So war’s auf der Next 08

Am Donnerstag war die Next 08 im Museum Prototyp in der Hamburger Hafencity. Mein Kollege Marius, mit dem ich zusammen unsere Intranet-2.0-Software open door entwickle, und ich waren das erste Mal dort.

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In vier Panels haben eine Menge Vorträge und Diskussionen zu den Themen Enterprise, Marketing, Mobile und Media 2.0 stattgefunden. Zuerst war ich etwas von der Fülle erschlagen und hatte den Eindruck, viel Interessantes und Neues ist da nicht bei rumgekommen. Zu viele Redner haben das Forum für reine Unternehmenspräsentationen genutzt. Mit etwas Abstand war dann aber doch einiges Interessantes dabei:

Matthias Schrader hat in seiner Eröffnungsrede sehr unprätentiös die seit über 150 Jahren bestehende Funktionsweise des Werbemarkts als beendet erklärt. Grund ist natürlich die direkte Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden im Web 2.0. Damit hat er sehr schön das Thema vorangestellt, das über allen folgenden Vorträgen und Diskussionen schwebte.

Sehr interessant war die Diskussion zwischen Stefan Glänzer von LastFM und Ingo Vandre vom Metal-Label SPV. Vandre hat, wie mittlerweile viele in der Musikindustrie, verstanden, dass sich Musik “am Stück” schon bald nicht mehr verkaufen lässt, sondern das andere Erlösmodelle her müssen. Konzerte und Events werden da immer wichtiger, wie eben auch Anteile an den Werbeerlösen von P2P-Plattformen wie LastFM. Schnell wurde auch klar, dass die freie Verfügbarkeit von digitalen Daten und der problemlose Tausch durch große Bandbreiten auch alle anderen “Hersteller” von digitalen Daten in den Grundlagen ihrer Geschäftsmodelle treffen wird.

Ryan Singer von 37signals hat sehr eindrucklich und smart erklärt, dass es doch die kleinen Dinge sind, die Software anwendbar und erfolgreich machen. Er redete vom Flow, also einer intuitiven, schnellen und unkomplizierten Anwendung von Software – etwa durch die größtmögliche Minimierung benötigter Klicks. Als Beispiel zeigte er die 37signals-Software Ta-da List, mit der sich in Windeseile umfassende To-do-Listen erstellen lassen. Und er zeigte, wie man durch Rahmen um kleine Textlinks die Treffsicherheit beim Klicken und damit die Usability um Einiges erhöht. Die kleinen Dinge, wie gesagt, aber ich habe mich gefragt, warum auf solche Dinge so wenige Software-Entwickler achten.

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(Luis Suarez Rodriguez von IBM auf der Next 08)

Sehr gefreut habe ich mich, dass auch mein Lieblingsthema – die weitgehende Abschaffung von E-Mail als Kommunikationsmedium in Unternehmen – Beachtung fand. Luis Suarez Rodriguez von IBM hat gezeigt, dass es geht: mit Weblogs, Wikis, Feedreadern und Instant Messaging hat er es auf maximal sieben eingehende E-Mails am Tag geschafft. Rodriguez hat dargestellt, dass E-Mail für fast alle Kommunikationsaufgaben in Unternehmen überhaupt nicht geeignet ist. E-Mails hat er einfach nicht mehr beantwortet und stattdessen auf die zur Verfügung stehenden Medien zur vernetzten Kommunikation verwiesen. Ich glaube, so mache ich das auch. Einer Nachfrage aus dem Publikum, dass E-Mail aber doch auch die Mitarbeiter stärker in die Verantwortung nehmen würde als Networking-Tools, beschied er, genau das Gegenteil sei der Fall: Gerade durch die öffentliche Kollaboration und Kommunikation steigt die Verantwortlichkeit der Mitarbeiter für die übernommenen Aufgaben.

Enttäuscht haben dagegen die Redner von Google, Facebook, MySpace und Yahoo – da kam wirklich nichts neues und Spannendes bei rum. Ich hatte mir erhofft, dass gerade von diesen Unternehmen die Zukunft ein wenig deutlicher skizziert wird.

Videos wurden uns auf Myspace versprochen. Zu finden sind dort allerdings bislang nur ein paar Bilder.

Von | 2015-07-16T14:11:17+00:00 19. Mai 2008|Kategorien: Internet, Kommunikation, result|Tags: , , , , , |

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