Ich bin im Februar 2010 auf Twitter gestartet, und die Plattform hat mich sehr schnell fasziniert. Als begeisterte „Wort-Anhängerin“ konnte ich viel mit einem Angebot anfangen, dass in erster Linie auf Text setzt – und das konzentriert auf 140 Zeichen. Diese Idee, den unendlichen Raum des Internets zu rationieren und einem Tweet keinen unbeschränkten Platz einzuräumen, hat die Nutzerschaft extrem beflügelt. Es entstanden Tagebücher in 140 Zeichen, Romane in 140 Zeichen, Wortketten, Wortwitze, News, Infos – alles knackig und mit unglaublichem Sprachtalent formuliert. Das war der USP von Twitter.

Bild schlägt Text bei den jüngeren Usern

Diese Begeisterung für Text und Sprache ist allerdings ein unverkennbares Zeichen dafür, dass man nicht zu den Digital Natives gehört. Während meine Generation auf das Wort geprägt ist und gelernt hat, Informationen, Wissen etc. in erster Linie durch Text aufzunehmen, ist das bei der Generation meiner Kinder fundamental anders. Sie sind durch das (Bewegt-)Bild geprägt. Visuals und Video sind für sie die primären Quellen – nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch und in gleicher Ausprägung für Information und Wissen.

Die Begeisterung, mit der unsereine/r guten Wortwitz und sprachliche Eloquenz feiert, ist für Jüngere oft nicht nachvollziehbar. Genauso wenig wie für mich und meine Generation häufig die Begeisterung der „Jungen“ für Memes, GIFs, digitale Sticker oder ein gelungenes In-Szene-Setzen im Video. Es ist also nur folgerichtig, dass es für diese Art von Kommunikation jetzt eine Plattform gibt: TikTok.

Interessante Schnittmenge zwischen Twitter und TikTok

Schaut man sich die Videos auf TikTok aus dieser Perspektive an, dann erkennt man viele Parallelen zu Twitter in seinen Anfängen:

  • Der nutzergenerierte Content überwiegt (noch).
  • Der Reiz liegt in einer Verkürzung der Videosequenzen auf wenige Sekunden.
  • Es gibt eine Menge „Versuch und Irrtum“, und man erkennt sehr schnell die Talente.
  • Die Mischung aus Unterhaltung, Information, Tipps, Life-Hacks und Humor macht die Nutzung interessant.
  • Nicht Ästhetik steht im Mittelpunkt (wie beispielsweise bei Instagram), sondern die Pointe.

Auch für die Kommunikation von Unternehmen interessant

Betrachtet man TikTok vor diesem Hintergrund (und blendet dabei einmal die politisch schwierigen Aspekte des Anbieterlandes aus), dann ist Tiktok ein faszinierendes Angebot – möglicherweise mit mehr Potenzial als Instagram. Als Digitalagentur finde ich diesen neuen Social Media-Kanal jedenfalls sehr interessant – durchaus auch für unsere Kunden.