Sag ja! — Doch wozu eigentlich?

Alles beginnt mit einem „ärgerlichen Missverständnis“, so heißt es in der Financial Times. Damit, dass Markt- und Sozialforschung jährlich etwa 16 Millionen Interviews führen (und davon etwa sieben Millionen per Telefon), die deutschen Haushalte jedoch gleichzeitig pro Jahr 280 Millionen und mehr Werbeanrufe erhalten. Und viele dieser Werbeanrufe, so schreibt die Zeitung weiter, schmückten sich unerlaubterweise zu Beginn des Telefonates damit, eine Umfrage durchführen zu wollen: „Eingangs des Telefonats werden häufig ein, zwei, drei belanglose Fragen gestellt, um dann ganz direkt zur Sache, nämlich zum Verkaufsgespräch zu kommen.“ Dadurch wird der Marktforschung das Leben schwer gemacht, ein Umstand, den die Branche nicht auf sich sitzen lassen will. Und so ist die Informationskampagne der Deutschen Markt- und Sozialforschung entstanden, mit der die Branchenverbände ADM und BVM gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Online-Forschung (DGOF) aufklären wollen. Und: Sie wollen dafür werben, bei seriösen Umfragen mitzumachen.

Der zweite wichtige Grund für die geringer werdende Bereitschaft, sich an Markt- und Sozialforschung zu beteiligen, ist die Unkenntnis über ihre Bedeutung. „Politiker und politische Entscheidungen brauchen die Kenntnis von den Wünschen, Urteilen und Standpunkten in der Bevölkerung“, heißt es in der FTD. „Politiker, Parteien, Regierungen können (nicht müssen!) sich an diesen Meinungsbildern in der Bevölkerung orientieren, sich daran reiben. Gleiches gilt für die gerade in Deutschland vielfältige Medienlandschaft. Und wer immer in der freien Wirtschaft Produkte oder Dienstleistungen anbietet, möchte und muss wissen, welche Bedürfnisse die zukünftigen Verwendergruppen haben, wo sich Kritik aufgebaut hat, was im Interesse der Bevölkerung, im Interesse der Verwender anders und besser gemacht werden kann. Natürlich auch im Sinne der Hersteller, die wachsen und Gewinne machen wollen.“

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Auch in dem Video, dass die Initiative zum Thema gedreht hat, ist den Befragten kaum bewusst, welche Rolle Umfragen spielen, für Parteien und Unternehmen, und somit schlussendlich auch für den Bürger. Und so werden die Verbände nun selbst aktiv. „Es ist das erste Mal, dass unsere Branche sich mit einer solchen Initiative zu Wort meldet“, so der BVM-Vorsitzende Wolfgang Dittrich bei der Vorstellung. „Kernstück ist das Gütesiegel ‚Sag ja zu Deutschlands Markt- und Sozialforschung’. Die Kernbegriffe ‚Anonym’, ‚Datengeschützt’ und ‚Kein Verkauf’ benennen die wichtigsten Erkennungszeichen seriöser Markt- und Sozialforschung.“ Mit diesem Siegel und darüber hinaus auch mit einem akustischen Erkennungszeichen soll es den Menschen leichter gemacht werden, zu erkennen, wann es sich um Marktforschung und nicht um Direktmarketing oder Werbung handelt.

Darüber hinaus wird es Anzeigen, Plakate und Radiospots geben, die Homepage der Initiative soll eine weitere Anlaufstation bieten, und für Mai nächsten Jahres wird ein bundesweiter „Tag der Marktforschung“ vorbereitet, um Instituten den direkten Kontakt und das Gespräch mit der Bevölkerung zu ermöglichen. Ein großes Paket, das da in Berlin geschnürt worden ist. Doch wird es der Branche auch helfen? Werden sich mit solchen Maßnahmen die Haltung der Bevölkerung ändern und das „ärgerliche Missverständnis“ aufklären lassen? Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Nein, nicht in einer Umfrage, einfach in den Kommentaren …

Von | 2010-11-04T09:25:05+00:00 4. November 2010|Kategorien: Allgemein|Tags: , , |

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