Eindrücke von der Smak12

Eigentlich wollte ich erst gar nicht hin, zur Social Media Anwenderkonferenz 2012. Aber dann war ich doch da, und es hat sich gelohnt: eine sympathische, kompakte und gut moderierte Konferenz mit fast durchweg sehr guten Vorträgen.

Und es war wirklich das, was der Name sagte: eine ANWENDERkonferenz. Die „Anwender“ von Jack Wolfskin, ING DiBa, ProSiebenSat.1, Douglas, Telekom, 3M und O2 berichteten über ihre Erfahrungen – in guten wie in schlechten Zeiten.

Zwar kannte man die meisten der berichteten Fallbeispiele schon aus der Presse, dennoch war es hochgradig spannend, die jeweilige Innenperspektive der Beteiligten (bei O2 sogar von Kunde und Unternehmen) vorgestellt zu bekommen. Man erhielt tiefe Einblicke in den „Wurstkrieg“ bei ING DiBa, die „Einzelfall-Affäre“ von O2 und ihre unternehmensinternen Konsequenzen sowie in die konzeptionellen Ideen rund um „The Voice“ auf SAT1/ProSieben.

(Bildquelle: (CC BY-ND 2.0) SocialMediaOnlineClasses| flickr.com)

Meine sechs Kernerkenntnisse waren:

  • Zu der immer wieder beschworenen Gefahr „Shitstorm“ konnte man mitnehmen: Das erste Gebot ist Gelassenheit. Und: Hohe Ausschläge im Social Web, wie beispielsweise bei „Wir sind Einzelfall“ sind derzeit mengenmäßig meist noch so gering, dass sie an den „klassischen Kanälen“ wie Homepage-Zugriffen, Telefon, E-Mail oder in repräsentativen Meinungsumfragen nicht messbar sind.
  • Die Strategien der Unternehmen sind so bunt und unterschiedlich wie das Internet. Und oft funktionieren Dinge bei Unternehmen A, die für Unternehmen B nicht ratsam wären.
  • Serviceunternehmen wie die Telekom haben durch ihre Masse an Kundenanfragen mit enormen technologischen Anforderungen auf den neuen Kanälen zu kämpfen. Das technisch oft als sehr „trivial“ eingestufte Thema Social Media wird auf einmal hoch komplex und stellt eine enorme Herausforderung für die bestehenden Mitarbeiter und Prozesse dar.
  • Im Fernsehen 3.0 sind Sender und Kunde noch lange nicht angekommen. Was bisher funktioniert ist Video, Video, Video. Und damit wird es für Fernsehanbieter „erschreckend einfach“, aber auch nicht sonderlich innovativ.
  • Auch im Social Web ist eine zielgruppenspezifische Ansprache gefordert und damit verbunden unterschiedliche Grade an Informationsgehalt und unterschiedliche Formen der Unterhaltung. Während es bei Douglas sehr schlicht zugeht und alle Spaß an sinnlosen Unterhaltungsposts haben, stellt sich bei Jack Wolfskin die Frage, wie man sich gezielt mit den Kunden und ihren Meinungsführern zu Outdoorthemen austauschen kann.
  • Es ist immer wieder nett, viele bekannte Gesichter zu sehen und gute Gespräche zu führen.

Mein Lob auch an die Organisatoren der Tagung: Die Hörsaal-Plätze waren furchtbar unbequem, aber ansonsten hat der Rahmen gestimmt. Die Moderation hat die Zeiten gut eingehalten, die Vorträge hatten genug Raum und waren weder zu kurz noch zu lang. Insgesamt sehr gelungen!

Hier ein paar weitere Meinungen zur #Smak12:

Social Media Anwenderkonferenz 2012: Monitoring, Wurstkrieg und rasierte Pferde

Social-Media-Anwenderkonferenz 2012

Social Media Anwenderkonferenz (#Smak12) – Ein prosaischer Rückblick gespickt mit Tweets und Wurst

Veranstaltungsbericht: Social Media Anwenderkonferenz in Köln

#smak12 – ich war dabei!

Über den Autor:

Sabine Haas
Sie gründete 1994 das result Markt- und Medienforschungsinstitut, 2007 folgte eine Webagentur, im Jahr 2011 der Geschäftsbereich Beratung. Als Kennerin der alten wie auch Neuen Medien gehört sie zu den gern gesehenen Speakerinnen bei Fachveranstaltungen & Kongressen rund um das Thema "Digitaler Wandel/Medienwandel".

2 Kommentare

  1. Alexa Brandt 11. September 2012 um 11:44 Uhr

    Neben dem oben bereits Geschilderten, habe ich eine weitere Erkenntnis mitgenommen: Für mich war erstaunlich, wie wenig das Thema “Macht/Möglichkeiten von Social Media” in den geschilderten Fällen meist ganz oben in der Unternehmensspitze angekommen war, wie sehr versucht wurde, an alt gedienten Glaubenssätzen aus PR, Marketing und UK festzuhalten, statt gleich den offenen Dialog zu suchen. Sätze wie “das versendet sich schon wieder”, wie bei dem Vortrag zu “The Voice”, bringen dieses Bild für mich am besten auf den Punkt. Bei den Referenten hatte man aber durchweg das Gefühl, dass sie selbst längst angekommen sind im Alter der offenen und glaubwürdigen Kommunikation … und unterhaltsam waren sie obendrein! Freue mich schon auf die nächste #smak.

  2. […] Nachdem das Thema ja schon an vielen Stellen diskutiert wurde, äußerten sich hier erstmals die beiden “Kontrahenten” (also auch ein Vertreter von O2) gemeinsam bzw. aufeinanderfolgend. (siehe auch Programm). Weitere Eindrücke zur Konferenz finden sich z.B. auch in den Blogposts von Tim Krischak und Sabine Haas. […]

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