Wie im Netz aus “Vodafone” im Handumdrehen “Vodafail” werden kann

Vor kurzem konnte man man im Internet einen Web2.0-PR-Rohrkrepierer verfolgen, der gut aufzeigt, dass klassische Werbewelt und “Dann-machen-wir-jetzt-eben-auch-mal-Web-2.0” so einfach nicht zusammengehen.

Vodafone hat die Kampagne “Es ist deine Zeit” gestartet, bei der es um die “Generartion Upload” geht: Nutzer, die das Web aktiv und mobil verwenden, von überall aus mobil bloggen, twittern, flickrn etc. – echte Web2.0-Nutzer eben. Die (von Scholz&Friends konzipierte) Kampagne ist eine klassische deutschlandweite Cross-Media-Kampagne inklusive Außenwerbung und TV-Spot (in dem auch einige bekannte Namen aus dem deutschen Web 2.0 auftreten, u.a. Sascha Lobo als prominentestes Gesicht Frisur). Und weil es um be- und umworbene Web2.0-Nutzer geht, gibt es neben einer Microsite natürlich auch die Web2.0-Angebote, die heute so dazu gehören  (Blog, Twitter etc.).

Damit aber geriet das Ganze schnell (gemeinsam mit den teilweise recht unbedarften Protagonisten des Spots) in die Mühlen des Social Web, denn es ist passiert, was dort passieren muss, wenn man Web2.0 nur simuliert und nicht lebt.

Vodafone war vorher schon in der Netzwelt in der Kritik, da das Unternehmen beim Thema “Access Blocking” ganz vorne in der “Koalition der Willigen” mitgespielt hat und das umstrittene und zweifelhafte Netzsperren-Projekt von Ursula von der Laien unterstützt hat. Wenig überraschenderweise kam dieses Thema auch auf der PK zum Kampagnenstart zur Sprache und die Reaktion von Vodafone war denkbar dürftig und auch alles andere als Web2.0:

Um langfristig zu dem Thema eine sachliche Debatte zu führen, ist es aus unserer Sicht wichtig, den Extremfall Kinderpornographie aus der Diskussion um Internetsperren als erledigt ausklammern zu können.

Nach dieser Basta-Reaktion, mit der Vodafone das Thema einseitig kurzerhand für erledigt erklärt hat (anstatt die vorgetragene Kritik irgendwie aufzunehmen und damit zu zeigen, dass man die gerade noch umworbene “Generation Upload” auch jenseits von Großplakten ernst nimmt) geriet das Projekt im Netz endgültig in schlechtes Fahrwasser. Da haben auch die  Reaktionen der Macher, unglücklicherweise zwischen den Stühlen Auftraggeber und Web2.0 sitzend und folglich halbherzig, wenig genutzt,  so dass das Echo im Netz verheerend wurde. “Sauerei” und “Peinlich” waren da noch eher harmlosere Ausdrücke, Kündigungsaufforderungen an der Tagesordnung.

Web 2.0 bedeutet eben nicht, ein Blog zu eröffnen und dann aber doch wieder alles so zu tun wie früher in den Massenmedien.

Das zeigt auch ganz gut die Reaktion auf den ungelenken aber doch an sich eher harmlosen Blogbeitrag  “Twittermoms” von Ute Hamelmann im Vodafone-Blog (die auch als “Web2.0-Prominenz” in der Kampagne aufgetaucht ist). Dort hat sie – scheinbar als Privatperson – aus heiterm Himmel ein Handy gelobt und hat es in den Kommentaren von einem bereits aufgebrachtem Web2.0-Mob dann so um die Ohren bekommen, dass sie jetzt gar nicht mehr mag mit dem bösen Web2.0. Und sie wurde, das kann man wohl nicht anders sagen, dabei ganz schön im Regen stehen gelassen.

Jetzt kann man natürlich sagen: Schade für Frau Hamelmann (es kann leider nicht jeder das titanische Selbstbewusstsein eines Sascha Lobo haben), aber was juckt es eine große und renomierte Marke wie Vodafone, was in den Kommentaren im Vodafoneblog steht und ob Ute Hamelmann nun bloggt oder nicht, so lange die Zahl der verbandsmäßig organisierten Kanuten die Anzahl der Twitterer in Deutschland noch übersteigt.

Andererseits aber hat es diese Medlung bis auf Spiegel Online, Süddeutsche.de und FAZ.net geschafft und lag kurzzeitig auf Platz 4 der Google-Suchergebnisse unter “Vodafone”.

Und es wäre ja gar nicht so schwer gewesen, das alles anders zu machen. Udo Vetter beschreibt, wie man es hätte besser machen können. Und Klaus Eck natürlich auch.


Von | 2009-08-12T14:07:46+00:00 12. August 2009|Kategorien: Internet|Tags: , , |

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