WhatsApp: What’s up?

Ich gehöre mit meinen 17 Jahren zu der Generation, die oft beschrieben wird als die »Dauer-Onliner«, die »Immer-Verfügbaren«, die permanent ihr Smartphone in der Hand halten. Doch ist das wirklich so? Nutzen wir jedes soziale Netzwerk, das es auf dem Markt gibt? Welches gehört wirklich zu unseren Must-haves? Schließlich fragte mich Alexa aus der Social-Media-Redaktion: „Sag‘ mal, wie sieht das denn bei deiner Altersgruppe aus? Seid ihr tatsächlich noch bei Facebook unterwegs oder hat nicht WhatsApp gerade eure ganze Aufmerksamkeit?« Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, habe ich mein Nutzungsverhalten und das meiner Freunde mal ein wenig beobachtet.

Mein Alltag mit Social Media

Montag- bis Freitagmorgen, der Handywecker klingelt. Schnell nach dem Smartphone greifen und das nervende Geräusch ausschalten. Im nächsten Moment geht der Blick schon auf das grüne WhatsApp-Zeichen in den Mitteilungen. Es gibt immer irgendjemanden, der auch mitten in der Nacht noch etwas über sein ach so spannendes Leben schreiben musste. Beim Herunterscrollen durch die Chats fällt mein Blick direkt auf meine LK-Gruppe, in der sowohl meine Lehrerin als auch alle Schüler vertreten sind. »Ich bin leider heute krank und kann nicht zum Unterricht erscheinen. Ich habe euch hier ein paar Arbeitsblätter angehängt, die ihr bitte bis zur nächsten Stunde bearbeitet«, schreibt sie.

Auf dem Weg zur Schule mit der Bahn bekomme ich hier und da noch ein paar belanglose Nachrichten. Alles nicht wirklich wichtig. Hauptsache, man tippt auf seinem Handy rum, vertreibt sich die Zeit. Jetzt ist auch der erste Moment, in dem ich meine Facebook-App öffne. Es ist zwar mehr ein »kurz mal Runterscrollen, um zu schauen, ob etwas Wichtiges oder Interessantes dabei ist« als irgendeine tiefere Auseinandersetzung mit den einzelnen Posts oder gar irgendeine Kommunikation. Aber man besitzt halt diesen Facebook-Account, in den man dann doch auch mal reingucken will.

Einzelfall? Oder spreche ich für die Mehrheit?

WhatsApp stellt für mich – und ich denke da spreche ich schon im Großen und Ganzen für meine Generation – ein sehr viel beliebteres Medium dar als Facebook. Auch aktuelle Studien sind zu diesem Ergebnis gekommen. So konnte die BITKOM beispielsweise im Rahmen ihrer „Jung und vernetzt“-Studie (2014) herausfinden, dass 72 % der 10- bis 18-Jährigen WhatsApp nutzen, Facebook hingegen mit 56 % deutlich weiter hinten liegt.

Tatsächlich besitzt jeder aus meinem Umfeld WhatsApp. Facebook wird aktiv nur noch von zwei bis drei Leuten stetig benutzt. Immer weniger junge Leute, die ich kenne, sind da aktiv unterwegs, melden sich sogar ab. Vor ein bis zwei Jahren hätte das noch nicht zur Debatte gestanden. Man muss allerdings sehen, dass die Portale schon auch für unterschiedliche Dinge genutzt werden. WhatsApp ist und bleibt für mich ein reiner Kommunikationsdienst, in den sich mal ab und zu ein Link verirrt. Facebook hingegen nutze ich meist, um Veranstaltungen oder Produkte zu suchen bzw. auch auf diese hingewiesen zu werden oder um Geschäfte, Cafés usw. auf ihren Seiten näher kennen zu lernen. Ein Bereich, den WhatsApp bislang noch nicht abdeckt. Aber ich bin mir sicher, auch das wird sich immer mehr entwickeln. Seit der Einführung des Share-Button für WhatsApp habe ich bereits bemerkt, dass immer häufiger Hinweise zu Artikeln oder auch zu Liedern via Shazam à la „Naa, ich hab‘ grad‘ ein Lied gehört, das wird dir sicher auch gefallen; warte, hier der Link!“ verschickt werden.

Was reizt an WhatsApp?

WhatsApp stellt viele weitere Vorteile dar. Zum einen kann man es immer und überall nutzen – vorausgesetzt natürlich, man hat eine Internetverbindung und ein Internet-fähiges Handy. Zum anderen fallen neben den Verbindungskosten fürs Internet keine weiteren Kosten an. Ich kenne viele, die längst keine Telefon- und SMS-Flat mehr haben, dafür lieber in eine bessere Internetverbindung investieren. Und mancher Mobilfunkanbieter hat die Zeichen der Zeit erkannt und bietet bereits eine Sim speziell für WhatsApp-User an. Der Instant-Messaging-Dienst verfügt zudem über einige Funktionen, die ich bei der normalen SMS nicht nutzen kann. Angefangen von der sehr einfach Gruppen-Funktion über das problemlose Hochladen und Verschicken von Videos, Fotos, Voice-Nachrichten bis hin zu der Verfügbarkeit von Kontaktdaten.

WhatsApp (1)

Sehr cool: Die Gruppenfunktion

Die Gruppenfunktion findet in meinem Freundes-, Klassenkameraden- und Familienkreis immer mehr Nutzer. Es hat sowohl jeder Freundeskreis eine Gruppe, als auch diejenigen, die ein gemeinsames Hobby betreiben, also beispielsweise im gleichen Sportverein etc. sind. Hinzu kommen viele nicht ganz so aktive Gruppen mit Leuten, die man zum Beispiel im letzten Urlaub oder auf dem letzten Festival kennengelernt hat. Und dann sind da noch die Gruppen, die nur kurz bestehen und dann wieder gelöscht werden. Also solche zur Planung von Geburtstagen, Treffen oder auch Geschenk-Absprachen. Das alles geschieht sehr unkompliziert. Man kann leicht eine Gruppe gründen, muss nicht jeden einzeln ansprechen. Und man behält immer die Option, alle auf einmal ansprechen und im gemeinsamen Austausch die nächste Aktivität planen zu können. Auch wenn ich selbst WhatsApp nicht »interfamiliär« nutze, so weiß ich von vielen, die mit ihren Eltern und Geschwistern eine Gruppe haben, um Familieninterna schnell und einfach abzusprechen.

Schulalltag organisieren mit WhatsApp

Für mich eine der sinnvollsten Gruppen überhaupt: die im Bereich Schule. Meine Lehrer bemerken immer mehr, dass das Kommunizieren mit und unter den Schülern am effektivsten über WhatsApp funktioniert. Ich habe mittlerweile einige Kurse, die zusammen mit dem jeweiligen Lehrer eine Gruppe bilden, und kann bislang nur Positives berichten. Man erfährt vom Lehrer direkt, wann der Unterricht ausfällt und ob/welche Aufgaben es gibt. War man krank oder hat sonstwie gefehlt, kann man schnell und unkompliziert die Hausaufgaben erfragen und erfahren, was man verpasst hat und was es nachzuarbeiten gilt. Auch bei aufkommenden Fragen, Problemen bei der Erarbeitung von Themen oder der Planung von Kurs-Treffen haben diese Gruppen oft schon ihre Effizienz gezeigt. Ich sehe eine große Chance für Lehrer, dieses Medium verstärkt zu nutzen. Immer öfter bekomme ich nämlich von Lehrern zu hören, dass sie „Millionen E-Mails“ mit den gleichen Fragen bzw. Anfragen zu Arbeitsblättern oder Klausurthemen erhalten. Wie viel einfacher wäre es für all Beteiligten, nur ein einziges Mal auf diese Fragen in einer Gruppe reagieren zu müssen, ein nächstes unplanmäßiges AG-Treffen zu vereinbaren, die nächsten Klausurtermine oder Ähnliches bekannt zu geben?

Es gibt meiner Meinung nach auch keine einfachere Möglichkeit, Bilder, Videos oder Voice-Nachrichten zu verschicken als über WhatsApp. Man muss nicht zuerst kompliziert die Dateien auf irgendeine Plattform übertragen, um dann den Link verbreiten zu können. Einfach auf den Upload- oder Aufnahme-Button klicken, senden, schon ist alles passiert.

Vorbildlich anwenden, statt bloß verteufeln

Mag sein, dass das alles bisher wie ein Werbeartikel für WhatsApp klingt. Doch sind mir durchaus auch die negativen Seiten bewusst. Und die sollte man natürlich nicht außer Acht lassen.
Ich finde es oft sehr störend, dass eine ständige Verfügbarkeit vorausgesetzt wird. Dies wurde durch den „blauen Haken“ und die Anzeige, wann man zuletzt online war, noch einmal verstärkt. Auch die Überflutung an unwichtigem Geschwafel nimmt gerne mal überhand. So werden nach wenigen Stunden durchaus über 200 ungelesene, unwichtige Nachrichten auf meinem Handy angezeigt.
Sehr auffällig auch: In der Hochzeit der Skandale bezüglich des Datenschutzes ist keiner aus meiner Umgebung ernsthaft zu anderen Instant-Messaging-Apps umgestiegen, um WhatsApp zu boykottieren. Man hat die Meldungen eher belächelt und mit einem „Ach, unsere Nachrichten interessieren doch eh keinen“ oder „Uns passiert da schon nichts“ abgetan.
Ich denke, dass Schulen die Aufgabe haben sollten, besser aufzuklären und das Thema Medienkompetenz stärker in den Unterricht zu integrieren: eine Sensibilisierung für mögliche Gefahren; das Nahebringen der Vorteile, auch mal offline zu sein; eine Disziplinierung beim Verfassen der Inhalte. Eine Vorbildfunktion eines über WhatsApp agierenden Lehrers wäre um einiges effektiver, als die oft angebotenen Workshops, in denen immer bloß groß gewarnt wird vor »diesen sozialen Medien«.

Mein Fazit

Ich sehe auf jeden Fall eine deutliche Entwicklung: Die einfache und schnelle Kommunikation untereinander steht bei uns jungen Leuten im Vordergrund. Das Potenzial, das sich daraus für Unternehmen und Institutionen ergibt, ist noch lange nicht ausgereizt. Ich wünsche mir aber vor allem eines: Dass Schulen die Möglichkeiten, wie sie beispielsweise WhatsApp bietet, als Chance und Erleichterung anerkennen und zu nutzen lernen. Ich gehe zudem davon aus, dass auch die Werbung vor WhatsApp nicht Halt machen wird und bald viele Firmen die App als Kommunikationsmedium nutzen werden, um ihre Produkte zu vermarkten. Und doch muss ich zu guter Letzt sagen: Ich ziehe eine persönliche Unterhaltung von Angesicht zu Angesicht jedem Gespräch via WhatsApp vor.

Über die Autorin: Marie (17) hat bei uns ein zweiwöchiges Schülerpraktikum absolviert. Neben Einblicken in die Markt- und Medienforschung durfte sie Social-Media-Redaktions- und Beratungsluft schnuppern und hat uns häufig interessante und wertvolle Einblicke in die digitalisierte Alltagswelt einer Jugendlichen geliefert. War eine tolle Zeit mit Dir, liebe Marie! Danke! Und: Stay tuned!

Von | 2015-07-15T11:36:22+00:00 22. Januar 2015|Kategorien: Allgemein, Kommunikation, Medienkompetenz, Mobile, Social Media|

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2 Kommentare

  1. Sabine Haas 23. Januar 2015 um 10:01 Uhr

    Eine wirklich eindrucksvolle und gute Beschreibung. Danke, Marie!

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