Einen detaillierten Blick auf diese Generation sowie auf die Generation Alpha wirft die Jugendtrendstudie 2026 des Instituts für Generationenforschung in Zusammenarbeit mit der Universität Augsburg. Die Studie wurde unter dem Titel „Die einsamste Jugend aller Zeiten“ veröffentlicht. Die Befragung im Januar und Februar 2026 richtete sich neben den jungen Generationen auch an die älteren Generationen in Deutschland, um Vergleiche ziehen zu können. Die insgesamt 4.865 Befragten, die in einem Mixed-Method-Ansatz aus einer quantitativen und qualitativen Befragung erhoben wurden, liefern umfangreiche Einblicke und fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse.
Ab wann beginnt die Generation Z und welche Jahrgänge umfasst sie?
Die Generation Z umfasst je nach Definition unterschiedliche Geburtsjahrgänge. Die meisten Studien ordnen ihr Menschen zu, die zwischen 1997 und 2012 geboren wurden. Einige Quellen setzen den Beginn der Gen Z bereits auf 1995 an, so auch das Institut für Generationenforschung. Ab wann jemand zur Generation Z zählt, hängt also von der jeweiligen wissenschaftlichen oder marktforschungsbezogenen Definition ab.
Junge Männer in Deutschland fühlen sich am einsamsten
Das Gesamtbild der Studienergebnisse ist erschreckend. In einem Vergleich mit einer Erhebung aus dem Jahr 1991 zeigen die Autoren der Studie ein zunehmendes Gefühl der Vereinsamung in der gesamten deutschen Bevölkerung. Dabei wird deutlich: Einsamkeit ist nicht nur ein Generationenphänomen, sondern auch ein Altersphänomen. Je jünger eine Person in Deutschland ist, desto einsamer fühlt sie sich. So weisen die Altersgruppen von 18 bis 34 Jahren deutlich höhere Summenscores (2,07 bis 2,18) auf der erhobenen Skala auf als ältere Personen (Skala von 1 bis 5, je höher der Score, desto einsamer). Die aktuell am wenigsten einsame Altersgruppe ist nach eigenen Angaben die der 35- bis 49-Jährigen mit einem Score von 1,39.
Im Vergleich mit den Ergebnissen aus dem Jahr 1991 wird dabei deutlich, dass sich Personen im jungen Alter damals wesentlich weniger einsam fühlten, als sie es heute tun. Lag der Summenscore der 21- bis 24- Jährigen 1991 beispielsweise noch bei 1,59, liegt er in der aktuellen Studie bei 2,18. Junge Menschen in Deutschland fühlen sich heute demnach deutlich einsamer als sie sich vor 35 Jahren gefühlt haben.
Dabei fühlen sich Männer in allen Altersgruppen einsamer als Frauen. So war es auch schon in der Vergleichsstudie aus den 90er-Jahren und auch in der „einsamsten Generationengruppe“, der Generation Z , spiegelt sich dieses Bild wider.
Ostdeutsche fühlen sich häufiger einsam
Wie auch in anderen Vergleichen zwischen Ost- und Westdeutschland, hier seien beispielsweise die Höhe des durchschnittlichen Stundelohns oder die wirtschaftliche Stärke genannt, zeigt sich auch in dieser Studie ein Ost-West-Gefälle. War die Differenz im Jahr 1991 noch andersherum, ist die heutige ostdeutsche Bevölkerung mit einem Summenscore von 2,07 subjektiv einsamer als die Bevölkerung in Westdeutschland mit einem Summenscore von 1,71.
Auffällig ist hier ein Bundesland im Süden: Bayern. Personen aus Bayern weisen die signifikant geringste wahrgenommene Einsamkeit in Deutschland auf, wie die Ergebnisse der Studie ergeben. Für Bayern ergab sich in der Studie des Jugendtrends ein Summenscore von 1,38. Den nächstniedrigsten Wert weist Brandenburg mit 2,0 auf. Allerdings weisen die Autoren der Studie ausdrücklich darauf hin, dass lediglich 13,9 % der Varianz in der Ausprägung der Einsamkeitsabfrage auf das Bundesland zurückzuführen sind und andere Einflussfaktoren hier eine größere Rolle spielen könnten.
Führt Einsamkeit zu politischen Extremen?
Neben dem Geschlecht, Wohnort und Alter beleuchtet die Jugendstudie ebenfalls Zusammenhänge zwischen der wahrgenommenen subjektiven Einsamkeit und der politischen Präferenzen. So zeigen die Ergebnisse, dass Wähler:innen der polarisierenden Rand-Parteien AfD und die Linke, im Vergleich zu anderen Parteien wie der SPD, CDU, FDP und den Grünen, die höchsten Werte in der subjektiven Einsamkeit aufweisen. So äußert die Wählerschaft der AfD mit einem durchschnittlichen Einsamkeitswert von 2,27 das höchste Einsamkeitsgefühl in der Stichprobe der Studie, während die Wählerschaft der FDP mit 2,02 die am wenigsten einsamste ist.
Innerhalb der Personen, die die AFD bei der nächsten Bundestagswahl wählen würden, ist es wieder die Generation Z, die die höchsten wahrgenommenen Einsamkeitswerte aufweist (Summenscore von 2,42 vs. 2,10 in der Generation X). Auch hier sind wieder die jungen Männer auffällig, die sich am einsamsten fühlen.
Eine wichtige Erkenntnis der Studie ist dabei, dass viele junge Menschen in ihrem Umfeld selbst die starke Polarisierung zu einer der beiden Extrem-Richtungen wahrnehmen. Durch die starke Präsenz der AFD auf TikTok und generell den sozialen Medien erklären sie sich den Aufschwung der Partei in ihrer Generation. Aber bedeutet das, dass Menschen, die sich einsam fühlen, anfälliger für die Rand- und Extremparteien sind? Einen kausalen Zusammenhang können die Autoren hier zumindest nicht feststellen, eine Tendenz ist allerdings ersichtlich.
Vertrauen, Ängste, Unzufriedenheit, Gesundheit und das Gefühl von Einsamkeit
Signifikante Zusammenhänge mit dem wahrgenommenen subjektiven Einsamkeitsgefühl konnten die Autoren in der Studie für das Vertrauen in das deutsche Bildungssystem, die Angst aufgrund der aktuellen Situation im Land, die Einschätzung der eigenen Gesundheit und die Zufriedenheit mit dem aktuellen Beziehungsstatus identifizieren. Je niedriger das Vertrauen in das deutsche Bildungssystem, je niedriger die Zufriedenheit mit dem aktuellen Beziehungsstatus, je schlechter die eigene psychische und physische Gesundheit wahrgenommen werden und je stärker die Ängste aufgrund der momentanen Situation in Deutschland, desto höher das Einsamkeitsgefühl der Befragten. Hier ist es wichtig zu betonen, wie es die Autoren der Studie vermehrt tun, dass es sich nur um Korrelationen der Konstrukte, d.h. statistische Zusammenhänge, handelt und keine reliablen Ursache-Wirkungs-Aussagen getroffen werden können.
Fazit: Was wir aus der Studie zur Einsamkeit der Gen Z lernen können
Die Jugendtrendstudie 2026 zeichnet ein deutliches Bild: Junge Menschen fühlen sich einsamer als ältere Generationen. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass Einsamkeit kein einfaches Phänomen ist. Hinter den höheren Einsamkeitswerten stehen unterschiedliche soziale, persönliche und gesellschaftliche Zusammenhänge, die sich nicht auf eine einzelne Ursache reduzieren lassen. Insgesamt beleuchtet die Studie auf methodisch fundierte Art und Weise den Komplex Einsamkeit in unterschiedlichen Perspektiven. So wird zum Beispiel auch darüber berichtet, wie junge Menschen mit dem Gefühl von Einsamkeit umgehen, welche Rolle soziale Beziehungen und digitale Medien spielen, und wie Ängste und politische Einstellungen damit zusammenhängen. Es ist eine lesenswerte Forschungsarbeit, die viele spannende Einblicke enthält.
Über die Jugendtrendstudie 2026:
Die Jugendtrendstudie 2026 des Instituts für Generationenforschung wirft einen genauen Blick auf die jungen Generationen unseres Landes. Neben der Erhebung in Deutschland, wurde die Jugendtrendstudie 2026 auch in der Schweiz und den Niederlanden durchgeführt.
Interesse geweckt? Hier können Sie sich genauere Informationen des Instituts für Generationenforschung zur Studie einholen und diese käuflich erwerben.
