Social Media Berater, wir müssen reden (eine Replik)

In seinem Beitrag „Filterblase, wir müssen reden“ macht sich Christian Dingler Gedanken zur Bedeutung von Blogger Relations. Und er kommt zu dem Schluss: Diese ist gering. Seine Begründung (wenn ich ihn richtig verstehe):

1. Blogleser bilden eine Nische.
2. Blogs bilden eine Nische.
3. Viele Fachzeitschriften erreichen mehr Leser.

Das hat Christian Dingler richtig erkannt. Und ich finde es auch gut, dass er diese Dinge reflektiert und sich kritisch mit der Wirkung von Kommunikationsmaßnahmen auseinandersetzt. Aber ehrlich: Kann man als Social Media Berater denn je das Gegenteil der oben genannten annehmen?

Natürlich bilden Blogleser eine Nische, natürlich haben Blogs wenig Reichweite und natürlich erreicht man mit großen Zeitschriften mehr Leser! Aber das sind doch nicht die relevanten Fragen im Kontext von Blogger Relations. Dabei geht es doch um etwas grundlegend anderes (zumindest unserer Einschätzung nach).

Zum einen: Das Thema Blogger Relations gehört in die Unternehmenskommunikation und nicht in die Werbung. Das bedeutet für mich, dass es in der Regel nicht um die Ansprache der breiten Masse, sondern um den Dialog mit relevanten Multiplikatoren geht. Multiplikatoren sind Menschen entweder mit Einfluss oder mit Fachkompetenz, idealerweise mit beidem. Und diese Menschen schreiben teilweise in Fachzeitschriften, schreiben aber – wenn sie über digitales Engagement verfügen – möglicherweise auch auf Blogs. Möchte man also den Dialog nicht nur mit den Journalisten der Fachzeitschriften, die in der Regel für jeden Bericht eine Anzeige verkauft haben möchten, dann gehört die Beziehung zu Bloggern in die Kommunikationsstrategie hinein. Und zwar nicht nur wegen der Reichweite, sondern in erster Linie als Teil des Dialogs.

Zum anderen: Die immer stärker werdende Fragmentierung der Publika, die schwindenden Möglichkeiten zur Massenansprache sind ja gerade die Wandlungsprozesse, die von Social Media Beratern begleitet werden (sollten). Also ist es doch unsere Aufgabe, Lösungen und Relevanzen aufzuzeigen, OBWOHL es die großen Reichweiten im Social Web in der Regel nicht gibt, OBWOHL die Massen nur schwerlich über Einzelansprache zu bewegen sind und OBWOHL ich auf den meisten Plattformen nur passive Minoritäten antreffe. Reichweitenoptimierte Kommunikationsmaßnahmen können die Unternehmen schon lange (oder haben dafür andere Partner als die Social Media Berater). Aber sie wissen auch, dass die Wirkung dieser Instrumente nachlässt. Von uns wollen sie etwas anderes: Wir sollen verraten, wie man im Gespräch mit kleinen Gruppen, im Eingehen auf den Einzelnen Wirkung in der Masse erzielt. Nicht einfach, wohl wahr. Aber wer hat gesagt, dass Social Media Berater ein einfacher Beruf ist?

By | 2014-09-04T12:40:56+00:00 4. September 2014|Categories: Agentur, Beratung, Social Media|Tags: , , , |

Über den Autor:

Sabine Haas
Sie gründete 1994 das result Markt- und Medienforschungsinstitut, 2007 folgte eine Webagentur, im Jahr 2011 der Geschäftsbereich Beratung. Als Kennerin der alten wie auch Neuen Medien gehört sie zu den gern gesehenen Speakerinnen bei Fachveranstaltungen & Kongressen rund um das Thema "Digitaler Wandel/Medienwandel".

3 Kommentare

  1. […] Nach meinen Erfahrungen fehlt es oft an genau diesen beiden Punkten. Kommt dann noch eine vertriebliche Zielsetzung hinzu, wird ein Erwartungsszenario aufgebaut, dass bei der Endabrechnung wie ein Kartenhaus zusammenfällt, dem man das stabilisierende Ass aus der Mitte zieht. Ich bin da ganz bei Sabine Haas, die in ihrer Replik schreibt: […]

  2. Torsten Maue 5. September 2014 um 12:58 Uhr

    Ich würde mir erstmal eine andere Frage stellen: wer ist denn der “klassische” Blogleser? Reden wir da wirklich nur von denen die einen Blog via RSS o.ä.. abonniert haben und regelmäßig lesen? Oder sollten wir nicht auch die im blick haben, die den Begriff “Blog” gar nicht kennen, die über ein Google-Ergebnisse auf den Blogbeitrag kamen und ihn lasen? Oder die über andere Plattformen kamen ohne zu wissen, daß sie auf einem Blog gelandet sind? Das sind dann nämlich mehr als die angenommenen 50.000, die einen “digitalen Lebenstil” pflegen. Das ist die große Mehrheit.

    Und sicherlich erreichen einzelne Blogs immer weniger Leser als eine Fachzeitschrift. aber wer sagt denn, daß die wenigen Blogleser eines Blogs eine Fachzeitschrift abonniert haben? Wenn sie die nämlich nicht lesen, erfahren sie ggf. gar nicht oder sehr viel später oder in einem ganz anderen Kontext von irgendetwas.

    In einem russischen Kinderbuch aus den 50er Jahren (“Spätzchen und ihre Freunde”) steht geschrieben: “Viele wenig machen ein Viel.” Und viele kleine Blogs mit wenigen Lesern ergeben letztlich auch wieder viele Leser, Interessenten, Käufer, wasauchimmer….

  3. Lars Hahn 5. September 2014 um 14:26 Uhr

    Eben. Was Torsten sagt.
    Es gibt doch die große Schar an Auto-, Food- und Reisebloggern, die sehr wohl hohe Reichweiten in ihrer Community erzielen, von denen wir Kommunikations-, Bildungs- und sonstwieBlasen-Blogger nur träumen können.
    Die zu ignorieren, wäre nicht nur blöd, es wäre auch sträflich.
    Die Daimlers und Audis haben das ja auch erkannt. Und die TUIs und METROs auch. Gut so!

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