• Alte und Neue Medien ergänzen sich

Viele Wege führen zum Rezipienten oder Wie sich Neue und alte Medien gegenseitig bedingen

Zwei aktuelle Fälle zeigen, dass die sogenannten Neuen Medien manchmal nicht ohne die alten funktionieren – und umgekehrt.

Aktuell hat der Online-Versandhändler Amazon ein Problem: Es ergießt sich eine große Welle der Empörung über der deutschen Niederlassung, nachdem die ARD vergangenen Mittwoch eine Reportage unter dem Titel »Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon« zeigte. Der Inhalt der Ausstrahlung bot wenig Überraschung, dennoch verabsäumte es Amazon, vorbeugend Maßnahmen zu ergreifen, um den darauf folgenden und vornehmlich auf der Facebook-Seite des Unternehmens stattfindenden Ansturm der Entrüstung abzumildern.

Der Fall zeigt, wie stark der Einfluss vermeintlich alter Medien immer noch ist. Dass Amazon Mitarbeiter unter fragwürdigen Umständen einstellt, kann man eigentlich als schon lange bekannt voraussetzen, auch anderes fragwürdiges Geschäftsgebahren ist für die Millionen Kunden kein Geheimnis. Dass sich die Welle der negativen Reaktionen nun so plötzlich ergießt, ist einzig auf die Ausstrahlung der 30-minütigen Reportage am vergangenen Mittwoch zurückzuführen. Ein interessantes Beispiel, das sich noch um Weitere ergänzen ließe.

Dass es auch umgekehrt funktioniert, wenngleich vielleicht noch weniger häufig, konnte man in jüngster Vergangenheit zum Beispiel am Twitter-Trend-Thema mit dem Hashtag #aufschrei erkennen. Der Sturm, der über den Kurznachrichtendienst losgetreten wurde, fand schließlich im Fernsehen und in der Folge auf allen Medienkanälen Aufmerksamkeit. Die Initiatorin der Aktion war zu Gast in Talkshows und konnte das Anliegen einem viel breiteren und größeren Publikum zutragen, als dies über soziale Medien möglich gewesen wäre. Es ist nicht das erste Beispiel, wie sich das Fernsehen an Themen bedient, die im Internet entstanden sind.

Alte und neue Medien ergänzen sich

Neue und alte Medien sind also keine Gegensätze, sondern Teile im Gesamt-Medien-Mix, die sich in beide Richtungen brauchen. Diese Erkenntnis wiederum ist wichtig für alle Medienunternehmen. Wer sich nur auf einen Kanal konzentriert, unterschätzt die Wirkung der anderen. Will meinen: Eine Aktion, die nur auf Twitter ihren Widerhall findet, erlangt kein Gehör bei der breiten Masse der Bevölkerung. Schafft sie ihren Weg aber in die alten Medien – wie es inzwischen immer öfter der Fall ist -,  hat sie die Chance auf eine breite Öffentlichkeit. Umgekehrt entfaltet eine Reportage wie die oben beschriebene erst im Internet ihre volle Wirkung. Denn nur dort, wo sich Zuschauer in ihrer Empörung bestätigt sehen, tragen sie sie auch weiter.

Medienunternehmen sollten sich also zunehmend bewusst machen, dass sich neue und alte Medien gegenseitig bedingen und befruchten können. Die daraus folgende Maxime lautet: Keinen der Kanäle außer Acht lassen!

Über den Autor:

4 Kommentare

  1. Johannes Mirus 27. Februar 2013 um 13:05 Uhr
  2. Carmen Treulieb 15. Oktober 2013 um 14:53 Uhr

    Ich war gerade auf der Suche nach einer aussagekräftigen Grafik zum Verhältnis von alten und neuen Medien – diese hier ist eindeutig die beste :-)

    Herzliche Grüße, Carmen Treulieb

  3. Alexa Brandt
    Alexa Brandt 15. Oktober 2013 um 15:14 Uhr

    :-)

Hinterlassen Sie einen Kommentar