Wie viel Nestwärme braucht User-Generated-Content?

Die von der ARD/ZDF-Onlinestudie realisierte Messung zur Verbreitung von Social Media kann spätestens mit den aktuellen Werten für das Jahr 2011 auf eine hinreichend lange Geschichte zurückblicken, um Fragen nach Wachstumsdynamik und grundsätzlicher Bedeutung einzelner Erscheinungsformen von Social Media zu beantworten – jedenfalls aus der Perspektive des Jahres 2011.

Die Zeitreihenmessung bringt unter anderem zum Ausdruck,

  • dass Blogs derzeit im Web von weniger als 10 Prozent der Onliner genutzt werden, und es keinen Hinweis darauf gibt, dass sich dies zukünftig ändern wird. Der aktuelle Messwert von 7 Prozent ist über die letzten vier Jahre praktisch konstant geblieben.
  • dass Foto-Communities ihren Zenit scheinbar überschritten haben. Der Vorjahresmesswert, der ein Ausrutscher nach unten hätte sein können, findet in 2011 Bestätigung. 18 und nicht mehr 25 Prozent (2009) der Internetuser nutzen aktuell diese Funktion.
  • dass Twitter die bereits 2010 gemessenen 3 Prozent hält. Das ist, sind wir ehrlich, schlicht und einfach marginal. Die explosiv gestiegenen Smartphone-Nutzerzahlen wären eine fantastische Basis gewesen, aber …

Bildquelle: CC-BY khloges | flickr.com

Auch der sehr lesenswerte Beitrag in den Media Perspektiven der Autoren Busemann und Gscheidle beschreibt die Entwicklung auf Basis der Messwerte der ARD/ZDF-Onlinestudie 2011. Vor allem verbindet der Artikel diese Kennziffern analytisch mit jenen der privaten Netzwerke, die im Bereich Social Media praktisch die einzige Anwendung sind, die 2011 statistisch noch zulegen kann. Die These lautet:  „Mehr und mehr wandern ursprünglich eigenständige Web-2.0-Angebote in die Community und machen letztere noch attraktiver.“ Gemeint ist, dass Fotos und Videos hochgeladen werden können, und auch Statusmeldungen als kleine Blogs Nutzung beziehungsweise Umnutzung erfahren. Zumindest stellt die Statusmeldung eine Option für jene Nutzer bereit, denen an ganz kurzen Beiträgen gelegen ist.

Gut. Wenn also die These stimmt, dass die Integration dieser Funktionen manche Onliner davon abhält, im großen, kalten und anonymen World Wide Web entsprechende Dienste zu nutzen, dann könnte das nicht nur langweilige „Kannibalisierung“ sein, die nun einmal immer dort auftritt, wo ähnliche Services parallel verwendet werden. Es könnte ein Hinweis darauf sein, dass die „Betriebstemperatur“ des WWW und auch die Wärme, die der Special-Interest-Gleichgesinnte erzeugt, oft nicht ausreichen, um anderen Nutzern eigene Inhalte (Fotos, Filme, Gedanken) zu präsentieren.

Was ist dann mit den Online-Communities von Unternehmen beziehungsweise Brands? Immer mehr Verantwortliche strengen sich derzeit an, rund um ihre Marken Communities zu etablieren. Die Hoffnungen liegen auf der Hand: umfassendes Verbraucherverständnis, direktes Voting durch Lead-User ohne aufwendige Marktforschung und so weiter. Aber, so ist zu fragen, wie viel Wärme muss eine Online-Community eines durchschnittlichen Produktes (ja, es gibt durchschnittliche Produkte) erzeugen, damit die Teilnehmer sich öffnen und tatsächlich aktiv werden und es auch bleiben? Können Marken, deren Mechanik mitunter einfach nicht zum „warmen Kuscheln“ passt, das auch? Und wenn ja: Wie können sie das?

Die Antworten liegen im Einzelfall. Womit wir wieder beim Tagesgeschäft wären, dem ich mich jetzt mal wieder zuwende …

Von | 2011-10-04T08:43:20+00:00 4. Oktober 2011|Kategorien: Medienforschung, Social Web|Tags: , , , , , , , , |

Über den Autor:

Jan-Peter Lambeck

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