#wdr3forum zu Kultur und Social Media

»Do or Die«, so die steile These von Christoph Müller Girod, einer der vier Teilnehmer des Diskussionspanels, welches WDR 3 am vergangenen Sonntag im kleinen Sendesaal des Westdeutschen Rundfunks veranstaltete und zu dem knapp 100 Netzaffine und Blogger kamen. 

Neue Wege gehen – neue Hörer erreichen

Zum Hintergrund: Seit dem 1. Januar 2014 ist WDR 3 in den sozialen Netzwerken unterwegs – der Weg dorthin wurde in den vergangenen Monaten von uns begleitet. Jetzt lud der Sender zu einer Diskussionsrunde ein. Zu dem von Uwe Schulz (WDR 2) moderierten Panel gehörten neben dem eingangs erwähntem Christoph Müller-Girod, auch Dirk von Gehlen (Süddeutsche Zeitung), Roland Nachtigäller (künstlerischer Direktor Museum MARTa Herford) sowie der stellvertretende WDR 3-Chef Wolfram Kähler. Letzterer machte deutlich, dass Events wie diese die Arbeit der Welle in den Netzwerken stützen sollen. Seine These: Wenn sich der Sender jetzt nicht um die jungen, netzaffinen Zielgruppen kümmere, dann würden diese in 20 Jahren den Sender WDR 3 möglicherweise nicht mehr kennen. Diese Sichtweise wurde von den anderen Panel-Teilnehmern einstimmig bejaht, denn die netzaffine Hörer-Zielgruppe müsse man eben dort abholen, wo sie bereits jetzt vermehrt sei: im Social Web.

Auf Augenhöhe mit der Netzgemeinde

Auch wenn das Twittern im Sendesaal des Westdeutschen Rundfunks normalerweise untersagt ist, wies Wellenchef Karl Kaarst unmissverständlich darauf hin, dass es sich beim Forum ja um eine Live-Sendung halte, also »quasi Twitter zum Hören«. Die geladenen Gäste aus Kunst, Kultur und Social Media stimmten mittels Applaus zu. Dass man an diesem Abend in zwei Stunden fast so viel Netztraffic auf Twitter wie bei so manchem Kongress erwirkte, kann sich durchaus sehen lassen. Zudem konnte man beobachten, dass auf der eigens für das Event eingerichteten Twitterwall auch Kommentare von den Hörern vor den heimischen (oder vielleicht auch mobilen) Radioempfängern der Live-Sendung auf der Twitterwall erschienen.

Die kurzweiligen 50 Minuten Sendezeit gingen leider so schnell rum, dass viele Themen nur angerissen, aber nicht vertieft werden konnten. Gerade Fragen nach Sinn, Zweck, Zielen oder aber dem ungeliebten Urheberrecht fanden nur marginale Behandlung. Ideen wie eine Kulturflatrate wurde ebenso in den Raum geworfen, wie die Tatsache, dass man aktiv in den Dialog eintreten muss. Wenn der Chef dann auch noch selber twittert: umso besser! Außerdem böten die sozialen Netzwerke dem Besucher endlich die Möglichkeit zum direkten Kommentar oder zur Kritik. Damit umzugehen, müsse man erst einmal lernen, so Roland Nachtigäller, aber manchmal jucke es einen dann so sehr, dass man ruhig auch mal von der heimischen Couch aus antworte. Das ist ziemlich nah dran am kulturinteressierten Besucher, wie ich finde!

Wer soll es machen

Dennoch stellt sich natürlich bei Kulturbetrieben meist als Erstes die Frage: Wer soll die Pflege der Kanäle übernehmen? Es gibt viele Beispiele verschiedener Kulturinstitutionen, die sich im Social Web bewegen – und das mal mehr, mal weniger gut. Oftmals aber obliegt die Aufgabe dem Praktikanten, weil „der ja sowieso auf Facebook ist“ oder einfach weil die benötigten Gelder zur Einrichtung einer Stelle fehlen. Dabei gehört die digitale Kommunikation eigentlich in die Hände der Presseabteilung. Gerade Museen galten noch im Jahr 2010 als Vorreiter für die Kommunikation im Social Web – und holten sich auf diese Art und Weise ganze Scharen von jungem Publikum regelmäßig ins Haus. So zum Beispiel im Lehmbruck Museum in Duisburg, um nur ein Beispiel zu nennen. Über Facebook eingeladen trafen sich Interessierte dort zur sogenannten »Plasikbar«, bei der immer donnerstags die Hallen des Museums mit überwiegend jungen Menschen gefüllt wurden. Das Resultat: Der Verkauf von Jahreskarten wurde auf diese Weise angekurbelt. Nachdem die Marketing- und PR-Stelle dem Rotstift zum Opfer fielen, lagen die digitalen Kommunikationskanäle des Museums brach. In der Folge sanken die Besucherzahlen. Daraus lässt sich ableiten: Social Media müssen gelebt und gepflegt werden. Klar gibt es Museen mit weit über 10.000 Fans auf Facebook, tatsächliche Interaktion bleibt dort aber meist aus, weil häufig einfach nur das Pressematerial ins Social Web übertragen wird.

Der komplette Stream zur Sendung vom Sonntag zum Nachhören:

In eigener Sache: BarCamps als Zündverstärker

Welche Strategie sollten Kulturbetriebe im Social Web verfolgen? Welche Inhalte anbieten? Ich glaube, BarCamps können an dieser Stelle erste gute Dienste leisten, um sich einen Überblick zu verschaffen. So zum Beispiel beim stARTcamp Köln, das die Herbergsmütter etabliert und für das sie Ende vergangenen Jahres den Staffelstab an mich und Sabine Haas übergeben haben. Nachdem ich im vergangenen Jahr das stARTcamp RuhrYork mit auf den Weg gebracht habe, freue ich mich sehr, gerade in einer Stadt wie Köln, in der es viele wunderbare Kultureinrichtungen gibt, den Austausch zwischen On- und Offline-Kulturschaffenden auf den Weg zu bringen bzw. zu stärken. Kulturbetriebe und Institutionen, Museen oder Künstler sind eingeladen am 27. September 2014 teilzunehmen. Weitere Informationen zu Location und Tickets folgen in Kürze.

Von | 2015-07-16T10:47:07+00:00 27. Februar 2014|Kategorien: Allgemein|

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