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Was es bedeutet, wenn Wissensautoritäten abgelöst werden

WahrheitIch habe schon häufig darauf hingewiesen, dass es vielleicht für die Digital Natives eine sehr intuitive Entscheidung ist, sich von den „Autoritäten“ der Vergangenheit in Sachen „Wahrheit“ und „Information“ zu verabschieden und neue Wege zu gehen. In Zeiten, in denen jede Nachricht und jedes Bildmaterial digital gefälscht sein kann und das Lexikon-Wissen der Aktualität der Netze in keiner Weise mehr standhält, ist eine Umorientierung vielleicht notwendig.

Die nachwachsende Generation hat daraus Konsequenzen gezogen – wahrscheinlich eher unbewusst als bewusst – und bezieht sich jetzt lieber auf anderes als auf die „Autoritäten“, die noch für ihre Eltern verbindlich waren. Kriterium für Güte und Wahrheit sind inzwischen in erster Linie die Bewertungen von Freunden und Bekannten sowie die Sympathie und Ausstrahlung der kommunizierenden Personen. Der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht eine Institution. Doch ist dies so klug?

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Bildquelle: CC BY-NC-SA 2.0 Obstschale | flickr.com

Was fangen wir uns mit diesem Wechsel eigentlich in Zukunft ein? Ich habe mal versucht, einige Thesen zusammenzustellen:


  1. Wissenschaftlichkeit ist nicht mehr per se ein Gut, das Respekt abfordert. Erst wenn der Nutzen oder der USP der wissenschaftlichen Information von den Lesern erkennbar ist, wird die Information wertgeschätzt. Ich sehe darin eine Demokratisierung von Wissenschaft und Bildung, die mir positiv erscheint. Nicht der Doktortitel allein beeindruckt. Man muss darüber hinaus überzeugen.

  2. Eine Institution ist nur so gut, wie die Menschen, die darin tätig sind. Heute bedeutet dies, dass die Institutionen ihre Türen öffnen und ihren „Kunden“ Einblick gewähren müssen. Sie müssen zeigen, wer bei ihnen wie etwas macht und nur, wenn das Gesamtgebilde nach außen und innen stimmig ist, wird es akzeptiert.

  3. Themen ohne Spannung und Spaß haben es immer schwerer. Wer sich oder sein Thema nicht vermarkten kann, wer nicht begeistert, weil weder Inhalt noch Absender dazu in der Lage sind, der wird es in Zukunft schwer haben. Das ist ungerecht. Aber ungerecht war es früher auch. Es wurde nur derjenige wahrgenommen, der zu den gesellschaftlich vereinbarten „Autoritäten“ gehörte.

  4. Verständlichkeit wird zum Wert, Unverständlichkeit verliert an Achtung. Bislang galt: Wahres und Wichtiges muss schwierig sein, mindestens aber umfangreich und nicht leicht zu konsumieren. Dieses Verhältnis hat sich umgekehrt. Inzwischen verdient sich derjenige Respekt, dem es gelingt, auch komplexe Sachverhalte einfach und verständlich aufzubereiten. Hochintellektuelle Texte sind nicht per se von Wert, wenn man ihren Inhalt nicht massentauglich übersetzen kann. Wissenschaften wie Philosophie, Jura oder Theologie sind theoretisch und leiden sehr darunter. Sie werden lange nicht mehr in der Tiefe durchdrungen, die sie eigentlich benötigen. Wer davon profitiert, sind die vielen Menschen, denen der Bildungshintergrund für komplexe Sachverhalte fehlt. Sie müssen diese Chance allerdings auch nutzen.

Sicher gibt es noch weitere Thesen, die mit dem derzeitigen Generationsumbruch einhergehen. Ich freue mich auf Diskussion und Ergänzung.

By | 2012-02-13T08:30:58+00:00 13. Februar 2012|Categories: Digitaler Wandel, Neue Medien|Tags: , , , , , , , |

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