Was Grundschüler von Medien erwarten

Was wollen Kinder von Medien? Wie erreicht man eine junge Leserschaft? Und was bedeutet Aktualität für Kinder? Diese und weitere Fragen stellen sich bei der Gestaltung eines Magazins für Grundschüler. Schnell merkt man: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie haben besondere Wünsche und Bedürfnisse.

Wir haben uns in einem Team, bestehend aus 25 Studierenden des Studiengangs Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt, auf die Suche nach Antworten auf diese Fragen gemacht. Als Semesterprojekt konzipierten und gestalteten wir ein Magazin für Grundschüler. Doch bevor wir damit starteten, befragten wir Kinder zwischen acht und elf Jahren in fünf Grundschulklassen aus Baden-Württemberg und Hessen. Die Schüler erzählten uns, welche Themen sie sich wünschen, was sie in ihrer Freizeit unternehmen und wie sie Medien nutzen. Außerdem haben wir ihnen Zeitschriften für junge Leser ausgeteilt, die sie eine Woche lang lesen konnten. Aus den Ergebnissen der mündlichen und schriftlichen Befragung erfuhren wir, wie unser fuppMagazin im Idealfall nach den Wünschen der Kinder auszusehen hätte.

Wir studieren jedoch Online-Journalismus, und deswegen wollten wir zusammen mit unserer Professorin Annette Leßmöllmann nicht nur ein Printmagazin erstellen. Um herauszufinden, wie wir crossmedial arbeiten können, spielte es für uns eine wichtige Rolle, wie Kinder Medien abseits gedruckter Zeitschriften nutzen. Letztlich entschieden wir uns dafür, das fuppMagazin durch multimediale Angebote auf einem Blog zu ergänzen, da das Fernsehen für einen Großteil der Kinder die Hauptinformationsquelle ist.

Kinder wollen mitreden

73 Prozent der befragten Schüler schauen die Kindernachrichten „logo!”. Dies gehört für sie zum Alltag. Die Grundschüler haben ein ausgeprägtes Informationsbedürfnis, das sie zu einem großen Teil auch zusammen mit den Eltern befriedigen. Zwei Drittel der Schüler einer befragten Klasse schauen gemeinsam mit den Eltern abends Nachrichten. Ein Ritual, das von den Eltern in den Tagesablauf der Kinder übergeht.

Aber nicht nur das Ritual teilen die Grundschüler mit ihren Eltern. Für sie sind auch die Themen der Erwachsenen interessant. Die Schüler fordern häufig mehr und tiefer gehende Informationen, als ihnen die Medien für ihre Zielgruppe bereitstellen. Eine Schülerin sagte: „Wenn jemand in Not ist, will ich wissen warum!“ Ein anderer Schüler meinte: „Mich interessiert es, wenn etwas Schlimmes passiert.“ Gerade in Verbindung mit Umweltkatastrophen fragen sich die Schüler: Was ist da passiert und warum? Die Kinder sprechen hier zum Beispiel das Unglück der Costa Concordia oder die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko an. Aber: „Wenn mit Kindern schlimme Sachen passieren, wenn sie ermordet werden, das mag ich überhaupt nicht“, betonte ein Schüler.

Was ist für Kinder relevant?

Die journalistischen Nachrichtenkriterien können jedoch nicht eins zu eins auf Grundschüler übertragen werden. Schüler der dritten und vierten Klasse gewichten Aktualität und Relevanz anders als Erwachsene. Für sie sind globale Themen genauso relevant wie das, was ihnen auf dem Schulweg passiert. Welche Vorlieben sie haben, und was gerade in ihrem Lebensmittelpunkt steht, entscheidet darüber, was für sie aktuell ist.

Um weniger aktuelle Themen geht es in Zeitschriften. Viele der genannten Magazin-Titel lassen sich als unterhaltend einstufen. So nannten einige der Kinder „BRAVO”, „Micky Maus” oder allgemein „Comics”. Aber auch Titel wie „GEOlino” oder „ZEITLeo” lesen die Kinder nach eigenen Angaben regelmäßig. Dort steht das Motto „Die Welt erklären” im Vordergrund.

Extras und Unterhaltung sind wichtig

Extras und kleine Geschenke, die auf den Titelseiten vieler Kindermagazine kleben, sind häufig ausschlaggebend dafür, ob eine Zeitschrift gekauft wird oder nicht. Das haben wir vor allem beim Austeilen der Hefte festgestellt: Die Kinder stürzten sich sofort auf die Extras, tüftelten am Knobelspiel oder versuchten, den schiefen Turm von Pisa im Mini-Format nachzubauen.

Entgegen unserer Erwartungen waren es aber nicht die Extras, die den Kindern in den Heften am besten gefallen haben. Hoch im Kurs standen hier je nach Alter die Artikel, die sich mit Tieren, Sport oder Wissenschaft beschäftigen. Besonders gerne mögen Kinder Beiträge, bei denen sie gefordert sind und die sie unterhalten: zum Beispiel Rätsel zu einem Text oder Mitmach-Artikel wie Bastelanleitungen.

So könnte unser Video …

… in mancher Familie zu einem kleinen Wettbewerb zwischen Kindern und ihren Eltern geführt haben.

Crossmedialität

Das fuppMagazin wird durch unsere Medienwelt mit Videos und Fotostrecken ergänzt, weil über die Hälfte der befragten Kinder im Internet gerne nach Videos suchen. Auf die Frage, ob die Kinder auch am Computer lesen, antwortete ein Drittel bis die Hälfte der Schüler mit „ja“. Tendenziell lesen die älteren Kinder mehr am Computer als die jüngeren. Deshalb gibt es in unserer Medienwelt auch weitere Texte zu entdecken.

Außerdem dokumentierten wir auf unserem Weblog die Entstehungsgeschichte unseres Magazins. Über unsere Forschungsergebnisse und die unterschiedlichen Arbeitsschritte können sich interessierte Medienschaffende, Lehrer und Eltern in unserem Redaktionstagebuch informieren.

Fotos: Martin Krauß
Cover: fuppMagazin

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Ein Kommentar

  1. sabinehaas 9. August 2012 um 10:29 Uhr

    Ich finde es toll, die Kinder selbst zunächst zu Wort kommen zu lassen, bevor man sich an die Gestaltung eines Magazins für Grundschüler macht. Es ist ja leider oft so, dass die Medienpädagogen Kindern die Inhalte vorsetzen, die man für “pädagogisch sinnvoll” hält. Das geht dann aber oft an den Interessen der Kids vorbei..

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