Die aktuellen Zahlen lassen glauben, dass Social Media inzwischen in den Unternehmen gesetzt ist: 43 Prozent der börsennotierten deutschen Unternehmen nutzen Facebook, Twitter und andere soziale Medien zur Kommunikation. Bei den DAX-Unternehmen sind es sogar 59 Prozent, berichtet die Internet World Business.

„Social Media ist in der Geschäftswelt angekommen.“ Ich glaube, das stimmt so nicht. Natürlich: Eine Facebook-Seite haben bereits viele Unternehmen, und selbst die Bahn twittert fröhlich und erfolgreich. Aber mit wem wird diese Leistung erbracht? Meist mit einigen eigens für dieses Thema ausgebildeten oder eingestellten (jungen) Mitarbeitern, die eine Affinität für die sozialen Netze „im Blut“ haben. Aber ist damit das Unternehmen im Social Web angekommen? Und was bedeutet es überhaupt, im Social Web angekommen zu sein?

Meiner Meinung nach geht es bei Facebook und Co. um vielmehr, als das bloße Einfügen von „Gefällt-mir-Buttons“ auf der Homepage. Es geht um Social Relationship. Damit ist ein Wandel der gesamten Unternehmenskultur verbunden. Wenn ich in letzter Zeit mit Mitarbeitern spreche, dann ist spürbar, dass die große Mehrheit sich in keiner Weise Willens und in der Lage fühlt, im Social Web als „Markenbotschafter“ des Arbeitgebers aufzutreten. Man findet es gut, was „die im Marketing“ auf Facebook so machen, sieht sich selbst davon aber im Arbeitsalltag überhaupt nicht betroffen.

Besonders auffällig ist dieses Phänomen bei jenen Abteilungen, die mit ihrem Aufgabengebiet nicht direkt mit dem Marketing oder dem Service in Berührung kommen. Sie entwickeln ja „nur“ Produkte oder arbeiten in der Verwaltung. Oder – auch sehr häufig erlebt – sie sind ja „nur“ die Führungskräfte. Was haben sie also mit dem Social Web zu tun? Das ist ein grundlegender Denkfehler. Ein Unternehmen ist nur dann wirklich „social“, wenn eine transparente und authentische Kommunikationskultur auf allen Ebenen nach innen und außen herrscht. Alles andere ist Scheindialog, auch wenn er locker und nett geführt wird.

Und schließlich sollte man eines nicht vergessen: Bis Unternehmen sich Transparenz leisten können, ist es für viele noch ein sehr weiter Weg. Denn die Voraussetzung dafür sind faire und nachhaltige Handels- und Produktionsprozesse im Hintergrund und eine ethisch glaubwürdige Unternehmenspolitik. Aber wer hat das schon heutzutage… ?

Bildquelle: CC-BY I like | flickr.com