Start der Interviewreihe „Social Media Trends 2012“ mit Charles Schmidt von der Krones AG

Das Jahr 2011 neigt sich dem Ende zu, und es ist an der Zeit, einen Blick zurückzuwerfen und einen Ausblick in das nächste Jahr zu wagen. Welche Onlineservices haben in diesem Jahr besonders begeistert, und ist Facebook Google+ immer noch eine Nase weit voraus? Wie geht es mit Social Media im kommenden Jahr weiter? Spannende Fragen, auf die unsere Interviewpartner eine Antwort haben, denn sie sind mittendrin dabei – im Social Web. In dieser und der kommenden Woche möchte ich euch an dieser Stelle eine Interviewreihe mit dem Titel „Social Media Trends 2012“ präsentieren. Wer die nächsten Interviewpartner sind, wird nicht verraten. Schließlich soll es ja eine Überraschung sein.

Den Anfang macht ein bekanntes Gesicht aus dem Social Web: Charles Schmidt, Corporate Social Media Officer der Krones AG

Christine: Wohin wird sich Social Media aus deiner Sicht 2012 entwickeln?

Charles Schmidt: In 2012 sehe ich vor allem zwei Trends, die stark an Bedeutung zulegen werden: Der erste wäre wohl das Thema mobile Nutzung sozialer Netzwerke, im Fachjargon gerne auch „LoMoSo“ – Local, Social, Mobile genannt. Die mobile Nutzung des Internets wird weiter zunehmen, und der Einfluss von Location Based Services (teilweise als eigenständiger Service, teilweise innerhalb der „Großen“ wie Facebook und Google+ integriert) wird sich auch in den Kommunikationsstrategien bemerkbar machen.

Thema Nummer 2 ist ganz klar der Bereich Enterprise 2.0, also die interne Nutzung von Social Media innerhalb eines Unternehmens – etwa zum Wissensmanagement oder zur Koordinierung von Projekten. Diese Art der Nutzung sozialer Medien steckt zwar in Europa noch in den Kinderschuhen, wird aber im kommenden Jahr einen großen Sprung nach vorne machen.

Christine: Blogger Richard Gutjahr glaubt eine Facebook-Müdigkeit festzustellen. Kannst du das bestätigen?

Charles Schmidt: Lass mich mal so sagen: In der Tat ist es so, dass manche Facebook-Features weniger häufig genutzt werden als noch vor einem oder zwei Jahren. Beispiele dafür wären etwa die Suche nach neuen Kontakten (Juli 2011 im Vergleich zu Juli 2009 minus 4,5 Prozent) oder die Nutzung der Gruppenfunktion (minus 6,5 Prozent im selben Zeitraum). Dies ist allerdings leicht zu erklären: Nach einem derart fulminanten Zuwachs an Usern, wie ihn Facebook in den letzten Jahren verzeichnen konnte (trotz aller berechtigten Kritik an der Unternehmenspolitik hinsichtlich des Datenschutzes), ist es natürlich extrem schwierig, diese Frequenz an Aktivitäten langfristig zu halten, zumal in den letzten zwei Jahren auch neue Konkurrenten wie beispielsweise Google+ das „Schlachtfeld“ betreten haben. Trotzdem hat es Facebook geschafft, bei den hochgeladenen Videos einen Zuwachs von 7,6 Prozent hinzulegen. Entgegen dem Trend! Facebook ist ganz klar auch weiterhin der Marktführer und zumindest in meinem Kontaktkreis spüre ich noch nichts von der „Facebook-Fatigue“ die Richard Gutjahr in seinem Blogpost beschreibt. (Quelle der verwendeten Daten: www.trendstream.net)

Christine: Auch Jürgen Vielmeier hat eine interessante These aufgestellt. Seiner Meinung nach wird die Nutzung sozialer Netzwerke zurückgehen, dafür werden aber die privaten Netzwerke mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Was hältst du von dieser Einschätzung?

Charles Schmidt: Hier muss man klar zwischen der privaten und der dienstlichen Nutzung von Social Networks differenzieren. Einer der vielen Gründe zur Verwendung von Social Media in der Unternehmenskommunikation ist schließlich auch die Erhöhung der Reichweite der Beiträge. Zur privaten Nutzung sehe ich jedoch in Private Networks ein sehr großes Potential, eventuell sogar als E-Mail-Ersatz. Man muss sich allerdings zunächst klar werden, was man genau als „Private Network“ definiert. Dazu müssten meiner Meinung nach verschiedene Fragen beantwortet werden, unter anderem auf welchem Server die persönlichen Daten der Nutzer liegen! Herr Viehmeier erwähnt in seinem Beitrag als Beispiel für „Private Networks“ unter anderem auch Shazam. Ich persönlich nutze diesen Dienst zwar nicht, aber meines Wissens nach werden auch dort die Freundeslisten mit Facebook synchronisiert. Von einem rein privaten Netzwerk kann hier also keine Rede sein.

Christine: Martin Weigert hat gerade die Leser von netzwertig.com dazu aufgerufen, für ihren Lieblingsonlinedienst aus 2011 abzustimmen. Welche Services haben dich besonders begeistert?

Charles Schmidt: Ich persönlich bin immer noch ein großer Fan von Twitter. Bislang bietet mir kein anderes Netzwerk die Möglichkeit, derartig schnell und unmittelbar an Informationen zu kommen. Außerdem habe ich über Twitter so viele großartige Menschen kennengelernt, dass das Netzwerk aus meinem Alltag nicht mehr wegzudenken ist.

Christine: Wie stehst du zu der immer wieder aufkommenden Debatte um die Zukunft der Blogs? Welche Rolle werden diese 2012 einnehmen?

Charles Schmidt: Auch hier gilt: Auf die Inhalte kommt es an. Natürlich bietet mir ein Blog deutlich mehr Platz und Möglichkeiten um mich auszudrücken, vorausgesetzt ich habe etwas zu sagen. „Totgespamt und im Vergleich zu den Funktionalitäten von Facebook ein sterbender Dino (aber nur einer von den kleinen), gehören sie auf den Internet-Friedhof. Rest in Peace, lieber Blog!“ Diese Aussage auf medienmilch.de ist arg provokativ und mit Sicherheit auch nicht ganz ernst gemeint, zumal sie ja ironischerweise auf einem Blog getätigt wurde. Die Tatsache, dass wir gerade eifrig über diesen Blogbeitrag diskutieren, widerlegt die Aussage eigentlich bereits!

Christine: Die Krones AG wird immer wieder gerne als Best-Practice-Beispiel in Bezug auf Social-Media-Präsenzen im B2B-Bereich genannt. Neben Youtube seid ihr unter anderem auch auf Facebook, Twitter und Google+ aktiv. Wird sich an dem Social-Media-Set im nächsten Jahr etwas ändern? Und wenn ja, was und warum?

Charles Schmidt: Einen gewissen Grad an Flexibilität muss man sich natürlich immer bewahren, schließlich weiß man nie, was kommt! Der Bereich Enterprise 2.0 wird im kommenden Jahr sicher auch für Krones eine große Rolle spielen. Ansonsten gilt: Abwarten!

Christine: Vielen Dank für das Interview!

By | 2011-12-16T08:30:04+00:00 16. Dezember 2011|Categories: Social Media|Tags: , , , , , |

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6 Kommentare

  1. Vorsintflutliche Kommunikation 16. Dezember 2011 um 11:57 Uhr

    […] und Medienmilch behauptet. Blogs wären tot, weil zugespamt. Charles Schmidt relativiert dies bei Neolog Consulting immerhin. Aber wenn ich das Alles zusammen nehme, dann scheint das Internet ja ganz und gar tot zu […]

  2. […] ersten Teil unserer Serie erklärte Charles Schmidt von der Krones AG die mobile Nutzung sozialer Netzwerke und den steigenden Einfluss von Location Based Services für […]

  3. […] jQuery("#errors*").hide(); window.location= data.themeInternalUrl; } }); } http://www.neolog-consulting.de – December 19, 9:19 […]

  4. Oliver 1. Januar 2012 um 13:43 Uhr

    Interessanter Artikel. Google+ hat min nun 62 Millionen Nutzern bald nicht mehr das Nachsehen. Ich bin gespannt, wie sich Google+ gegen facebook schlägt.

  5. […] Charles Schmidt von der Krones AG […]

  6. […] – Social Media Trends 2012. Zum Beginn des neuen Jahres wurde ich von Christine Heller für ihre Interview-Serie „Social Media Trends 2012“ interviewt. Meine Antworten habe ich in unserem flinc Teamblog veröffentlicht. Sagt also später […]

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