Seit 2007 trifft sich die europäische WordPress-Community jedes Jahr in einer der zahlreichen europäischen Städte, um gemeinsam für und an WordPress zu arbeiten und sich auszutauschen. Dieses Jahr also in Berlin. Klar, dass wir uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen und dem, laut Organisatoren, größten WordCamp der Geschichte einen Besuch abstatteten. Zum ersten Mal mit im Gepäck: „resultuu“, unser WordPress-Wapuu.

Nach einer !klimatisierten! Zugfahrt von Köln nach Berlin kamen wir am Veranstaltungsziel, dem Estrel Hotel Berlin, an. Und hier wurde uns das erste Mal klar: das WordCamp Europe wird groß. Wirklich groß. Nicht umsonst wurde das Estrel als größtes Hotel und Konferenzzentrum Europas ausgesucht. Anders wäre die Kombination aus Veranstaltungsräumen und Unterkunftsmöglichkeiten für die mehr als 3.000 Teilnehmer auch vermutlich nicht zu stemmen gewesen.

Nachdem bereits am Mittwochabend einige der WordCamper angereist waren, wurden im hoteleigenen Biergarten Neuigkeiten über die Community, anstehende Projekte, aber auch Privates besprochen – sowie natürlich auch den lokalen Kaltgetränken genug Aufmerksamkeit geschenkt.

Die Community supportet – Der Contributor-Day

Der erste Programmpunkt war der angesetzte Contributor Day am Donnerstag vor Camp-Beginn. An diesem Tag versuchen alle WordCamper in verschiedenen Teams (Design, Core Entwickler, Polyglots, Accessability etc.) Probleme der Nutzer zu lösen und das Projekt WordPress gemeinsam weiter voran zu bringen. Ein Vorteil, diesen doch sehr arbeitsintensiven Tag vorzuziehen, ist, dass die benötigte Energie bei allen Teilnehmern noch vorhanden ist. Nach 2 Tagen WordCamp kann das schon mal anders aussehen.

Durch perfekte Organisation (hier einmal ein großes Dankeschön an das gesamte Orgateam sowie an den Local Lead Bernhard Kau!) war es ohne Probleme möglich, die angemeldeten 600 Contributoren schnell und ohne große Warteschlangen mit Badges, Lageplänen und ersten Infos zu versorgen.

Nach kurzen Opening Remarks wurden die jeweiligen Teams durch ihre Teamleads vorgestellt. Neben den alteingesessenen WordCampern und denen, die auch in ihrer sonstigen Freizeit zu WordPress beitragen, gab es in diesem Jahr auch 169 neue Contributoren. Eine beeindruckende Zahl, die man in anderen Communities erst einmal finden muss.

Der ContributorDay folgt meistens einer festen Struktur: die WordCamp-Attendees ordnen sich verschiedenen Teams zu. Die Aufgaben der jeweiligen Teams bestehen darin, gemeinsam Lösungen für Probleme zu finden oder Anmerkungen und „Beschwerden“ der Community zu bearbeiten und zu beantworten.

Campday 1 – groß und größer

Nach einem guten Frühstück begann der erste Tag des WordCamps mit den Opening Remarks. Und hier wurde einem auch sehr schnell bewusst, warum dieses WordCamp Europe das größte, jemals dagewesene WordCamp war: der Saal und der Bühnenaufbau sprengten mit ihrer Größe alles, was wir bisher auf WordCamps gesehen hatten. Der Aufbau erinnerte direkt an die Keynotes der großen US-Tech-Unternehmen. Ein beeindruckendes Bild.

Nach einer allgemeinen Begrüßung aller 2.700 Attendees folgten direkt die ersten Sessions bzw. Tracks. Die Auswahl der Speaker war so umfang- und themenreich, dass uns die Entscheidung für einen Track schwer fiel.

Ein weiteres Highlight des ersten Camp-Tages war der Vortrag sowie das anschließende Q & A mit WordPress-Co-Founder Matt Mullenweg. Der Kopf hinter der WordPress-Foundation, extra angereist aus San Francisco, gab einige Einblicke über den aktuellen Stand des Block-Editors Gutenberg sowie die mit dem Projekt verknüpften weiteren Entwicklungsphasen. Im anschließenden Q & A wurde die Chance rege genutzt, sich mit vielen und zum Teil auch kritischen Fragen direkt an den WordPress-Co-Founder zu wenden. Auch wenn es nicht wirklich etwas Neues zu erfahren gab, war es interessant zu sehen, mit welcher Leidenschaft sich die Community engagiert.

Schneller als gedacht endete auch der erste WordCamp-Tag und da uns die Sonne, wie bei so vielen von uns bisher besuchten WordCamps, auch dieses mal nicht im Stich gelassen hat, wurde der Abend im Biergarten oder in einer der zahlreichen Locations in Berlin verbracht.

Kanal vor dem Hotel

Laue WordCamp-Sommer-Abende

Campday 2 – It’s community & feedback time

Die Nacht war kurz und der zweite WordCamp-Tag kam schneller als gedacht. Nach einem umfangreichen und durchaus gesunden Frühstück begann der zweite Tag für uns mit einem Track von Jack Lenox zum Thema “How better performing websites can help save the planet”. Oft scheinen wir zu vergessen, dass unsere digitalen Schritte und Aktionen in der “echten” Welt Ressourcen verbrauchen. Ein interessanter Blickwinkel und Denkansatz, gerade unter dem Gesichtspunkt der zunehmenden Frage nach Nachhaltigkeit. Auch wenn sich, z. B. aus Designer-Sicht, nicht auf alle “stromfressenden” gestalterischen Elemente verzichten lässt, können doch schon Kleinigkeiten zur digitalen Nachhaltigkeit beitragen. Einen interessanten Einblick in das Thema gibt es auf seinem Blog unter “Delivering WordPress in 7KB”.

Den Nachmittag des zweiten Tages haben wir fast ausschließlich mit Netzwerken verbracht. Auch das gehört für uns selbstverständlich zu einem guten WordCamp dazu. Vor allem der Austausch mit Teilnehmern aus anderen Ländern ist hier eine große und interessante Bereicherung.

Neben Gesprächen mit neuen und bekannten Gesichtern aus der Community gab es für uns auch die Möglichkeit, mit zwei Plesk-Entwicklern zu sprechen. Dank Matthias von unserem Hoster WP-Projects hatten wir hier die Möglichkeit, Lob und Kritik direkt an diejenigen zu richten, die das Feedback ansonsten eher um mehrere Ecken bekommen. So stellte sich heraus, dass wir bzw. unsere Kunden andere Wünsche und Anforderungen an die Software haben, als ursprünglich von Plesk gedacht. Eine gute Möglichkeit, Wünsche und Feedback direkt zu äußern und aber auch genauer zu erklären. Auch solche Gespräche sind Dank eines WordCamp Europe möglich.

Fakten. Fakten. Fakten.

Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist. Soll, nicht will. So kamen auch für unseren Geschmack die Closing Remarks viel zu schnell. Neben den Danksagungen an alle Attendees, Volunteers und Organizer wurden gegen Ende auch einige Zahlen präsentiert. Und die sind wirklich beeindruckend:

0
verkaufte Tickets
0
anwesende Teilnehmer
0
Mahlzeiten
0
Speaker
0
Sponsoren
0
Erstteilnehmer
0
Länder
0
Micro-Sponsoren

Fazit

Wie bei jedem WordCamp gibt es immer Positives und Negatives zu berichten. Bei allen von uns bisher besuchten WordCamps überwog das Positive deutlich. Je größer ein WordCamp ist, desto höher ist selbstverständlich auch der logistische und organisatorische Aufwand. Das es hier und da Punkte gibt, die nicht so funktionieren wie geplant, ist klar. Doch zwei Punkte, die uns aufgefallen sind, möchten wir hier trotzdem einmal ansprechen:

Zero-Waste-Strategie und Salat in Plastikbechern?

In den Closing Remarks wurde noch einmal auf die Zero-Waste-Strategie hingewiesen. Eine super Sache, wie wir finden. Dass sich auf einer Veranstaltung mit knapp 3.000 Teilnehmern (Plastik)-Müll nicht verhindern lässt, ist leider aktuell noch verständlich. Daher finden wir es umso wichtiger, wenn sich das Orga-Team im Vorfeld für Zero-Waste einsetzt und dies mit der jeweiligen Location abspricht. Deshalb hat es uns doch etwas gewundert, dass der Salat beim Fingerfood-Buffet in Plastikbechern serviert wurde. Der Abfallberg, der dort an drei Tagen entstanden sein muss, dürfte relativ groß gewesen sein. Welche Gründe für das Verpacken des Salats in Plastikbecher gesprochen haben, ob es Hygienevorschriften sind oder Budgetkriterien, spielt eigentlich am Ende keine Rolle. Mit Zero-Waste hat das leider wenig zu tun. Dieser Punkt sollte für das nächste WordCamp (Europe) auf jeden Fall das wichtigste Learning sein. Auch sollte man ganz bewusst mit Sponsoren über die Auswahl des Swags reden und deutlich machen, dass lieber weniger und dafür nachhaltigere “Geschenke” gewünscht sind. Einige sind eh bereits in dieser Richtung unterwegs, wie z. B. Jetpack mit gebrandeten Edelstahl-Strohhalmen.

After Party leider nicht für alle?

Der zweite und letzte Kritikpunkt ist das Konzept der After-Party. Dadurch, dass wir bereits relativ früh zur Veranstaltungsfläche aufgebrochen sind, haben wir problemlos eines der begehrten Bändchen bekommen. Warum begehrt? Weil, wie sich später herausstellte, es nur 1.400 Bändchen gab. Unter anderem, wohl aus Brandschutzgründen, waren nicht mehr als 1.400 Personen auf der Veranstaltungsfläche erlaubt. Bei, nach offiziellen Angaben, 2.734 Teilnehmern, die theoretisch auf die Party gehen wollen, definitiv zu wenig. Auch wenn man nur mit einer 70%-igen Teilnahme rechnet, sind 1.400 immer noch zu wenig. Personen, die bereits nicht mehr auf der Party anwesend waren, wurden, zumindest zu Beginn, immer noch wie anwesend behandelt, sodass WordCamp-Teilnehmer und sogar Sponsoren nicht auf die Party gelassen wurden. Planungstechnisch scheint hier wohl etwas schiefgelaufen zu sein, was man beim nächsten Mal definitiv besser machen muss.

Und noch ein kleiner Wink: eine Party sollte auch immer Sitzgelegenheiten bieten. Sollte es z. B. einigen Personen aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich sein, den gesamten Abend zu stehen, bleibt nur der Gang von der Party weg in einen anderen Bereich, in diesem Fall die Lobby. Und dass Personen aus diesen und ähnlichen Gründen nicht an der Party teilnehmen können, dürfte nicht im Sinne des Orga-Teams und des Code of Conduct sein.


UPDATE 26. Juni 2019

Mittlerweile gibt es eine offizielle Stellungsnahme zu diesem Kritikpunkt. Das Statement »After Party: An Apology« hier nachlesen.


 

Und trotzdem eins der besten WordCamps auf dem wir bisher waren!

Doch trotz dieser beiden Kritikpunkte, war das WordCamp Europe 2019 für uns eine absolut runde und tolle Veranstaltung. Ein Event in dieser Größenordnung auf die Beine zu stellen, Speaker zusammen zu bekommen, das ganze Konzept drum herum – absolut gelungen. Die Tracks waren gut durchmischt, die Themen vielfältig.

Am Ende möchten wir uns natürlich noch einmal bei allen Organisatoren, Freiwilligen und Personen bedanken, die zum Gelingen dieses riesigen WordCamps beigetragen haben. Dass all das auf freiwilliger Basis passiert ist, wirklich beeindruckend. Wir haben uns rundum wohlgefühlt.

Ein weiterer Dank gilt der tollen Community. Viele bekannte Gesichter, aber auch viele neue haben wir getroffen und Inhalte und Ideen ausgetauscht. Daher freuen wir uns auf jeden Fall bereits auf das nächste Jahr und das #WCEU 2020 in Porto. Wir sind sicherlich dabei!

P.S.: Wem Porto zunächst zu weit ist oder wer lieber ein ruhigeres WordCamp bevorzugt, dem möchten wir ganz besonders das WordCamp Retreat in Soltau ans Herz legen, bei dem wir selbstverständlich auch wieder als Sponsor dabei sind.