Wir Zuschauer bekommen das, was wir verdienen

Vor etwas mehr als zwei Wochen berichtete Spiegel Online, die ARD stehe in der Kritik, weil dort zu viele Talkshows mit immer wieder gleichen Gästen gezeigt würden. Diese Kritik halte ich teilweise für berechtigt.

Tatsächlich steckt die ARD aber auch das ZDF in einem Dilemma. Beide Sender sollen einerseits ihrem Auftrag gerecht werden, andererseits aber auch Quote machen. Gelingt ihnen das nicht, geraten sie in das Kreuzfeuer der Kritik. Es ist – denke ich – auch richtig, wenn zumindest von diesen beiden öffentlich-rechtlichen Sendern erwartet wird, dass sie nicht auf jeden Unterhaltungszug aufspringen. Ebenso richtig ist es, wenn man von den zwei Großen erwartet, dass sie nicht nur eine kleine intellektuelle Elite bedienen. Ach ja: Verjüngen sollen sie sich auch noch.

(Bildquelle: (CC BY-NC-SA 2.0) Haags Uitburo | flickr.com)

Doch tatsächlich ist die Umsetzung schwierig. Das Fernsehpublikum ist „versaut“. Es hat sich an leichte Kost gewöhnt, zu genau hinsehen und hinhören will es beim Fernsehen sowieso nicht. Wer möchte schon direkt nach der Arbeit so etwas wie „Das kleine Fernsehspiel“ (erinnert Ihr Euch?) oder gar eine Dokumentation über das Elend in der Dritten Welt sehen?

Einige werden jetzt sagen: „Natürlich möchte ich so etwas sehen! Mir geht die Verflachung des Fernsehangebots sowieso schon lange gegen den Strich! Her mit Literatursendungen, prämierten Kunstfilmen und Dokumentationen!“ Ja, das hören wir in der Medienforschung oft. Aber wehe, man fragt dann einmal nach, zum Beispiel wann denn derartige Sendungen kommen sollen. Dann werden Antworten gegeben wie: „Nicht um 20.15 Uhr, das ist mir zu früh.“ „Unter der Woche ist das eigentlich sowieso zu anstrengend.“ „Sonntagvormittag wäre gut. Obwohl, da schaue ich eigentlich nie fern.“ Ähnlich verhält es sich bei der Frage, was man sich denn für Inhalte wünscht. „Zu schwer darf es nicht sein.“ „Und bei Büchern will ich nicht so abgehobenes Zeug.“ „Aber auch kein Rosamunde Pilcher, so etwas muss man nicht besprechen.“ Ich könnte die Liste beliebig fortsetzen.

(Bildquelle: (CC BY-NC-SA 2.0) kotofoto | flickr.com)

Leider sind wir – das Publikum – alles in allem nicht unschuldig an dem Fernsehen, das wir haben. Wir bekommen das, was wir verdienen – könnte man sagen. Schade ist es in jedem Fall. Denn wenn man zufällig doch einmal in eine anspruchsvolle Sendung oder einen literarischen Film „hineingerät“, ist man oft erstaunt, wie bereichernd Fernsehen sein kann. So geht es mir jedenfalls.

Meine Hoffnung ist, dass ARD und ZDF trotz aller Kritik bei miesen Quoten den Mut finden, auf attraktiven Sendeplätzen stärker als bisher „Qualitätsprofil“ zu zeigen. Denn ich glaube, es würden sich nicht sofort Horden von Zuschauer darauf stürzen, aber irgendwann würden wir die Lust an gutem Fernsehen wiedergewinnen.

Außerdem: In seltenen Fällen gelingt ja sogar die Kombination von Kult und Quote. Der Tatort ist da ein Beispiel. Und ich verspreche jetzt hoch und heilig: Ich schaue es mir dann auch an!

Von | 2015-07-16T13:58:29+00:00 3. Juli 2012|Kategorien: Allgemein, Fernsehen, Medienforschung|Tags: , , , , , , , |

Über den Autor:

Sabine Haas

Sie gründete 1994 das result Markt- und Medienforschungsinstitut, 2007 folgte eine Webagentur, im Jahr 2011 der Geschäftsbereich Beratung. Als Kennerin der alten wie auch Neuen Medien gehört sie zu den gern gesehenen Speakerinnen bei Fachveranstaltungen & Kongressen rund um das Thema „Digitaler Wandel/Medienwandel“.

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