Tweetosphäre

Eines der faszinierendsten Dinge am Internet ist, dass es zugleich Individual- und Massenkommunikationsmedium ist.

Bei der Nutzung dieser Möglichkeiten verläuft ein Graben zwischen denen, die das Netz lediglich als komfortables Massenmedium ohne Sendezeiten verstehen und denen, die öffentlich über das Netz kommunizieren. Dieser Graben trägt den Namen “Und-warum-soll-ich-das-tun?”, denn zweifellos ist das die Standardreaktion auf die erste Konfrontation mit Facebook, Twitter und den ganzen anderen Möglichkeiten des Web 2.0. (Könnte man auf Standarderwiderungen wetten, wäre ich mittlerweile reich.)

Eine gute Antwort auf die Frage, warum man Twitter u.ä. nutzt, ist: Es entsteht ein dynamisches Netzwerk aus Weak Ties.

Durch das Vernetzen einzelner Nachrichten-Fragmente und Informations-Atome entsteht plötzlich ein sozialer Strom, in dem man mitschwimmt, der viele Menschen miteinander verbindet und zu einer Gemeinschaft macht. Um den Kontakt mit anderen nicht zu verlieren, bedarf es beispielsweise keiner regelmäßigen Telefonate oder realen Treffen mehr. Man bleibt auch einfach auf die Distanz umeinander herum, teilt private Kleinigkeiten, die niemals einen Anruf wert wären und aus der Summe dieser kleinen Nachrichten entsteht doch ein Band, an das man anknüpfen kann, wenn man sich denn dann wieder sieht oder trifft. “Wir haben uns so lange schon nicht mehr gesehen – erzähl doch mal, was Du die letzten Monate so getrieben hast!” wird man in Zukunft wohl seltener hören – man hat den Kontakt zueinander ja nie wirklich unterbrochen. Auch ist diese Art des sozialen Austausches ein Weg, Menschen näher kennenzulernen, die man nur flüchtig oder gar nicht persönlich kennt. Das alles ist wunderbar beschrieben in einer der jüngeren Ausgaben der New York Times, ein lohnenswerter Text auch für englischscheue Leser.

Nicht nur bei uns im Haus drehen sich viele Diskussionen um die Frage, inwieweit das alles nur ein temporäres Phänomen ist oder nur eine Minderheit eingefleischter Netzbewohner betrifft. Zahlen helfen hier m. E. nur bedingt weiter – weil sie zwar die Vergangenheit und Gegenwart abbilden, aber bei einem System, dass sich in einem grundsätzlichen Wandel befindet, nur wenig zur Prognose taugen.

Der Blick in auf die andere Seite des Und-warum-soll-ich-das-tun?-Grabens hilft da vielleicht weiter: Dort heißt er Ich-weiß-gar-nicht-mehr-wie-ich-früher-ohne-das-alles-ausgekommen-bin?-Graben.

Von | 2008-09-16T13:44:44+00:00 16. September 2008|Kategorien: Internet|Tags: , , , , |

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Ein Kommentar

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