Welche Rolle spielen Bilder in der Medienberichterstattung?

Bilder haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten an Bedeutung und Allgegenwart zugenommen. Mittlerweile sind fast alle Medien auch visuelle Medien. Besonders in der Medienberichterstattung nehmen Bilder eine zentrale Rolle ein. Dementsprechend sind Printmedien wie Zeitungen und Zeitschriften ohne Bilder bzw. Fotos kaum noch vorzustellen. Dabei ist es gar nicht so einfach, die Rolle von Bildern in der Medienberichterstattung zu beschreiben. Vielmehr muss man von ihren verschiedenen Rollen sprechen. Ein Bild kann nämlich je nach Verwendung entweder als reines Dekorationselement oder als zentrale, inhaltliche Botschaft eingesetzt werden, oder sogar beide Funktionen auf perfekte Weise erfüllen. 

Als Dekorationselemente dienen Bilder dann, wenn sie etwa in Printmedien zur optischen Auflockerung einer eng bedruckten Seite oder in der Fernsehberichterstattung als Füllbilder eingesetzt werden. Man denke in diesem Zusammenhang zum Beispiel an Bilder von Gelddruckmaschinen, die gerne als Hintergrundbilder in Berichten über die Finanzkrise verwendet werden. In Zeitungen und Zeitschriften strukturieren Bilder die Seite, helfen den Rezipienten dabei, sich zu orientieren und bauen als Eyecatcher Interesse für den jeweiligen Artikel auf. Bilder helfen auch dabei, wichtige von weniger wichtigen Themen zu unterscheiden: Beiträge mit größeren Bildern signalisieren höhere Wichtigkeit. Das beste Beispiel dafür ist das Foto der Titelseite, das durch seine Größe gemeinsam mit der Headline und seiner Position die Relevanz des Berichts unterstreicht. Aber auch im Inneren einer Zeitung blicken wir zunächst auf die visuellen Elemente, die somit unseren gesamten Lektüreprozess strukturieren.

Bilder erfüllen aber auch zentrale inhaltliche Funktionen. Zum Beispiel wird Bildern wie keinem anderen Medium eine verlässliche und nachhaltige Dokumentationsleistung zugeschrieben. Sie zeigen uns detailgetreu Szenen aus aller Welt, bringen uns sozusagen Eindrücke der Welt ins Wohnzimmer. Journalistische Bilder werden dabei als „Zeugen“ einer Situation, als „wahr“ und „objektiv“ gesehen. Teilweise wird ihnen – im Sinne von „Sehen ist glauben“ – sogar mehr Glauben geschenkt als dem gedruckten journalistischen Bericht. Egal zu welchem Zweck Bilder eingesetzt werden: Sie sind besonders dafür geeignet, die Aufmerksamkeit der Betrachter und Betrachterinnen zu erwecken. Tatsächlich kommt Bildern aus mehreren Gründen ein Aufmerksamkeitsbonus zu. Sie können auf einen Blick und damit wesentlich rascher als sprachliche Botschaften aufgenommen werden. Zudem haben Bilder ein großes Emotionalisierungspotenzial, da sie sowohl menschliche Emotionen direkt abbilden als auch durch die Art ihrer Darstellung rasch und einfach Emotionen erzeugen können. Beides führt dazu, dass Bilder die Aufmerksamkeit der Rezipienten einfangen und auf den journalistischen Bericht lenken können. In der Folge beeinflussen Bilder dann auch die Wahrnehmung und Bewertung von Botschaften: Da wir Bilder rascher als Text wahrnehmen und sie uns in eine bestimmte Stimmung versetzen, haben sie großen Einfluss darauf, wie wir den geschriebenen oder gesprochenen Text aufnehmen und verstehen. Hinzu kommt, dass Bilder äußerst einprägsam sind. Wir erinnern uns sehr gut an bereits gesehene Bilder und können auch innerhalb von Bruchteilen von Sekunden beurteilen, ob wir ein Bild schon einmal gesehen haben. Dies verdeutlicht, dass Bilder in der Medienberichterstattung wirkungsmächtige Botschaften sein können, deren Funktion über die reine Dekorationsfunktion hinausgeht. Denn sie haben Einfluss auf unsere Wahrnehmung von Berichten und somit auf unsere Meinung und Einstellungen.

Der Artikel stammt von Katharina Lobinger, Universität Bremen, und wurde erstveröffentlicht in der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der DGPuK.

Nachzulesen in:

Grittmann, E. (2007)
Das politische Bild. Fotojournalismus und Pressefotografie in Theorie und Empirie
Köln: Halem.

Lobinger, K. (2012)
Visuelle Kommunikationsforschung
Medienbilder als Herausforderung für die Kommunikations- und Medienwissenschaft
Wiesbaden: VS

Eine Listung weiterer Gastbeiträge auf unserem Blog zum Thema „Kommunikation und Medien: Fragen und Antworten auf zeitgenössische Themen“ finden Sie hier.

Von | 2015-07-16T12:10:33+00:00 4. Dezember 2013|Kategorien: Allgemein, Medienforschung, Print|

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