#rp16: Nummer 1 von 10 und Warum ich 2017 wieder hin möchte

Die nunmehr zehnte re:publica war tatsächlich meine erste. In den Jahren zuvor war ich dank Onlinestreaming zwar irgendwie dabei – zumindest was das Programm anging. Immer aber hat mich die Frage beschäftigt: Reicht das tatsächlich? Jetzt kenne ich die Antwort.

Dieser Rückblick auf die #rp16 ist somit ein sehr persönlicher. Vergleiche zu den Vorjahren habe ich keine. Zudem war ich nur anderthalb Tage vor Ort. Was ich aber sagen mag: Am Dienstagabend packte mich ein wenig Wehmut. Während ich mich nach meiner Anreise am Montagnachmittag noch etwas unsicher auf dem großen Areal bewegte, war jedes Gefühl von Verlorensein in der großen anonymen Masse bis zu meiner Abreise verflogen. Am Tag 2 fühlte ich mich als Teil des Ganzen – eingebunden in den großen Rahmen, zusammen mit vielen freundlichen Menschen, die mit einem auf mich angenehm wirkenden Gefühl eines stetigen Flows zwischen Sessions, Ausstellung, Netzwerken und Ruheoasen hin- und herströmten. Die besondere Atmosphäre, der Austausch mit alten Bekannten und bislang Unbekannten wie auch das Programm machen die Reise wert. Zuschauen aus der Ferne kann da nicht mithalten.

Dieser positive Gesamteindruck mag auch der Grund sein, warum ich nicht ganz so enttäuscht war, dass mir bei so mancher Session, der ich beiwohnen wollte, der Einlass mit dem Hinweis »over capacity« verwehrt blieb. Nischen-Vorträge, zu denen offensichtlich weniger Menschen erwartet wurden, fanden im offenen Raum der hinteren Gebäudehalle als sogenannte »Lighting Sessions« statt. Je nach Menschendurchlauf eine sehr unbefriedigende Location für die Vortragenden und das ihnen angestrengt lauschende Publikum. Schade, dass der Anbieter von mobilen und modularen Stellwänden in der Nähe der Stages 9 und 10 sein Produkt nicht dort exemplarisch ausgestellt hatte.

Vorträge und Podiumsdiskussionen

Für den Vortrag von Sascha Lobo am Abend des ersten Tages hatte ich mich somit frühzeitig zu Stage 1 begeben. Man darf mir vorwerfen, dass ich das »Gesamtwerk« von Lobo zu wenig kenne, aber der Vortrag hat mich nicht »geflashed«. So manche der darin geäußerten Thesen wirkten auf mich konstruiert, eine neue inspirierende Botschaft kam für mich nicht rüber. Nachvollziehbarer fand ich da den Vortrag »Cargo-Kulte« von Gunther Dueck, der, obgleich auch nur an der thematischen Oberfläche kratzend, Anregung für die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema bot. 

Neben vielen Beiträgen zu Snapchat und Virtual Reality stand ein weiteres Thema im Fokus der #rp16: hatespeech. Während Bloggerin Kübra Gümüşay sehr emotional und leidenschaftlich dazu aufrief, den verbalen Entgleisungen im Netz mit einer Flut von Liebe und liebevollen Bekundungen unseren Mitmenschen gegenüber zu begegnen, wurde an anderer Stelle über die Verantwortung der großen Medienhäuser im Hinblick auf Hasskommentare diskutiert.

Als Hauptgründe für die inzwischen extreme Enthemmung in Sachen Online-Hetze nannte »Politkritik-Entertainer« und Journalist Rayk Anders die folgenden, die ich nur allzu gut nachvollziehen kann:


Ebenfalls spannend: die Podiumsrunde im Rahmen der #mtb16 zum #jungenAngebot von ARD und ZDF. Nach den Einblicken, die Gründungsgeschäftsführer Florian Hager vor Ort gewährte, scheint sich im Öffentlich-Rechtlichen trotz aller Auflagen und systemimmanenten Barrieren etwas wirklich Neues anzubahnen. Die besondere Herausforderung dürfte aus meiner Sicht jedoch sein, die alles andere als homogene Gruppe der 14-29-Jährigen abzuholen. Bereits vorproduzierte und dem Publikum beispielhaft dargebotene Videos im »Youtube-Style« fanden zur Belustigung aller Anwesenden zumindest im Publikum ihren ausgesprochenen ersten Fan:

Vielleicht gelingt ARD und ZDF der große Coup in Sachen Medienangebot für junge Menschen? Innovativ klang das alles allemal. Konkreter beurteilen können wird man es erst nach der Umsetzung. Derzeit scheint allerdings noch so manches unklar – inklusive eines passenden Namens.

Zu guter Letzt

Die größte Botschaft, die man aus Berlin mitnehmen kann und sollte, hat meiner Ansicht nach Richard Gutjahr in einem Interview mit dem ARD Morgenmagazin zum Ausdruck gebracht: Es gelte, sensibel und wachsam zu bleiben. Stichworte: social bots und big data. Diese Form von besonderer Aufmerksamkeit sollten wir meiner Ansicht nach aber nicht nur gegenüber staatlichen Behörden und Internet-Giganten üben. Auch unser eigener Umgang mit und im Internet muss reflektierter werden.

Zum Schluss noch ein Lob an die Organisatoren für die nachhaltige Aufbereitung der Veranstaltung im Netz.

Innerlich plane ich für 2017 schon mal die drei Tage Berlin fest ein.

Von | 2016-05-17T13:52:29+00:00 17. Mai 2016|Kategorien: Allgemein, Social Media, Veranstaltung|

Über den Autor:

Alexa Brandt

Seit 1998 als Redakteurin für die result gmbh tätig, übernahm sie im August 2012 als zertifizierte Social Media Managerin die Leitung der Unternehmenskommunikation und kümmert sich neben der klassischen PR auch um die sozialen Kanäle und das Corporate Blog der Digitalagentur. Zudem verantwortet sie redaktionelle Projekte namhafter Kunden. Seit Juni 2013 ist sie stellvertretende Leitung der Digitalredaktion.

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