Von Tatort-Fans für Tatort-Fans – Heute dürfen die Zuschauer selbst ermitteln

Nichts ahnend saß ich am Mittwochabend auf meinem Sofa, als folgender Tweet von Guido Bülow, Social-Media-Manager beim SWR, in der Timeline auftauchte: „@gutjahr Hast du schon gesehen, der @Tatort ist nun auch auf @twitter_de aktiv. […]“ Und ich frage mich sofort: Das hat sicher mit dem Tatort+ zu tun, der am Sonntag in der ARD ausgestrahlt wird, oder?

Bei dieser Folge handelt es sich um keinen gewöhnlichen Tatort. Die Verantwortlichen haben sich etwas ganz Besonderes ausgedacht und im Vorhinein die Werbetrommel gerührt. So konnten die Besucher der re:publica in Berlin schon in der vergangenen Woche einen Blick auf „Der Wald steht schwarz und schweigt” werfen. Interaktiv soll er sein, und die Zuschauer werden selbst zum Ermittler. Welche Rolle dabei die Wiederbelebung des Twitter-Accounts @tatort spielt und was die Zuschauer erwartet, darüber habe ich mich Guido Bülow vom SWR gesprochen.

Guido, erst einmal vielen Dank, dass Du Zeit für das Interview gefunden hast. Kannst Du dich unseren Lesern kurz vorstellen?

Guido Bülow: Ich leite das Social-Media-Team im SWR. Zusammen mit meinen Kollegen Patrick Schneider und Katja Beck kümmern wir uns um die Social-Media-Aktivitäten im SWR. Hierzu gehört die aktive Betreuung von Formaten wie zum Beispiel „Verstehen Sie Spaß?“, „Odysso“, „Spätschicht“ sowie die Sendung „Report Mainz“. Aber auch die Beratung weiterer Programmmarken, allgemeine Weiterbildung und Weiterentwicklung der Aktivitäten des SWR ist ein Teil unserer Aufgaben.

Was mich natürlich brennend interessiert: Wie kam es zu der Wiederbelebung des Tatort-Twitter-Accounts? Hängt dies mit der Tatort-Folge zusammen, die heute Abend ausgestrahlt wird?

Guido Bülow: Ja, da liegst du vollkommen richtig. Wir haben von Beginn an den Tatort-Twitter-Account in unseren Planungen berücksichtigt. Da wir selbest große Tatort-Fans sind, verfolgen wir ja Woche für Woche, wie intensiv die User bei Twitter mit und über den Tatort twittern. Daher konnten wir den Kanal nicht außen vor lassen. Zudem ist es vielleicht der richtige Zeitpunkt, um mit dem Tatort-Twitter-Account richtig durchzustarten.

Was genau unterscheidet diesen Tatort von den bisherigen Folgen?

Guido Bülow: Im Prinzip werden wir am Sonntag einen ganz normalen Tatort sehen. :-) Die Geschichte, die erzählt wird, ist in sich abgeschlossen, aber dennoch bleibt eine Frage des Films noch offen… Mehr möchte – und darf – ich nicht verraten.

Das sonntägliche Twittern parallel zum Tatort ist bereits zu einer festen Institution geworden. Vom Ausstrahlungsbeginn an wird geraten, wer denn der Täter sein könnte. Wie können sich die Zuschauer am Sonntag bei der Ermittlung über Twitter beteiligen?

Guido Bülow: Parallel zur Ausstrahlung des Tatorts „Der Wald steht schwarz und schweiget“ wird auf der Videotexttafel 777 eine Twitterwall angeboten. Dort werden die besten Tweets mit dem Hashtag #tatort im abgebildet. Weitere Informationen zur ARD-Twitterwall finden Sie auf ARD Textseite 778.

In den letzten Minuten des Tatorts gibt es dann den prominenten Hinweis auf das Tatort+-Spiel, welches man dann unter www.tatort.de/tatortplus erreichen kann. Das Spiel selbest ist ein Online-Point-and-Click-Adventure, das den Nutzer zum Ermittler macht und den Tatort vom Sonntag fortsetzt.

Wichtig ist uns, dass man aber nicht am Sonntagabend einsteigen muss. Für alle, die aber schon am Sonntag dabei sein werden, haben wir eine kleine Überraschung. Generell sollte man den Film schon gesehen haben, bevor man in das Spiel einsteigt. Deshalb werden wir das gute Stück auf YouTube im ARD-Kanal und in der ARD Mediathek bereitstellen.

Nicht jeder Tatort-Zuschauer ist ein Twitter-Nutzer. Gibt es noch andere Möglichkeiten, an der Spurensuche teilzunehmen?

Guido Bülow: Mitspielen kann im Grunde genommen jeder. Zwar kann man sich bei dem Spiel über Facebook oder Twitter anmelden, jedoch ist die Anmeldung mit einem Account der beiden Dienste keine Pflicht. Stattdessen kann sich jeder einen beliebigen Nutzernamen mit Passwort anlegen und beim Tatort+-Spiel teilnehmen.

Auch wenn sich die Zuschauerschaft des Formats immer mehr verjüngt, wird es noch einige Menschen geben, die weder einen Facebook- noch einen Twitter-Zugang besitzen oder sich nicht interaktiv beteiligen wollen. Was wird den Zuschauern geboten, die „einfach nur“ den Tatort sehen wollen?

Guido Bülow: Diejenigen, die keine Lust auf den Tatort+ haben, können in aller Ruhe den Tatort genießen :-).

Eine letzte Frage habe ich noch. Ist dieser Tatort erst einmal als Pilotprojekt für das Format Tatort angedacht oder sind bereits ähnliche Projekte in Planung?

Guido Bülow: Das Spiel ist definitiv ein Pilotprojekt. Wir wollen in erste Linie Erfahrungen sammeln und von den Nutzern lernen. Aber natürlich erhoffen wir uns, dass das Spiel ein Erfolg wird und nicht nur einmal wiederholt werden kann. Das Team hat eine Menge Arbeit hineingesteckt und viele Wochen und Monate mit der Konzeption verbracht. Wie schon mal erwähnt, wir sind alle selbst große Tatort-Fans und wollten alles so gut wie möglich machen.

Es gibt auch schon viele weitere Ideen, wie man die Interaktion schon während des Tatorts für die Internet-Ermittler gestalten könnte – zum Beispiel KTU-Protokolle live auf den Second Screen bringen.

Vielen Dank für das Interview und wir sind gespannt auf das, was uns am Sonntagabend erwartet!

By | 2015-07-16T14:00:25+00:00 13. Mai 2012|Categories: Allgemein, Fernsehen, Social TV|Tags: , , , |

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