Das Handy ist für meine Tochter (15) unerlässlich. Ihr das Gerät wegzunehmen, würde sie in tiefe Verzweiflung stürzen. Eine tägliche Begrenzung der Bildschirmzeit haben wir schon lange abgeschafft. Muss ich mir deswegen Sorgen machen? Sicher um die Gesundheit ihrer Augen, denn die ständige Nutzung dieses sehr kleinen Bildschirms ist bestimmt nicht optimal, und tatsächlich trägt sie seit Kurzem eine Brille (ob diese mit der Handynutzung in Zusammenhang steht, ist allerdings umstritten). Aber eigentlich bin ich recht entspannt, denn was meine Tochter im Digitalen so macht, ist das, was ich in dem Alter auch gemacht habe.

Sie hört Musik

Musik ist in diesem Alter generell Thema Nummer 1. Tonträger sind komplett verschwunden, Kind holt sich sämtliche Musik aus dem Netz. Mittels Spotify werden individuelle Playlists erstellt und beinahe ausschließlich auf dem Smartphone abgespielt. Ich kann mich noch an Diskussionen über die Qualität unterschiedlicher Boxen erinnern. Ein großes Thema. Für Tochter gibt es nur die Ohrstöpsel am Handy, ihre Anlage liegt trotz Bluetooth brach. Der Vorteil: Während wir damals ständig von den Eltern aufgefordert wurden, die Anlage leiser zu stellen, kriege ich von der Musik der Tochter nur ab und zu im Auto etwas mit.

Sie liest

Ich habe neben Büchern immer das »Lustige Taschenbuch« verschlungen. Meine Mutter nannte die Comics »Verdummungshefte« und meckerte, wenn ich kein »anständiges Buch« las. Meine Tochter liest Fortsetzungsstories zu TV-Serien. Diese werden von Fans geschrieben, meist auf Englisch und sind in der Regel nicht als Bücher erhältlich. Dazwischen liest sie zum Glück auch noch Bücher in Papierform, aber diese Texte im Web faszinieren sie, und sie verschlingt sie oft stundenlang – auf dem Handy.

Sie schaut fern

Tochter liebt Serien. Aber sie hat keine Lust, dafür den Fernseher anzuschalten und dort umständlich danach zu suchen. Das Handy ist sowieso in der Nähe, also wird die Serie auf diesem Gerät geschaut. Die Qualität von Ton und Bild sind zweitrangig. Hauptsache, man kann in jeder Situation und Position schauen. Ich weiß noch, wie froh ich war, als ich einen kleinen Schwarz-Weiß-Fernseher mit Zimmerantenne für mich bekommen habe. Das Bild war ebenfalls gruselig schlecht. Auch mir war das herzlich egal.

Sie chattet

Da wir bislang auf dem Land lebten und die Freundinnen viele Kilometer entfernt sind, sind Verabredungen aufwändig. Also muss man Alternativen finden. Früher hieß das: stundenlange Telefonate. Aber telefonieren mag Tochter überhaupt nicht. Also wird per Text- oder Sprachnachricht kommuniziert, jederzeit und mit der Sicherheit, nicht synchron antworten zu müssen, wenn man nicht mag.

Sie kauft ein

Einkaufen zu gehen funktioniert online aus vielen Gründen für Tochter besser als offline. Online hat sie eine andere Auswahl an Shops – zum Beispiel eine Reihe von besonderen Modeanbietern oder bestimmte US-Produkte, die irgendwelche Instagram-Vorbilder empfohlen haben. Online ist bequem, Kind muss nicht in den Bus und zur nächsten Stadt fahren. Außerdem kann man vorher die Produktfotos an Freundinnen senden und sich mit denen abstimmen. Also alles ganz easy.

Sie holt sich Rat in Sachen Mode und Beauty

Ich weiß gar nicht, wo wir solche Infos bekommen haben. Teilweise aus der BRAVO, weniger aus dem Fernsehen. Irgendwie muss es wohl Mundpropaganda gewesen sein, über die man die jeweils aktuellen Jeansmarken erfahren hat. Heute ist es ganz eindeutig und in erster Linie Instagram. Da sind die Mädels, auf die man etwas hält und von denen man sich was empfehlen lässt. Zum einen die Promis, sprich Sängerinnen oder Schauspielerinnen, zum anderen die »Mode-Kids« mit eigenen Beauty-Channels. Was meine Tochter gut daran findet: Oft werben die Protagonisten aktiv für die Produkte, und man muss sie nur anklicken und kann sie auch schon kaufen. Das Thema Schleichwerbung ist zwar bekannt, aber bei den eigenen Favoriten ist trotzdem jede Empfehlung glaubwürdig.

Sie spielt – sehr selten

Für Spiele wird das Smartphone der Tochter nur selten genutzt. Daran ist sie – im Gegensatz zum zwölfjährigen Sohn – so gut wie nicht interessiert. Spiele sind auch am PC oder an der Konsole kaum ein Thema. Dafür fehlt Tochter die Geduld und das Interesse. Ab und zu wird mal mit dem Bruder ein wenig gezockt, ist aber eher die Seltenheit. Das Thema Spiele hat so gut wie keine Relevanz.

Viele Endgeräte gebündelt in einem

Insgesamt deckt das Smartphone alles ab, was wir früher über verschiedene Endgeräte ebenfalls leidenschaftlich genutzt haben: Musik, Film, Spiel, Buch und Kommunikation mit Freunden. Es ist also eigentlich alles wie immer.