Wenn Kinder die Mainzelmännchen nicht mehr kennen …

Medienpädagogen sind sich einig: Wie gut, dass es die Kinderkanäle gibt! Frei von Gewalt und Erwachseneninhalten können Kinder vor allem auf Kika, aber auch auf Super RTL oder Nick gefahrlos fernsehen. Wann immer sie einschalten, kommt auf diesen Kanälen ein Beitrag, der zu ihnen passt, der geprüft und für Kinder gefahrlos ist. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Kinder beinahe ausschließlich die Kinderangebote nutzen und Vollprogramme so gut wie nie besuchen. Die Mainzelmännchen begegnen den Kindern kaum mehr.

Im Jugendalter geht die Nutzung von Spartenangeboten weiter: Mit Musiksendern, D-Max oder RTL II finden die Jugendlichen einigermaßen passgenaue Angebote, die ihren Interessen entsprechen und ihnen Spaß machen. Und wenn nicht, gibt es ja immer noch YouTube. Vollprogramme werden punktuell genutzt, meistens wenn es um Eventfernsehen wie DSDS oder Germany’s Next Top Model geht. Aber auch bei diesen Sendungen gibt es passgenaue Teilformate wie „Highlights“, „Hintergründe“ etc. Wer muss schon die ganze Sendung sehen, wenn die skandalträchtigen Szenen bei You Tube in kurzen Clips zu finden sind?
Obwohl wir Medienforscher ein zielgruppengenaues Angebot immer propagiert haben, stellt sich jetzt doch auch die Frage nach den Folgen. Während ich noch damit groß geworden bin, auch das Wort zum Sonntag zu sehen, da es nun mal nach der 20.15 Uhr Sendung kam, will die heute heranwachsende Generation beim Fernsehen nichts mehr „erdulden“, möglichst nicht mal die Werbung.

Folge ist, dass die „Kika/SuperRTL-Generation“ nicht mehr weiß, wie man ein Vollprogramm eigentlich nutzen sollte. Die Mischung aus mehr oder weniger gelungenen und unterhaltsamen Sendungen eines Senders, die aber auch meist mit einer breiten Themenmischung einhergeht, über längere Zeitschienen anzusehen, ist kein „gelerntes“ Verhalten mehr. Der damit einhergehende „Lerneffekt“ eines Fernsehabends, die früher oftmals gelungene Balance zwischen Information und Unterhaltung, bleibt aus. Ist das schlimm? Vielleicht nicht, wenn es nur ums Fernsehen geht. Vielleicht doch, wenn es überall so ist. Auch in der Schule (Was soll ich damit? Wofür brauche ich das?), auch bei anderen Medien (Internet, Bücher etc), sogar bei der Auswahl von Freunden (Was soll ich mit dem?). Ich schätze, wir laufen Gefahr, tendenziell egomanische Spezialisten heranzuziehen, die über den eigenen Tellerrand nicht mehr schauen wollen, und für die Breitenbildung ein recht antiquierter Begriff ist. Unabhängig davon, ob man das gut oder schlecht findet: Ich bin mir relativ sicher, dass die Erfinder des KiKa gerade dies nicht im Sinn hatten.

By | 2009-04-07T10:37:10+00:00 7. April 2009|Categories: Fernsehen, Medienforschung|Tags: , , , , |

Über den Autor:

Sabine Haas
Sie gründete 1994 das result Markt- und Medienforschungsinstitut, 2007 folgte eine Webagentur, im Jahr 2011 der Geschäftsbereich Beratung. Als Kennerin der alten wie auch Neuen Medien gehört sie zu den gern gesehenen Speakerinnen bei Fachveranstaltungen & Kongressen rund um das Thema "Digitaler Wandel/Medienwandel".

2 Kommentare

  1. Oliver 3. Juli 2009 um 13:11 Uhr

    Das stimmt, dass die KiKa-Erfinder sicher nicht darauf abgezielt haben. Doch wenn es KiKa nicht gebe, würden andere das anbieten.

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