Studie zur Zukunft der Informations- und Kommunikationstechniken

Die Fazit Forschung der MFG-Stiftung in Stuttgart hat in einer Delphi-Studie die Zukunft der Informations- und Kommunikationstechniken untersucht. Die Expertenbefragung hat eine Fülle spannender Thesen ergeben, von denen ich hier einige wiedergeben möchte.

So wird bis 2015 erwartet, dass 80% der Inhalte im Web mit nutzergeneriertem Content, Communitys und Foren gefüllt werden. Dies wird starke Auswirkungen auf die Gesellschaft haben. Vor allem Fragen des Datenschutzes könnten die Entwicklung hemmen.

Sollten die Kosten der On-Demand-Nutzung von Fernsehen und Hörfunk deutlich sinken und sich das Nutzerverhalten merklich ändern, wird sie die Broadcastnutzung bis 2017 deutlich übersteigen. Passiert dies bis dahin nicht, wird diese Entwicklung wahrscheinlich gar nicht eintreten.

Am spannendsten ist aber die These, dass wir bis 2018 alle von einer „digitalen Aura“ umgeben sein werden. Gemeint ist damit, dass wir über unsere Mobiltelefone und andere Geräte im Alltag und vor allem draußen ständig mit dem Netz verbunden sind, das uns mit Informationen versorgt und über das wir digital kommunizieren. Unser Leben bekommt also eine digitale Entsprechung.

Aus Marketingsicht ergeben sich daraus einige Konsequenzen: Die Mediennutzung verlagert sich immer weiter ins Netz, und die Inhalte werden dort mit den nutzergenerierten Inhalten verwoben. Die Erweiterung des digitalen Lebens in die Öffentlichkeit wird die Menschen mobiler machen, weil sie fast alle Dinge des Alltags unterwegs erledigen können.

Die Werbebudgets der Unternehmen verschieben sich immer weiter weg von den klassischen Medien zum Below-the-Line-Marketing: Online-Marketing und Mobile-Marketing nehmen an Bedeutung zu und werden möglicherweise auch die klassischen Medien TV, Print und Hörfunk verdrängen.

Einzig das Above-the-Line-Medium Außenwerbung wird in den nächsten Jahren eine Aufschwung erleben, denn die zunehmende Mobilität der Menschen macht das Medium Außenwerbung attraktiv. Neuere Mobiltelefone haben heute schon Barcodescanner, mit denen Informationen etwa von Plakaten auf die mobilen Geräte übertragen werden können, also etwa den Trailer eines Kinofilms.

So werden wir eine integrierte Kommunikation erleben, in der die Marketingtools Mobile, Web und Außenwerbung nahtlos miteinander verknüpft werden. Aber auch etwa für den Point of Sale werden sich neue Möglichkeiten ergeben, die Kunden über die Produkte zu informieren.

Im Online-Marketing müssen Unternehmen begreifen, dass sie intensiv an der Kommunikation im Web teilnehmen müssen, wenn sie überleben wollen. Die Kunden werden Unternehmen, die das Gespräch mit Ihnen nur über Imagewebsites und Broschüren suchen, kaum akzeptieren. Dies schließt sowohl ein, den Kunden eigene Kommunikationsangebote machen zu müssen als auch auf externen Kommunikationsplattformen mit den Kunden zu reden.

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5 Kommentare

  1. Thilo Trump 29. April 2008 um 15:07 Uhr

    Was mich brennend interessieren würde, was unter „80% der Inhalte im Web“ zu verstehen ist. Wie zählt man Inhalte im Web?

    Wenn Datenvolumen gemeint ist, dann ist das eine ganz schön steile These, wiegt doch ein hochaufgelöster Hollywoodfilm vermutlich die komplette Blogosphäre auf.

  2. Dirk Middeldorf 29. April 2008 um 18:16 Uhr

    Erklären die nicht genau. Ich denke, das sind eher so gefühlte 80% im Rahmen der Thesen.

  3. Sascha Stoltenow 2. Mai 2008 um 22:46 Uhr

    Ich habe mal ganz intensiv mit mir selbst orakelt und was soll ich sagen: annähernd 100 Prozent der Inhalte der Welt sind „user generated“ ;-)

  4. Dirk Middeldorf 3. Mai 2008 um 6:22 Uhr

    Hmm, vielleicht meinen die, dass der Anteil zurückgeht …

  5. Thilo Trump 5. Mai 2008 um 9:17 Uhr

    Ich war bei meinen Überlegungen auf 82% gekommen. :-)

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