Spielverderber

Kinder und das Internet – bei einigen Eltern schrillen da schon die Alarmglocken. Was lauert nicht auch alles in den unendlichen Weiten des World Wide Web? Gewalt, Pornographie, Kriminelle, Kinderschänder und mehr. Doch Kinder ganz ohne Computer aufwachsen zu lassen, kommt heutzutage auch nicht mehr infrage, zu wichtig ist der Rechner geworden, zu selbstverständlich der Umgang mit dem Netz. Über das Thema Medienpädagogik hat hier vor einigen Wochen schon Sabine Haas geschrieben, sie kam zu dem Fazit: „Es fehlt oft nicht nur an Medienkompetenz bei Eltern und Kindern. Es fehlt darüber hinaus vor allem an tauglichen Jugendschutzmaßnahmen in Sachen Internet.“ Also habe ich den Test gemacht und mir den Rechner von Sabine vorgeknöpft, um ihn per Software kindersicher zu machen. Als Informatiker wollte ich wissen: Wie gut funktionieren solche Programme, und wie leicht sind sie zu installieren? Schließlich sind nur die wenigsten Eltern Computer-Experten.

Der erste Weg auf der Suche nach einem geeigneten Programm führt mich – natürlich – ins Internet. Einige Stunden Online-Recherche und etliche Forenbeiträge von Eltern später habe ich ein Produkt gefunden, das vielfach wärmstens empfohlen wird: „Kindersicherung 2010“, eine Software von Salfeld Computer (Nein, nicht Saalfrank, das ist die Super-Nanny, die braucht keine Software, um Kindern den richtigen Umgang mit dem Computer beizubringen). Eine 30-Tage-Testversion des Programms kann unter http://www.salfeld.de/download/index.html heruntergeladen werden, die Vollversion kostet einmalig 30 Euro. Doch wie zuverlässig ist „Kindersicherung 2010“? Und: Braucht man einen Experten, um es einzurichten?

Die Installation zumindest geht ohne größere technische Hindernisse über die Bühne. Im Anschluss aber wartet die eigentliche Arbeit auf die Eltern: die Konfiguration. Denn die sollte nicht einfach nach den Vorgaben übernommen, sondern angepasst werden. Die wichtigsten Einstellungen im Überblick:

  • PC- und Internet-Zeitlimits einrichten: Kindern kann ein minutengenaues Zeitbudget als „Taschengeld“ vorgegeben werden. Nach Ablauf dieser vorgegebenen Fristen wird je nach Wunsch entweder der Internetzugang komplett gesperrt oder der Computer nach einer Warnmeldung automatisch heruntergefahren.
  • Unerwünschte Programme: Das Verwenden und Ausführen bekannter unerwünschter Programme (wie beispielsweise Tauschbörsen/Filesharingprogramme) kann strikt unterbunden werden.
  • System und Sicherheit: Zugriff auf Windowsfunktionen wie Systemsteuerung, MS-DOS, Taskmanager und mehr können unterbunden werden.
  • Kontrolle des Internetverkehrs:
    • Kontrolle durch Internetfilter: Seiten werden anhand vorgegebener Kategoriefilter gesperrt, wie etwa: Chat & Dating, Sex und Pornografie, Spyware und Hacking, Drogen, Alkohol und mehr.
    • Kontrolle durch gezielte Vorgaben: Webseiten und URLs können direkt gesperrt werden. Alternativ können Eltern persönliche Stichwörter eingeben, die zum Sperren von Webseiten führen.
    • Es ist ebenfalls möglich, den Internetverkehr mit Ausnahmen zu sperren. Dafür können Eltern explizit erlaubte Seiten selbst eintragen.

Manko dabei: Die komplette Konfiguration (inklusive einiger Einstellungsmöglichkeiten, die hier noch nicht aufgeführt sind) und der anschließende Test des Systems dürften bei einem durchschnittlich geübten Computernutzer mindestens vier bis fünf Stunden in Anspruch nehmen. Keine Kleinigkeit.

Die Optionen jedoch, die das Programm bietet, um die Internetnutzung von Kindern zu kontrollieren, funktionieren so, wie es der Hersteller verspricht. Ob sie aber ein wirklich wirksamer Schutz sind, steht auf einem anderen Blatt, schließlich sollten technische Maßnahmen immer nur als Ergänzung zur elterlichen Erziehung dienen, zumal eine 100-prozentige Filterung des Internets und der aufrufbaren Seiten ohnehin unmöglich ist. Das kann auch „Kindersicherung 2010“ nicht leisten.

Die Einstellungen, um die lokalen Zugriffsrechte für Kinder einzuschränken, funktionieren ebenfalls verlässlich. Vorteil: Sie können leicht über die Benutzeroberfläche vorgenommen werden und erfordern kein allzu tiefes Fachwissen über Windows.

Fazit: Als Informatiker kann ich diese Software fast uneingeschränkt empfehlen. Durch die vielfältigen Möglichkeiten, die Nutzung des Computers und des Internets zu kontrollieren und einzuschränken, erreicht man ein durchaus zufriedenstellendes Ergebnis. Jedoch sollte, wie schon erwähnt, diese Software nicht die persönliche Betreuung der Eltern ersetzen, sondern nur ergänzen. Ein 100-prozentiger Schutz ist und bleibt eine Utopie.

Von | 2011-01-28T11:06:01+00:00 28. Januar 2011|Kategorien: Internet|Tags: , , , , |

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3 Kommentare

  1. sabinehaas 28. Januar 2011 um 11:30 Uhr

    Leider geht die Geschichte weiter.. Denn nach dem Profi bekommt der Rechner ja wieder zwei Laien, nämlich mich und meine Tochter, zum User. Und da fingen die Schwierigkeiten an. Obwohl kein Zeitbudget definiert war – dachten wir – flog Töchterchen immer wieder aus dem Internet raus. Anschließend war der Explorer für den Rest des Tages laut PC „nicht mehr vorhanden“, obwohl wir das kleine „e“ noch deutlich sehen konnten. Wir haben dann nach mehrfachen Versuchen, das Zeitlimit anders oder gar nicht zu definieren, aufgegeben und die Software jetzt wieder deinstalliert. Frei nach dem Motto: Dann machen wir´s halt wie beim Fernsehen und stellen die Eieruhr!- Was wir falsch gemacht haben, haben wir nicht rausgekriegt. Naja, vielleicht kann ja der Kollege gelegentlich nochmal…

  2. Florian Blaschke 8. Februar 2011 um 12:33 Uhr

    Wie die taz schreibt, haben viele Betriebssysteme auch schon Möglichkeiten für den Kinder- und Jugendschutz eingebaut: http://taz.de/1/netz/netzgeraete/artikel/1/kinderschutz-mit-ein-paar-klicks Und auch dort heißt es: „Eltern entlastet das nicht.“

  3. Christine 9. Februar 2011 um 10:27 Uhr

    Probiers doch mal mit der neuen Kindersicherung von Dolphin Secure. Gerade für Eltern sind die Einstellungen einfach vorzuehmen. Bild.de berichtete gestern: http://www.bild.de/BILD/digital/internet/2011/02/08/safer-internet-day/fingerscanner-kindersicheres-internet.html

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