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Bewegte Bilder bewegen: Wie Animationen das Contentmarketing erobern

Fluchtartig verließen die Menschen das Café, als die Gebrüder Lumière 1896 ihren ersten Stummfilm »Die Ankunft des Zuges in La Ciota« zeigten. Die Attraktion lag in dem Überraschungseffekt des neuen Mediums. Auch heute liefern bewegte Bilder mit modernen Animationsmöglichkeiten spannende Überraschungseffekte und sind damit zu einem wichtigen Bestandteil im Digitalmarketing-Mix geworden.

Wie alles anfing

Nochmal zurück zum Jahr 1896. Als das neue Medium Film nun die Möglichkeit gab, Bewegtes wiederzugeben, blieb er zunächst auf realistische Motive beschränkt. Erst der Trickfilm erlaubte es, Fantasien zu präsentieren. So entstand 1906 der erste Zeichentrickfilm »Humorous Phases of Funny Faces« von Stuart Blackton. Es handelte sich um gezeichnete und animierte Kreidefiguren auf einer Tafel. In den 20er-Jahren folgten dann Filme wie »Popeye«, »Felix the Cat« oder die allen bekannte »Mickey Mouse« aus den Walt Disney Studios. Diese Filme waren beim Publikum beliebt. Die darin dargestellte Fantasiewelt diente der leichten Unterhaltung in gesellschaftlich wie politisch stürmischen Zeiten. Darstellungen konnten übertrieben bis grotesk gezeigt werden (wenn etwa Popeye überfahren wird und wieder aufsteht). Somit entstand eine nicht realistische Situation, die als Komik wahrgenommen wurde. Die Filme dienten der breiten Unterhaltung durch eine einfache Symbolsprache und Nachricht an den Betrachter.

1928 kam zum noch bis dato als Stummfilm gespielten Trickfilm der Ton hinzu und ließ so die Filme noch überzeugender werden. 1930 ermöglichte Multiplan, eine neues Verfahren mit mehreren Ebenen, dass die Filme endlich auch räumlich wirkten. In den folgenden Jahrzehnten entstanden auf diese Weise zahlreiche neue Trickfilm-Charaktere, welche die Zuschauer begeisterten. Es war die Geburtsstunde von Klassikern des Zeichentrickfilms wie dem »Dschungelbuch«. Auch das neu aufkommende Medium Fernsehen steigerte den Bedarf an Trickfilmen und forcierte damit neue Techniken wie etwa die »Limited Animation« – das Animieren einzelner Körperteile war erfunden.

Neue Möglichkeiten durch computergesteuerte Technik

In den 70er-Jahren wurden erstmals Computer zu Kamerafahrten in der Trickfilmanimation eingesetzt, in den 90ern entstanden die ersten Trickfilme per Computeranimation. Mit »Toy Story« erstellte Pixar 1995 den ersten computeranimierten Film. Durch Computer wurden erweiterte und noch realistischere Umsetzungen möglich. Auch erweiterten sich die Wiedergabemedien von Kino und Fernsehen auf Computer. Der interaktive Trickfilm war ins Leben gerufen.

Im Kino faszinierten Filme wie »When the Wind Blows«, »Casper« oder »Die Unglaublichen« und viele andere aufgrund der neuen technischen Möglichkeiten. Aber auch auf dem Computer entstanden neue Welten wie »Leasure Larry«, »Kings Quest« oder »Wing Commander«. Der realistisch gedrehte Film wurde um die Möglichkeit der künstlichen Animation ergänzt. »Tron« und »Jurassic Park« waren die ersten Filme mit diesem Mix aus realistisch Gedrehtem und computeranimierten Elementen. Während beim konventionellen Trickfilm der Betrachter noch die nicht realistische Darstellung erkennen konnte, verwischte sich bei den mittels Computer animierten Filmen die Grenze zur Realität: Was ist im Film noch Wirklichkeit und welche Elemente sind animiert?

Die Werbeindustrie entwickelt eigene Einsatzmöglichkeiten

Diese neue Technik wurde auch von der Werbeindustrie schnell entdeckt, um neue Möglichkeiten der Produktpräsentation in der Werbung zu schaffen. Heute ist ein Großteil der Werbespots nachträglich mit Computern bearbeitet, die Grenzen der Realität sind oft nicht ersichtlich. Weitere Generationen der Medienwiedergabe erweitern inzwischen das Spektrum für den Nutzer. Ende der 90er- bis in die Nuller-Jahre hinein kamen Spielkonsolen und 3D-Brillen dazu. Es wurden und werden Sachverhalte oder Emotionen durch künstlich erzeugte Bilder in kurz-prägnanter, teils übertriebener Form dargestellt, um im Bewusstsein der Viewer Aufmerksamkeit zu finden oder neue Vorstellungen zu erzeugen. Zudem wird die Konzentration auf die Grundaussage einer Nachricht durch eine gezielte Darstellung, die Unwesentliches weglässt, gestärkt. Und die Möglichkeiten animierter Trickfilme wurden schließlich mittels kostengünstiger Computerprogramme für jedermann zugänglich. So lassen sich inzwischen sehr effektiv mit handelsüblichen Computern und Programmen Trickfilme und Animationen erstellen, die mit professionell erstellten Werbefilmen durchaus konkurrieren können.

Digitalmarketing ohne Bewegtbild inzwischen undenkbar

Ob auf YouTube, Facebook oder anderen Plattformen: Es findet sich immer das passende Format (gif, mpg, mp4), um die erstellten Animationen wiederzugeben. Und genauso wie 1896 fasziniert auch heute noch das Medium »Bewegtbild« die Menschen: mit 3D-Brille in einem noch realistischeren und verstärkten Eindruck als Freizeitspaß. Als Werbefilm in YouTube zur Erklärung und Information von Produkten und Dienstleistungen. In Facebook als reine Unterhaltung oder Mitteilung. Die Möglichkeiten des animierten Bildes sind unendlich geworden und fester Bestandteil der Social-Media-Welt. Selbst auf der Straße, auf digitalen Leinwänden oder den TV-Monitoren in Ladenlokalen begegnen wir tagtäglich animierten Werbebotschaften. Smartphones bzw. Mobile haben deren Verbreitung einmal mehr befeuert.

Zudem vermischt sich in den Sozial-Media-Plattformen durch neue »Berufe«, wie etwa den des Influencers, die Form des konventionellen Films und der konventionellen Werbung. Eine Berichterstattung kann eine Produktpräsentation enthalten, ein Testbericht einen Werbespot und viele andere Möglichkeiten an Mischformen zwischen dokumentarischem Film und Werbenachricht sind möglich. Die Faszination wird durch gute Ideen der Filmemacher ausgeübt, deren Inspiration durch die Möglichkeiten der heutigen Film-Animation kaum mehr Grenzen gesetzt sind. Ein großer Vorteil bei den heutigen erstellten, realistisch wirkenden Trick- und Werbefilmen sind die niedrigen Kosten im Vergleich zu einem realistisch gedrehten Film (Beispiel: Autocrash in 3D versus echter Stunt). Änderungen oder andere Kamera-Einstellungen sind ohne großen Aufwand möglich und zeitnah zu bewältigen. Aussagen können krasser abgebildet werden, die Darstellung kann sich auf das Wesentliche konzentrieren und selbst abstrakte Inhalte finden Realisierung (wie etwa das Abbilden zur Entstehung von Molekülverbindungen).

Im Großen und Ganzen gehören Animationen auch in Mischform mit konventionellem Film inzwischen zu unserem täglichen Medienkonsum und sind damit zu einem ernstzunehmenden Element der Werbewirtschaft fürs Marketing geworden. Die bewegten Bilder dienen oft gleichzeitig zur Information, Unterhaltung und als Werbebotschaft und prägen so unsere Emotionen als Konsument.

Über den Autor:

Winfried Brandt
Der Dipl.-Kommunikationsdesigner (FH) und Dipl.-Grafikdesigner (ILS) ist neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Werbe- und Marketingleiter bei der Unternehmensberatung MHG Neuwied auch freiberuflich tätig und unterstützt dabei u. a. auch die Digitalredaktion der result gmbh. Neben der klassischen grafischen Gestaltung ist die Kreation computergestützter Animationen sowie das Erstellen von Marketingkonzepten Bestandteil seiner täglichen Arbeit.

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