Unbekannt und uninteressant – die Herausforderungen von KMU im Social Web

Große Marken haben es einfach, vor allem dann, wenn sie trendy sind. Wer schmückt sich nicht gern mit Porsche, Coca Cola und Lady Gaga?. Aber was ist, wenn ein Unternehmen Stadtsparkasse Oberursel oder Getränkehandel Großmann heißt? Wenn dann noch das Budget fehlt, um mit namhaften Agenturen virale Werbekampagnen aufzusetzen oder wirkungsvolle Videos zu produzieren, dann hat man gleich mehrere Herausforderungen zu bewältigen.

1. Man ist unbekannt.

Da nur wenige Menschen das Unternehmen überhaupt kennen, lässt die Zahl der Follower und Fans, die sich in der Regel zunächst aus dem engsten Kundenkreis heraus rekrutiert, erst einmal zu wünschen übrig. Dies tritt insbesondere dann ein, wenn der engste Kundenkreis aus Stammkunden besteht, die Facebook gerade einmal dem Namen nach kennen.

2. Man ist uninteressant.

Wenn ich Fan einer Seite auf Facebook werde, dann aus zwei Gründen: Es ist cool, oder ich brauche die Information. Brauche ich aber die Information der Stadtsparkasse und/oder ist es cool, Fan eines Getränkehandels zu werden? Ich fürchte, nein.

3. Über die heimischen KMU spricht man in der Regel nicht.

Die kleinen und mittleren Unternehmen vor Ort mit ihrem Angebot und ihren Leistungen kennt man und ist sie gewöhnt. Sie gehören zum Alltag und sind in der Regel kein Gesprächsthema. Auch nicht im sozialen Netz.

Daraus müsste man schließen: KMU sollten einfach die Finger von Social Media Marketing lassen. Schließlich bringt das oft nicht viel mehr als unnötige Arbeit und Frust.

Dieser Gedanke ist meiner Meinung nach zu kurz gedacht. Social Media Marketing ist gerade für Unternehmen mit kleinen Marketing-Budgets eine große Chance, Bekanntheit und Reputation zu steigern. Man kann vieles, was an monetären Budgets nicht verfügbar ist, durch Witz, Kreativität und Engagement kompensieren. Aber nur dabei sein, ist noch längst nicht alles. Will man auch erfolgreich sein, müssen Unternehmen folgende Fragen beantworten – und dabei ehrlich sein!

–         Wer ist die Zielgruppe des Unternehmens auf den sozialen Plattformen?
–         Will diese Zielgruppe Fan des Unternehmens sein?
–         Falls ja, warum? Falls nein, was kann man tun, um das Interesse zu wecken?
–         Hat das Unternehmen/die Marke Freunde oder Gegner?
–         Ist das Unternehmen cool oder uncool?
–         Was kann man bieten, um für die Zielgruppe nützlich und interessant zu sein?
–         Wie kann das Unternehmen seine Zielgruppe unterhalten?
–         Wie kann man begeistern, damit die Fans über das Unternehmen sprechen?

Die Aufgaben im Bereich Social Media Marketing sind aus diesem Blickwinkel betrachtet deutlich anspruchsvoller und gehen weit über das bloße Einrichten einer Fanpage hinaus. Aber sie lassen sich lösen.

So hat es beispielsweise der schweizerische Ort Obermutten geschafft, mit einem wunderbar dilettantischen Video in kürzester Zeit weltbekannt zu werden.

Schön ist auch die Idee, statt wenig interessanter Unternehmensinhalte, ein separates Projekt zu gestalten, was auf breites Interesse stößt, wie es z.B. die Wortweide gemacht hat, um so indirekt für sein Unternehmen zu werben. Ein weiteres Beispiel ist die Krones AG, die durch ihr breites Engagement innerhalb kürzester Zeit eine hohe Bekanntschaft erreicht hat.

Noch ist die Zahl solcher Best-Practice-Beispiele relativ gering. Die uninteressanten, ungenutzten und unbekannten Seiten dominieren. Bleibt zu hoffen, dass sich das schnellstmöglich ändert. Zum Abschluss vielleicht noch einige bekannte Highlights der ganz Großen. Nichts davon ist für die „Kleinen“ unmöglich …

Kampagne von Coca-Cola: “Coca Cola, Friendship Machine”

Piano stairs – TheFunTheory.com – Rolighetsteorin.se

Bildquelle: CC-BY Christian Leitner | flickr.com

Von | 2011-11-07T08:30:01+00:00 7. November 2011|Kategorien: Social Media|Tags: , , , , , |

Über den Autor:

Sabine Haas
Sie gründete 1994 das result Markt- und Medienforschungsinstitut, 2007 folgte eine Webagentur, im Jahr 2011 der Geschäftsbereich Beratung. Als Kennerin der alten wie auch Neuen Medien gehört sie zu den gern gesehenen Speakerinnen bei Fachveranstaltungen & Kongressen rund um das Thema "Digitaler Wandel/Medienwandel".

2 Kommentare

  1. […] Unbekannt und uninteressant – die Herausforderungen von KMU im Social Web Große Marken haben es einfach, vor allem dann, wenn sie trendy sind. Wer schmückt sich nicht gern mit Porsche, Coca Cola und Lady Gaga?. Source: http://www.neolog-consulting.de […]

  2. Torsten Ambs 9. November 2011 um 10:14 Uhr

    Danke für den guten Artikel. Kurze Anmerkung: Die Frage ist nicht, OB es kleine “Marken” schaffen, sich in einem breiten Social Media Publikum zu etablieren, die Frage ist, WIE LANGE sie sich dann auch halten können (sieh hierzu z.B. http://bit.ly/qkSBF3)

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