Wer jetzt nicht bei Instagram mitmischt, ist selbst schuld

Mitte September hat Instagram die 400 Millionen Nutzer Marke geknackt! Damit hat sich der Online-Dienst zum Teilen von Fotos und Videos endgültig als Facebooks drittgrößte App für mobile Geräte etabliert. Nach der Übernahme im Jahr 2012 hatte niemand auch nur zu träumen gewagt, dass sich die Zahl von knapp 30 Millionen Nutzern in nur drei Jahren mehr als verzehnfachen würde. Ich habe mich gefragt: Was ist an Instagram so besonders, dass es alle in seinen Bann zieht? 

Instagram generiert keinen direkten Traffic

Persönlich habe ich Instagram auch nur zu beruflichen Zwecken genutzt, aber eher stiefmütterlich behandelt. »Noch so eine Plattform, die gehegt und gepflegt werden muss, eigentlich habe ich da gar keine Lust drauf«, dachte ich mir. Nach genaueren Recherchen stellte sich dann auch noch heraus, dass gar keine Links gepostet werden können. Der einzige Link, der klickbar ist, kann im Profil hinterlegt werden. Hat das Sinn? Direkten Traffic kann ich dadurch ja nicht auf die Seite bekommen oder, um es für Unternehmer auszudrücken: Verkäufe können damit nicht generiert werden.

Die Annahme ist allerdings falsch. Natürlich klicken auch Instagramer auf den Link im Profil – ich verzeichne beispielsweise einen erhöhten Traffic auf meiner Startseite, seit ich Instagram aktiv nutze und den Link eingebunden habe. Doch das ist nicht einmal das Ziel: Instagram erhöht in erster Linie nicht die Zugriffszahlen, es poliert das Image auf. Auf Instagram geht es schlichtweg darum, positive Effekte durch ein »Branded Storytelling« zu erzielen. Es sollte also als nützliches Marketingwerkzeug in Betracht gezogen werden, um das Gesamtbild des Unternehmens abzurunden. Das gilt nicht nur für Blogger, sondern natürlich auch für Unternehmen.

Es ist ein Fehler, Instagram zu ignorieren

Knapp fünf Jahre ist es her, das Instagram den Markt geentert hat. Zu jener Zeit gab es schon etliche Social-Media-Plattformen und -Dienste, weswegen vor allem Unternehmen den Einzug Instagrams in ihren Strategien zunächst scheinbar ignorierten. Ein großer Fehler, wie sich nun herausgestellt, denn gerade mal acht Prozent der deutschen Unternehmen nutzen Instagram, die wenigsten davon sind wirklich sichtbar. Und das, obwohl die Beliebtheit des Dienstes stetig wächst.

Für Unternehmer ist es aber wiederum der richtige Zeitpunkt einzusteigen: Noch befinden sich wenig Wettbewerber auf dem Markt, noch ist die Konkurrenz nicht groß, die Nutzer sind nicht übersättigt vom Angebot. Wer jetzt noch schläft, ist selbst schuld. Tatsächlich sind knapp die Hälfte aller Instagram-Nutzer täglich auf ihren Accounts aktiv – und das bei einer Durchdringungsrate von 100 Prozent.

Keine Filter, maximale Aufmerksamkeit

Der große Vorteil von Instagram liegt nämlich darin, dass keine Filter existieren. Jeder Beitrag wird jedem Follower angezeigt – kein EdgeRank, keine Algorithmen. Einerseits ist das natürlich perfekt, um Produkte zu bewerben, andererseits kann das aber auch so richtig (Pardon!) in die Hose gehen. Mehr als ein oder zwei Bilder (oder Videos) pro Tag könnten als Spam aufgefasst werden. Außerdem sollten die Bilder qualitativ anspruchsvoll sein und nicht plump das jeweilige Produkt darstellen. Es zählen die Stories, nicht die Marken. Wer herausstechen will, sollte das Produkt  gekonnt in Szene setzen. Oder noch besser: Das Produkt ist nur Teil eines Gesamtmotivs. Hier steht ganz klar das Storytelling im Fokus, daher kommt man auch nicht umhin, einen kleinen Beschreibungstext zu verfassen. Hashtags sind willkommen, wie viele man nutzen soll, ist allerdings umstritten. Ich finde mehr als fünf zu viel, andere berichten, dass der größte Nutzen ab zehn Hashtags erzielt wird. Hier ist das »Trail and Error«-Prinzip angebracht. Wer gerne Farbfilter nutzt, sollte sich davon verabschieden, denn am besten kommen Bilder mit natürlichen Farben an.

Audi Beispiel Instagram

Auch möglich ist ein »Employer Branding« zu generieren und die Mitarbeiter des Unternehmens in den Fokus rücken zu lassen. Das macht das Unternehmen beispielsweise attraktiver für mögliche Bewerber. Hier sind zudem kleine Schnappschüsse aus dem Berufsalltag gern gesehen, da diese einfach weniger gestellt wirken und die Identifikation mit dem Unternehmen erleichtert wird. Wer Instagram länger nutzt wird außerdem merken, dass es wie in jedem Netzwerk gute und weniger gute Zeiten gibt, um ein Bild zu posten. Das kann man vorab aber nicht wissen, im Durchschnitt liegen die beliebtesten Zeiten zwischen 15.00 und 16.00 Uhr, was sich aber je nach Zielgruppe auch stark unterscheiden kann.

Die Reichweite durch Kampagnen erhöhen

Dass ein positives Image und »Wohlfühlgefühl« indirekt zu mehr Verkäufen führt, weil man sich mit dem Unternehmen verbunden fühlt, muss ich keinem Marketer erklären. Wie das mit Instagram zu bewerkstelligen ist, scheint da schon ein anderes Thema zu sein. Tatsächlich gibt es die Möglichkeit, bezahlte Anzeige-Kampagnen über Instagram laufen zu lassen, allerdings ist sie (noch) den größeren Unternehmen vorbehalten. Erst nach und nach soll auch KMU diese Chance eröffnet werden. Dennoch kann man kreative Kampagnen entwickeln, um für Aufmerksamkeit und positive Effekte zu sorgen. Vorab ist aber wichtig, die Zielgruppe zu analysieren: Wie ticken die Nutzer? Wie fühlen sie sich angesprochen? In jedem Fall sollte man ihnen auf Augenhöhe begegnen, sie respektieren.

Gewinnspiele stehen immer hoch im Kurs. Mit bestimmten Aufgaben lässt sich die Community nutzen, um eine größere Reichweite zu erzielen. Beispielsweise mit der Aufforderung, jemanden zu taggen, dem der Preis ebenfalls gefallen könnte. Auch eine schlichte Aufforderung zu liken und kommentieren reicht meist aus – ähnlich wie bei Facebook.

gewinnspiel

Ein weitere Herangehensweise wäre, die Nutzer aufzufordern, Bilder unter einem bestimmten Hashtag zu posten. Auch hier kann ein attraktiver Preis in Aussicht gestellt werden. BarkBox, der Hersteller von Überraschungsboxen für Hunde hat dies beispielsweise erfolgreich genutzt, um die Bekanntheit seiner Hundeboxen zu steigern. Als besonderes »Goodie« wurden die Hundehalterbilder auch auf der Webseite gepostet, um so die Nutzer zu »belohnen«. Solch kleine »Leckerchen« reichen oft aus. Neben der Reichweite bleibt zudem das »gute Gefühl«,  mitgemacht zu haben, eventuell sogar einen Preis zu gewinnen und irgendwie ein bisschen »famous« zu sein. Langfristig gesehen bindet das den Nutzer an das Unternehmen, es wird zum bevorzugten Händler/Laden und gerne weiterempfohlen. So schließt sich dann der Kreis wieder in puncto Umsatzförderung.

Instagram gar keine Chance zu geben, ist ein Fehler

Wie in jedem sozialen Netzwerk gibt es keine ideale Lösung oder Strategie. Sie ist von vielen Faktoren wie Produkt/Dienstleitung, Timing und Zielsetzung abhängig. Wie bei allen Instrumenten gilt auch hier, dass zunächst eine weitreichende Analyse der Markstruktur und Zielgruppe erfolgen muss, ehe man sich für oder gegen Instagram entscheidet. Es wäre nicht schlimm, wenn Instagram anhand mangelnden Interesses der Zielgruppe aus dem Portfolio herausfällt, beinahe schon sträflich wäre es aber, dem digitalen Fotodienstleister nicht einmal eine Chance einzuräumen.

Über den Autor:

Yasmin Neese

Yasmin Neese hat die Webagentur der result gmbh – Institut für digitalen Wandel seit 2015 unterstützt. Aktuell befindet sie sich in Elternzeit. Privat kennt man Sie unter dem Namen „Die Rabenmutti“. Hier schreibt Sie im gleichnamigen Blog zu den Themen Familie, Literatur, Rezepte, Produkte & Co.

Ein Kommentar

  1. Ann Chen 6. Juli 2017 um 13:17 Uhr

    Danke für die Infos! Es gibt auch eine neue Instagram-Tool, die sehr nützlich für Marketing-Zwecke sein könnte : https://www.combin.com/

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