Social Networks: Was Nokia vorhat

Wenn ich jetzt ein paar Leute auf der Straße fragen würde, was ihnen zu Nokia am ehesten einfallen würde:

a) Arbeitsplatzabbau im Ruhrgebiet,
b) eine Stadt in Finnland oder
c) die Zukunft des Internets,

würden mir wahrscheinlich die Wenigsten mit c) antworten. Doch dafür gibt es einige Gründe:

Im Juni hat Nokia den Social-Networking-Dienst Plazes aus der Schweiz mit Hauptsitz in Berlin gekauft. Bei Plazes kann man seinen aktuellen Standort und was man dort gerade tut über den PC oder das Mobiltelefon ins Internet eingeben. Auf einer Karte sieht man dann Dienstleistungen, die dort angeboten werden, und – viel wichtiger – die Menschen aus dem eigenen Netzwerk, sofern sie sich ebenfalls bei Plazes eingetragen haben. Der Idee der Social Networks im Internet werden also die Parameter Ort und Zeit hinzugefügt. Nokia wird somit immer mehr zum Diensteanbieter und tritt damit in Konkurrenz zu den Providern. Die Dienste von Nokia sollen in dem Portal Ovi zusammengeführt werden.

Ebenfalls im Juni hat Nokia Navteq, neben Teleatlas einer von zwei Anbietern digitaler Landkarten, gekauft und damit einen Gegenpol zur Allianz des Navigationsgeräteherstellers Tom Tom mit Teleatlas gebildet. Im Januar 2006 hat Nokia den Berliner Anbieter von Navigationssoftware Gate 5 gekauft, der jetzt mit Plazes zusammengelegt werden soll.

Nimmt man jetzt noch die Information hinzu, dass seit Kurzem jedes Nokia-Mobiltelefon mit der Navigationstechnologie GPS ausgeliefert wird, komplettiert sich das Bild, das die Zukunft des mobilen Internets zeigt.

Die FAZ zitiert in ihrer Ausgabe vom 24.6.2008 den für neue Märkte zuständigen Nokia-Manager Anssi Vanjoki: “Digitale Landkarten werden das User-Interface der nächsten Internetgeneration.” Er meint damit, dass der Gang ins Internet über das Mobiltelefon mit dem eigenen Standpunkt beginnt. Die Landkarte informiert dann über Menschen aus dem eigenen Netzwerk und die Dienstleistungsangebote in der Umgebung. Das Internet wird somit immer stärker zum sozialen Netzwerk, während heute die sozialen Netzwerke noch als Teil des Internets angesehen werden.

Vanjoki sieht darüber hinaus nicht nur im Mobiltelefon, sondern auch an den Bildschirmen zu Hause die digitale Landkarte als Startpunkt ins Internet. Vor diesem Hintergrund ergeben auf einmal auch virtuelle Welten wie Second Life Sinn: Reichere ich die Landkarten mit virtuellen Entsprechungen der realen Welt an, kann ich auf der Landkarte nicht nur sehen, wo ein Gebäude steht, sondern auch, wie es aussieht, und kann ich sogar “hineingehen”. So bekomme ich eine sinnvolle Anwendung für virtuelle Welten. Ich kann mich zum Beispiel umschauen, welche Restaurants in meiner Umgebung sind, kann die Speisekarte lesen, kann mich innen umschauen und sogar sehen, wer aus meinem Netzwerk vielleicht gerade in dem Restaurant sitzt.

Nur das mit den Avataren muss vielleicht nicht sein, und hier liegt auch das Problem von Second Life, eine Welt erschaffen zu haben, die mit der realen sehr wenig zu tun hat und somit zur unsinnigen Spielerei wird.

Natürlich gibt es auch viele Gründe dagegen: Sieht das Restaurant wirklich so aus? Will man ständig geortet werden? Brauche ich in einem sozialen Netzwerk auch noch Ort und Zeit? Skeptiker wenden immer wieder ein, dass soziale Netzwerke im Internet zur Vereinsamung der Menschen beitragen werden. Nimmt man die Aspekte Ort, Zeit und Mobilität dazu, könnten sie auch genau das Gegenteil bewirken. Ich denke, dass diese Netzwerke eine Selbstverständlichkeit werden und uns das Leben an vielen Stellen erleichtern werden.

By | 2008-07-22T12:37:40+00:00 22. Juli 2008|Categories: Internet, Mobile|Tags: , , , , , , , |

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