, ZDF, RTL oder Sat.1 genannt hatte, war schnell klar: Das traditionelle Prinzip „einschalten und sehen, was gerade läuft“ spielt in meinem eigenen Medienalltag nur noch eine geringe Rolle.
Ganz verschwunden ist es aber nicht. Wenn meine Eltern fernsehen, schaue ich durchaus mit – besonders gern bei ARD und ZDF. Auch Nachrichtenformate oder satirische Sendungen wie die heute-show gehören für mich dazu. Der Unterschied liegt weniger im Inhalt als in der Nutzung: Das bewusste „Ich mache jetzt den Fernseher an und gucke, was läuft“ ist in meinem Alltag eher durch Watchlists, Streamingdienste und Mediatheken ersetzt worden.
Das beschreibt vielleicht einen größeren Wandel gut: Inhalte sind immer noch wichtig, aber mein Weg dorthin hat sich verändert. Nicht mehr das laufende Programm entscheidet für mich, sondern meine eigene Auswahl. Nicht mehr Sendezeit, sondern Verfügbarkeit.
Alte und neue Audiomedien existieren in unserem Leben nebeneinander
Ein besonders schönes Bild entstand bei der Frage nach Schallplatte, Kassette, CD, Radio und Musikstreaming. Schallplatten habe ich nie genutzt. Kassetten dagegen verbinde ich stark mit meiner Kindheit, vor allem mit dem Einschlafen. CDs waren ebenfalls ein fester Teil meines Alltags, besonders bei Autofahrten zur Schule, wenn Hörspiele liefen. Radio nutze ich heute nur noch selten. Musikstreaming hingegen ist für mich täglich präsent und wahrscheinlich nach sozialen Medien eine der meistgenutzten Funktionen auf meinem Handy.
Gerade darin steckt eine für mich spannende Erkenntnis: Neue Medien ersetzen die alten in meinem Leben nicht nur. Manche bleiben als Erinnerung, manche als Gewohnheit, manche als Komfortlösung. Und manche – wie Musikstreaming – sind für mich so selbstverständlich, dass ich sie kaum noch als „neues Medium“ wahrnehme.
Virtuelle Welten faszinieren uns – aber die reale Welt bleibt stärker
Mit der Frage nach der VR-Brille bekam das Gespräch noch einmal eine andere Richtung. Ich habe erzählt, dass ich selbst eine VR-Brille besitze und das Produkt grundsätzlich positiv sehe. Es macht Spaß, ist immersiv und eröffnet viele Möglichkeiten, vor allem im Gaming-Bereich. Gleichzeitig habe ich auch gesagt, dass ich sie seit längerer Zeit nicht mehr verwendet habe.
Warum? Der Grund dafür liegt nicht an der Technik selbst, sondern eher an ihrer Rolle in meinem Alltag. Vieles, was in virtuellen Räumen möglich ist, lässt sich für mich im echten Leben sinnvoller oder angenehmer erleben. Statt online mit Menschen an einem virtuellen Tisch zu sitzen, schreibe ich Freunden lieber und treffe mich mit ihnen Draußen.
Ich merke, auch das gehört zur Wahrheit der Mediennutzung: Nur weil etwas technisch möglich und beeindruckend ist, wird es nicht automatisch dauerhaft Teil meines eigenen Alltags.
Am Ende zählt für mich oft, was wirklich verlässlich ist
Gegen Ende des Gesprächs wurde es noch einmal grundsätzlich. Ich stellte die hypothetische Frage, was man wählen würde, wenn man sich zwischen klassischer Internetnutzung und KI-Nutzung entscheiden müsste. Die Antwort von Tinka fiel klar aus: Wenn eines aus ihrem Leben verschwinden müsste, wäre das für sie die KI. Als Grund dafür nannte sie vor allem den Anspruch an Wahrheitsgehalt und reale Inhalte.
Ich habe mich dieser Einschätzung angeschlossen, allerdings mit meinem eigenen Schwerpunkt: Für mich ist KI eine große Hilfe, wenn es darum geht, schneller und produktiver zu arbeiten. Die klassische Suche im Internet bleibt aber ja die eigentliche Grundlage, auf der Recherche, Lernen und viele Formen von Arbeit überhaupt erst möglich werden.
Gerade in dieser Schlussfrage wurde für mich noch einmal deutlich: KI ist ein wertvolles Werkzeug, aber nicht das Fundament. Das Fundament bleibt das Internet.
Google Maps zeigt, wie selbstverständlich Medien uns begleiten
Zum Schluss wurde es noch einmal sehr alltagsnah. Auf die Frage, wie oft ich Google Maps nutze, war meine Antwort eindeutig: eigentlich täglich. Selbst bei Wegen, die ich bereits kenne, aktiviere ich die App oft, einfach wegen Staus, Unfällen oder möglicher Zeitersparnis. Gerade im Raum Köln ist das für mich ein echter Vorteil. Auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad nutze ich Google Maps, wenn ich Orientierung brauche oder schnell wissen will, wo etwas liegt.
Das klingt erstmal banal, sagt aber viel darüber aus, wie Medien heute für mich funktionieren: Sie liefern nicht nur Informationen, sondern begleiten mich. Sie helfen mir nicht nur dabei, etwas zu wissen, sondern auch dabei, schneller, einfacher und sicherer Entscheidungen zu treffen.
Was von diesem Gespräch bleibt
Am Ende war dieses Gespräch viel mehr als ein Vergleich zwischen zwei Generationen. Es war für mich eher ein Blick darauf, wie Medien heute ganz selbstverständlich ineinandergreifen. Die klassische Internet-Suche bleibt für mich die Grundlage für Recherche, Verlässlichkeit und Orientierung. KI ist in meinem Alltag ein starkes Werkzeug für Tempo, Struktur und Unterstützung. Streaming ersetzt bei mir oft das lineare Programm, „alte Medien“ bleiben trotzdem emotional präsent. Und selbst dort, wo Technik besonders weit wirkt – etwa bei VR –, zieht für mich die reale Welt oft immer noch stärker.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Erkenntnis aus diesem Abschlussgespräch: Die Unterschiede in der Nutzung liegen für uns nicht darin, ob ein Medium “alt” oder “modern” ist. Wir nutzen Medien so, wie sie für unseren Alltag gerade am sinnvollsten sind. Der spannendste Unterschied zwischen GenX und GenZ war für mich letztlich gar nicht, welche unterschiedlichen Medien wir nutzen, sondern wie selbstverständlich wir zwischen ihnen hin- und herwechseln.
