Skepsis gegenüber der Netzkultur – Keine Frage des Alters (2)

Vergangene Woche hat unsere Geschäftsführerin Sabine Haas ihre Gedanken zum Thema in einem ersten Blogpost bereits dargelegt. Nun kommt einer ihrer Studenten zu Wort. Daniel Schindler (Jahrgang 1992) erzählt im Folgenden, warum er den sozialen Netzwerken inzwischen kritisch gegenübersteht, was ihn richtig nervt und warum er glaubt, das unser Nutzungsverhalten in Social Media als Spiegelbild unserer Gesellschaft herhalten kann.

Warum ich Facebook, Twitter und Co. doof finde

Als Kind aus den 90ern habe ich die rasante Entwicklung des Internets »von der Pike« auf miterlebt. Immer schneller werdendes Internet und die Entstehung sozialer Netzwerke waren für mich zu keiner Zeit etwas Innovatives. Auch die Möglichkeit, mich selbst in einem solchen sozialen Netzwerk anzumelden, gehörte in meiner Jugend zu den ganz normalen Dingen. Jeder von meinen damaligen Freunden und Klassenkameraden hatte damals auf irgendeiner sozialen Plattform einen Account. Viele von ihnen verbrachten oft Stunden vor dem Computer, um mit Kumpels zu chatten.
Die Risiken, welche ein solches soziales Netzwerk mit sich bringen kann, waren mir damals natürlich nicht bewusst. Und so habe ich, wie einige andere mit Sicherheit auch, negative Erfahrungen mit dieser Art zu kommunizieren gemacht. Denn wie bei fast jedem öffentlich zugänglichen Gut – egal, ob virtuell oder nicht – gibt es Personen, die kriminelle Absichten hegen. So wurde mir von mehreren Seiten aus eingeredet, ich solle ja aufpassen, wem und vor allem was ich im Internet über mich preisgebe. Die Sorge der Personen war natürlich berechtigt. Dazu haben die Medien ihren Teil erfolgreich beigetragen.

Im Laufe der Zeit und der persönlichen Entwicklung stellte sich langsam aber sicher ein Gefühl der Sättigung ein. In dieser immer rasanter werdenden Welt andauernd online und erreichbar zu sein und jede Erfahrung oder Ähnliches sofort mit Freunden zu teilen, macht das Leben unheimlich langweilig. Früher wurden in Gesprächen mit engsten Freunden voller Emotionen interessante Dinge über den letzten Urlaub oder das neue Auto erzählt. Wenn man sich heutzutage abends mit seinen Kumpels auf ein Bier trifft, ist das neueste YouTube-Video das Gesprächsthema Nummer eins. Über den Urlaub wird gar nicht mehr berichtet, denn die Kumpels waren ja dank Instagram quasi schon live dabei. Und dass sich während des Urlaubs der beste Kumpel nach sieben Jahren Beziehung von seiner Freundin getrennt hat, ist auch nicht nennenswert, denn Facebook hat es ja bereits nüchtern mitgeteilt – Schnee von vorgestern also.

Des Weiteren hat die Erwartung von Freunden und Bekannten, auf jede WhatsApp-Nachricht umgehend zu antworten, egal wie unnötig diese ist, vehementen Einfluss auf meine Abneigung gegenüber diesen Medien. Schon so mancher meiner Kontakte hat nach einer halben Stunde, in der es keine Antwort gab, das erste »?« geschickt. Eine weitere halbe Stunde später kam dann ein »Alles gut?«, gefolgt von »Hallo, kannst du mal schreiben?«. Ich denke mir dann immer: »Wenn es wichtig ist, wird er anrufen«, lege mein Handy beiseite und antworte dann, wenn es mir passt; schließlich will er etwas von mir.

Mich selbst nervt es unheimlich, wenn ich auf Facebook völlig sinnlose Einträge von Freunden lesen muss, die ich eigentlich gar nicht sehen will. Natürlich kann man diese Nachrichten verbergen, aber unter den 500 Mitteilungen im Jahr ist vielleicht doch die eine interessante dabei. Deshalb lässt man es dann doch bleiben. Aber wen interessiert es, wie oft diese Person im Fitness-Studio ist und wie viele Kilo er heute auf die Waage bringt? Warum denken die Nutzer, dass die Beiträge, welche sie auf ihrer Pinnwand teilen, irgendjemand ihrer 450 „Freunde“ liest und sich dafür interessiert? Wenn ich mich für ein bestimmtes Themengebiet interessiere, dann gebe ich den Begriff in Google ein und lese einen Fachartikel, den ich auch finde, wenn ich mich ein paar Minuten gedulde und suche. Für alles andere gibt es inzwischen seit längerer Zeit Apps für das Smartphone, welche einen darüber informieren, wenn etwas Nennenswertes auf der Welt passiert.

Die sozialen Medien haben dazu beigetragen, dass jeder noch ein tolleres und interessanteres Leben haben will als der andere. Bilder von Erlebnissen werden ins Internet geladen, um einer möglichst breite Masse an Menschen nur eines zu vermitteln: »ICH ERLEBE ETWAS, WAS DU NOCH NICHT ERLEBT HAST UND HOFFENTLICH NIE ERLEBEN WIRST«. Man tut es, um sich selbst besser zu fühlen, weil sich andere schlecht fühlen, dass sie sich beispielsweise den Urlaub auf den Malediven nicht leisten können.
In der Neidgesellschaft, in der wir heute leben, in welcher keiner mehr dem anderen etwas gönnt, sind die sozialen Netzwerke genau die richtige Plattform, um dieses Bedürfnis auszuleben und Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen. Den Personen, auf die das zutrifft, ist eines jedoch höchstwahrscheinlich nicht bewusst: Als einer von mehr als sieben Milliarden Menschen auf dieser Welt, ist diese Person einfach ein Nichts – auch nicht dank der täglichen Bereicherung einer auch nicht nennenswerten Personengruppe mit unnötigen Mitteilungen.

Die Personen, die tatsächlich etwas auf dieser Welt bewegt haben, hatten zum Großteil gar nicht die Möglichkeit, ihre Ideen so einfach zu publizieren. Womöglich stünde die Physik heute nicht dort, wo sie jetzt steht, hätte Albert Einstein nach einem Tweet zur Relativitätstheorie einen Shitstorm erlebt und alle seine Unterlagen aufgrund dessen wieder zerrissen.

Von | 2015-07-15T10:50:21+00:00 3. Februar 2015|Kategorien: Allgemein, Digitaler Wandel, Kommunikation, Medienkompetenz|Tags: , |

Über den Autor:

Alexa Brandt

Seit 1998 als Redakteurin für die result gmbh tätig, übernahm sie im August 2012 als zertifizierte Social Media Managerin die Leitung der Unternehmenskommunikation und kümmert sich neben der klassischen PR auch um die sozialen Kanäle und das Corporate Blog der Digitalagentur. Zudem verantwortet sie redaktionelle Projekte namhafter Kunden. Seit Juni 2013 ist sie stellvertretende Leitung der Digitalredaktion.

10 Kommentare

  1. Ella 3. Februar 2015 um 14:53 Uhr

    Das ist der dümmste und unreflektierteste Artikel, den ich je gelesen habe.

  2. Sebastian 3. Februar 2015 um 15:30 Uhr

    Das ist der dümmste und unreflektierteste Kommentar, den ich je gelesen habe. (Naja, fast. ;)

  3. Sebastian 3. Februar 2015 um 15:36 Uhr

    Bei solchen pessimistischen Artikeln muss ich oft an die Aussage von Louis CK denken: „Everything is amazing right now, but nobody is happy.“

    Aus diesem Video:
    http://www.criticalcommons.org/Members/fsustavros/clips/louis-ck-technology

  4. Öha 3. Februar 2015 um 15:47 Uhr

    Den Artikel von jemandem, der seine persönliche Meinung kritsch und reflektiert in Worte fasst, als dumm und unreflektiert zu bezeichnen….ist schon ziemlich dumm und unreflektiert (Meiner Meinung nach). Liest man den Artikel vor dem Hintergrund des vorangegangenen Blogbeitrags (Skepsis gegenüber der Netzkultur), merkt man, dass dieser die Antwort auf den Ersten (Skepsis gegenüber der Netzkultur) darstellt. Ob man aus dieser Antwort nun Maßnahmen ableiten kann, um der Zielgruppe (Studenten zwischen 20-30 Jahren) verändert zu begegnen…möglicherweise ja

  5. jules 3. Februar 2015 um 18:16 Uhr

    Das schöne an einer Diskussion, liebe Ella, ist doch, dass jeder seine Meinung äußern kann. Ganz subjektiv und unreflektiert. Vorallem dann, wenn man einen Sachverhalt aus der eigenen Perspektive darstellt.
    Die Frage, die sich mir stellt ist doch: Hat er einen Nerv getroffen?
    Hat er!
    Frei nach dem Motto: „Der betroffene Hund bellt.“
    P.S: Ich teile diese Ansichten uneingeschränkt und voll reflektiert! ;-)

  6. Mario 4. Februar 2015 um 8:46 Uhr

    Das ist sicher nicht der dümmste und unreflektierteste Text, den ich jemals gelesen habe, aber er steht zweifellos sehr hoch in den Charts.

  7. Frank 4. Februar 2015 um 9:52 Uhr

    Man kann das so sehen, wie im Artikel beschrieben. Jedoch finde ich, bereichert es das Leben, wenn ich mit meinen „Freunden“, die ich eben nicht jeden Tag sehe, noch so verbunden bleibe. Coole Tipps bekomme und über Twitter schneller dabei bin als über jeden Nachrichtensender. Was aber auch wichtig ist, irgendwann mache ich mal alles aus und komme zur Ruhe und finde mich selbst!
    FK

  8. V 4. Februar 2015 um 18:54 Uhr

    Es ist doch immer wieder schade, dass ein junger Mensch seine eigene Meinung nicht ohne Anfeindungen äußern darf und das doch bei so „aufgeschlossenen“ Erwachsenen. Vielleicht sind genau solche Menschen verantwortlich für die Haltung junger Menschen in Bezug auf die sozialen Netzwerke!

  9. Johannes 5. Februar 2015 um 17:14 Uhr

    Sind die beschriebenen Nachteile nicht eher eine folge falscher Sozialkontakte als ein Fehler der digitalen Netzwerke?
    Wenn die Freunde nur belangloses Zeug posten, sollte man sich vielleicht einfach nicht mit ihnen vernetzen, dafür gibt es viel zu viele interessante Kontakte, die auch was zu sagen haben.

  10. Victor 13. Februar 2015 um 14:40 Uhr

    Das ist mMn keines Wegs eine dumme und unreflektierte Meinungsäußerung, ganz im Gegenteil. Das beschreibt denke ich ganz genau die Entwicklung von vielen Kindern und Jugendlichen, die mit all den sozialen Angeboten des Internets aufwachsen und überfordert sind. Auf Snapchat sieht es nicht anders aus in diesem Altersbereich. Wir sehen aber nur das, was wir sehen wollen: Marketing. Kinder und Jugendliche wissen aber bekanntlich nicht was das ist.

    Außerdem muss ich dem Johannes da zu 95% Recht geben. Der Junge scheint einfach nicht darein zu passen, wo er grad ist und genau dafür bieten sich soziale Netzwerke wiederum an: Schließe dich den Leuten an, mit denen du die selben Interessen teilst. So erging es mir, nur andersrum (hier spielt wieder die Generation eine Rolle). Ich bin der, der gerne über das neue YouTube Video gesprochen hätte… :P Irgendwo wird auch deine Interessensblase zu finden sein und du müsstest dich wohl mit nem Update dieses Beitrags befassen.

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