Twitter – die unterschätzte Plattform

War es vor einigen Jahren noch so, dass auf die Frage, ob jemand bei Facebook sei, kaum jemand mit »Ja!« antwortete, so ist es heute bei meinen Vorträgen meist die Mehrheit, die die Hände hebt. Bei Twitter dagegen ist die Situation immer die gleiche: Einige wenige Hände strecken sich nach oben, der Rest bekundet auf Nachfrage: »Keine Ahnung, was ich da soll«. Twitter ist damit das für mich am stärksten unterschätzte soziale Netzwerk in Deutschland. Interessant, dass sich daran auch nichts zu ändern scheint, obwohl (wenngleich auf negative Weise) Trump & Co. uns tagtäglich vor Augen führen, wie wirksam Twitter sein kann.

Im Austausch mit meinen Kunden fällt auf, dass sich ihnen Twitter einfach nicht erschließt. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Was soll man da denn auch schon schreiben in diesen maximal 280 Zeichen? Wo liegt der Mehrwert für Unternehmen und Führungskräfte? Diese Fragen beantworten sich bei einem Blick auf die Plattform in der Regel nicht von selbst. Deshalb möchte ich im Folgenden meine Sicht auf das Netzwerk und die Gründe konkret benennen, warum es nicht nur Sinn, sondern auch Spaß machen kann, sich dort aktiv einzubringen.

 

Medium zur Bildung von Meinung

Zunächst einmal ist es eine »Verlautbarungsplattform« für Prominente und all jene, die sich hierfür halten. Auf Twitter erhalten sie die Chance, an den Medien vorbei ihre eigene, ganz persönliche Sicht auf Dinge und Sachverhalte zu kommunizieren und somit möglichst Meinung zu bilden. Das kann man gut oder schlecht finden, ist aber unbestritten eine der am häufigsten genutzten Funktionen der Plattform.

 

Wertvolle Informationsplattform

Twitter ist zudem das Netzwerk zum Austausch von Informationen – und dies deutlich mehr als das eher unterhaltungsorientierte Facebook. Interessiert man sich für Mitteilungen egal aus welchem Bereich, dann ist Twitter erste Anlaufstelle. Mehr oder weniger alle Medien sind dort vertreten, sie versenden über Twitter erste Vorabinfos und halten bei aktuellen Ereignissen via diesem Kanal auf dem Laufenden. Sei es der Putschversuch in der Türkei oder ein Terroranschlag: Auf Twitter erhält man durchgehend die neuesten Meldungen, Augenzeugenberichte, Stellungnahmen. Genauso wird man aber auch überschüttet mit vorschnellen Kommentaren, Gerüchten, Vermutungen und Halbwahrheiten. Die Quellen sind hier – wie überall im Netz sonst auch – entscheidend.

 

Instrument zur Reputationsstärkung

Der dritte Aspekt in der Nutzung von Twitter ist seine Funktion als »Reputationsplattform«. Hier liegt der Hebel, um es auch beruflich nutzbringend einzusetzen. Auf dem Netzwerk versammeln sich hochgradig informationsorientierte Nutzer mit verschiedenen Themeninteressen. Diese – so denn sie aktiv sind – lesen nicht nur den Content, den sie auf der Plattform finden, sie berichten auch darüber, welche spannenden Inhalte sie an anderer Stelle gefunden haben. Twitter wird so zur Reputationsstütze: Der »Sender« stärkt seine Kompetenz in einem bestimmten Themenfeld, indem er auf Twitter seine Leseempfehlungen weitergibt, verbunden mit einem wertenden Kommentar. Wichtig: Es geht hier nicht in erster Linie um die Verbreitung der eigenen Inhalte. Es geht um die Bewertung und/oder Empfehlung von Drittcontent.

Sucht man sich auf Twitter die Sender aus, die thematisch zu den eigenen Interessen passen, bekommt man einen handverlesenen Filter für die spannenden Informationen im Netz. Dies »dankt« man seinen Netzwerkpartnern, indem man seinerseits Content-Tipps auf Twitter weitergibt. Macht man dies gut, begründet man damit seine Reputation als Experte für ein bestimmtes Thema. Es entsteht eine Win-Win-Situation auf ganzer Linie.

Digitale Spielwiese auch für KMU

Für kleine Unternehmen mit hoher Kompetenz liegt in Twitter damit eine großartige Chance. Oftmals gelingt es diesen nur schlecht, das eigene Wissen kostenfrei in Fachzeitschriften unterzubringen. Auf Twitter dagegen kann man gezielt über seine Kompetenz berichten und sich zugleich mit den Accounts verbinden, die sich ebenfalls für dieses Themenfeld interessieren. Besser noch: Auch Journalisten kann man auf diese Weise auf sich aufmerksam machen und – wer weiß – vielleicht sind sie beeindruckt und stellen irgendwann eine Interviewanfrage, wie ich aus mehrfacher eigener Erfahrung weiß.

 

Favorisiertes Social Network zur Multiplikatorenansprache

Man merkt: Ich selbst bin von Twitter sehr angetan. Es ist seit vielen Jahren meine favorisierte Plattform im Netz. Das hat natürlich auch mit meinen Neigungen und Themen zu tun. Generell nutze ich lieber Text als Bild und schreibe über Bereiche, die man etwa auf Instagram nicht wirklich inszenieren kann. Dennoch: Für den Bereich der Multiplikatorenansprache ist Twitter für jedes Unternehmen bzw. jede Person interessant. Wenn man es richtig macht, kann man dort ein wirklich schlagkräftiges und nachhaltiges Netzwerk aufbauen. Nicht zuletzt »zwingt« einen Twitter immer wieder aufs Neue, sich mit den eigenen Fachthemen zu beschäftigen und nach Inspiration und News Ausschau zu halten. Denn nur dann hat man auf der Plattform auch etwas zu sagen… aber nicht nur dort, auch offline hat man einfach mehr zu erzählen.

Von |2018-05-30T08:55:19+00:0029. Mai 2018|Kategorien: Allgemein, Kommunikation, Social Media, Social Networks|Tags: , , |

Über den Autor:

Sabine Haas
Sie gründete 1994 das result Markt- und Medienforschungsinstitut, 2007 folgte eine Webagentur, im Jahr 2011 der Geschäftsbereich Beratung. Als Kennerin der alten wie auch Neuen Medien gehört sie zu den gern gesehenen Speakerinnen bei Fachveranstaltungen & Kongressen rund um das Thema "Digitaler Wandel/Medienwandel".

Ein Kommentar

  1. Ingo Busch 30. Mai 2018 um 9:38 Uhr

    Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer, dass Twitter einfach Spaß macht ;-)

Hinterlassen Sie einen Kommentar