Update Podcasting 2008

Spätestens seit dem Sommer 2006 wurde Podcasting in Deutschland populär. Die weite Verbreitung von iPods und vor allem der Software iTunes sowie der flächendeckenden Versorgung mit DSL hat die Verbreitung von Podcasts gefördert.

“Podcasts sind kein Medium, wie sie so oft gehypt worden sind. Der Podcast an sich ist einfach nur ein Vertriebsweg, den man nutzen kann und sollte”, sagt Dennis Horn, Redakteur bei Antenne Düsseldorf und einer der beiden Autoren des Podcast-Buchs.

Die immensen Vorteile des abogetriebenen Vertriebs von Mediendateien sind für die Podcasting-Szene Fluch und Segen zugleich. Der weitaus größte Teil der konsumierten Podcasts besteht aus der Zweitverwertung der Inhalte von Medienunternehmen. Die große Popularität von Podcasts wie Galileo, Tagesschau oder aktuell des Radio-Tatorts der ARD-Sender verdrängt die erstverwerteten Podcasts aus den Charts und nimmt ihnen somit die Aufmerksamkeit. Soweit der Fluch; der Segen besteht darin, dass die großen Medienunternehmen den Verbreitungsweg “Podcast” erst populär gemacht und somit den privaten Podcastern vielleicht sogar mehr Aufmerksamkeit ermöglichen, als sie ohne die Zweitverwerter bekommen hätten.

Letztlich entscheidet die Qualität über den Erfolg von Podcasts. “Ein Großteil der privaten Audiopodcasts erreicht den Status von intimen Audio-Communities”, so der Podcaster und Podcastexperte Alex Wunschel, “einige wenige adressieren erfolgreich den Anspruch der Hörer hinsichtlich strukturierter Inhalte und zumindest halbwegs professioneller Produktion.” Schaut man in das Podcast-Verzeichnis podster.de, indem sich vor allem die privaten Podcaster sammeln, findet man eine Vielzahl kleinteiliger und spezialisierter Podcasts von oft überschaubarer Güte. Das Portal podcast.de entdeckt nichtsdestotrotz einen Aufwärtstrend. Allerdings dominieren auch hier die Zweitverwerter.

Es zeigt sich also eine klare Dreiteilung der Podcasting-Szene in recht professionell produzierte Podcast mit journalistischem Anspruch, laienhaft produzierte Podcasts, in denen der Spaß am Bereitstellen von Special-Interest-Content vorherrscht, sowie die große Masse der Zweitverwerter.

Im Bereich Corporate Podcasting, der vierten Gruppe, findet die Einbindung von Audio- und Video-Content nur zaghaft statt. Die Unternehmen erkennen noch zu wenig die Potenziale für ihre Kommunikation. Oder sie sind enttäuscht über die Akzeptanz ihrer Podcasts. Alex Wunschel erklärt das Erfolgsrezept für Corporate Podcasts: “Größte zu lösende Aufgabe ist die redaktionelle Dimension dieses neuen Mediums. Denn hier müssen Unternehmen, Produkte und Marken anfangen, interessante Geschichten zu erzählen, welche die Zuhörer oder Zuseher fesseln und begeistern. Es findet auch ein Umdenken hinsichtlich der Dimension ‘Aufmerksamkeit in der Zielgruppe’ statt. Hier bieten audiovisuelle Formate eine hervorragende Möglichkeit, Glaubwürdigkeit und Transparenz zu vermitteln und zahlen damit in die Kommunikationsziele des Unternehmens ein. Gelungene Beispiele sind der Marco Polo Podcast, Stuttgart Podcast oder der Nestlé Ernährungsratgeber.”

Zusammenfassend kann man aber sagen, dass sich Podcasting zwar etabliert, aber noch eine große Entwicklung vor sich hat. Die Möglichkeit der zeit- und ortsunabhängigen Nutzung ist der Haupttreiber dieser Entwicklung. “Podcasts werden zur Hälfte am Rechner, zur Hälfte mobil genutzt. Wenn sich die technischen Rahmenbedingungen ändern, sodass Podcasts auch über Mobiltelefone genutzt werden können, wird es einen weiteren Schub für Podcast geben”, sagt Wunschel.

Von | 2015-07-16T14:06:58+00:00 13. März 2008|Kategorien: Kommunikation, Podcast|Tags: , , |

Über den Autor:

2 Kommentare

  1. Das Podcast-Buch 14. März 2008 um 12:58 Uhr

    […] auch dank der Tode des Podcastclubs und des Podcastverbands. Dirk Middeldorf hat im result blog ein Update zum Podcasting 2008 geschrieben. Zusammenfassend kann man aber sagen, dass sich Podcasting zwar etabliert, aber noch […]

  2. […] der Studie noch nicht auseinandergesetzt haben, eine kurze Zusammenfassung (Alle anderen können ein paar Absätze nach unten springen): Für die Analyse verschiedener Nutzertypen bei Twitter wurde zunächst ein […]

Hinterlassen Sie einen Kommentar