Was ist eine gute Fernsehserie?

Eine TV-Serie ist eine mehrteilige (meist fiktionale) Fernsehproduktion, die auf Fortsetzung konzipiert ist. Die einzelnen Folgen sind zum einen über die Geschehnisse und Charaktere miteinander verknüpft, zum anderen über einen gemeinsamen Vorspann und festen Sendeplatz. Dies schafft eine Wiedererkennbarkeit, die das Publikum an die Serie binden soll – wie schon zu Zeiten von »1001 Nacht«. Die Bindung wird sichergestellt durch sogenannte Cliffhanger, das heißt, den offenen Ausgang jeder Episode auf ihrem Höhepunkt. Eine gute Serie bewegt das Publikum also vor allem dazu, immer wieder einzuschalten. 

In der Medienforschung gelten Popularität und Qualität als die wichtigsten Maßstäbe für eine gute Serie. Wie populär eine Serie bei den Zuschauerinnen und Zuschauern tatsächlich ist, messen Sendeanstalten anhand der Einschaltquote. Qualität hingegen bezieht sich auf das Werk selbst, also auf seine spezifischen Charakteristika. Qualität wird häufig von Kritikerinnen und Kritikern beurteilt – und mit Fernsehpreisen und anderen Auszeichnungen symbolhaft anerkannt. Beides, Popularität und Qualität, sind jedoch keine objektiven Kriterien, sondern subjektive Zuschreibungen.
Eine gute Serie ist also in erster Linie eine, die gefällt.

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(Bild (cropped): Floris Oosterveld – flickr – (CC BY 2.0))

Aktuelle (vor allem US-amerikanische) TV-Serien wie Lost ähneln »Megamovies«, deren lang andauernden und hochkomplexen Geschichten so fesseln, dass man sie am liebsten am Stück, zum Beispiel auf DVD, anschaut. Ihre Charaktere werden zu guten Freunden, sie berühren emotional und reichen in die eigene Lebenswelt hinüber. Das Rezept für dieses von Kritikerinnen und Kritikern gelobte »Quality TV« lautet: hohe Produktionsqualität, komplexe, emotional und kognitiv fordernde Story mit vielschichtigen Charakteren und einem Genre-Mix, der überrascht, statt Erwartungen zu entsprechen. Populärer – gerade bei älteren Zuschauerinnen und Zuschauern – sind aber häufig herkömmliche (häufig deutsche) Serien wie der Bergdoktor: Sie überzeugen durch die gegenteilige Anlage, denn sie bieten Verlässlichkeit, Stabilität und Konstanz durch die dezente Variation bekannter Schauplätze und Genrekonventionen.

Der Artikel stammt von Daniela Schlütz, Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, und wurde erstveröffentlicht in der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der DGPuK.

Eine Liste weiterer Gastbeiträge auf unserem Blog zum Thema »Kommunikation und Medien: Fragen und Antworten auf zeitgenössische Themen« finden Sie hier.

Von | 2015-07-16T10:11:00+00:00 22. Juli 2014|Kategorien: Allgemein, Fernsehen, Fernsehformate, Forschung, Medienforschung|Tags: , |

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