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#rp14 – Die nachdenkliche Seite der Netzgemeinde

In der vergangenen Woche trafen sich wieder zahlreiche Menschen aus dem Internet und um das Internet herum. Die re:publica wird immer größer. Bis zu 6.000 Personen nahmen dieses Mal daran teil. Dennoch ist die dreitägige Konferenz immer noch auch ein großes »Festival«, bei dem man alte Bekannte trifft und neue Menschen kennenlernt. Ein Fest des Wissensaustausches, eine dreitägige Tour durch unzählige Köpfe von Verantwortlichen verschiedener Branchen.

Kern der re:publica sind aber natürlich immer noch die unzähligen Sessions. Man muss den Veranstaltern nicht nur wegen der Gespräche im Innenhof danken, dass viele Vorträge und Diskussionen nachträglich per Video abrufbar sind. Die schiere Anzahl macht es unmöglich, zu verhindern, dass interessante Sessions zeitgleich stattfinden – was im Nachhinein eine Wohltat ist, weil man die Inhalte in aller Ruhe aufnehmen und verarbeiten kann.

Das ist auch nötig, denn die Sessions waren dieses Jahr von großer Nachdenklichkeit geprägt. Im Jahr 1 nach Snowden musste sich die sogenannte Netzgemeinde nicht nur die Frage stellen, wieso man trotz allem Vorwissen von der Aufdeckung der Spionage so überrascht wurde. Ins Grübeln brachte auch die Tatsache, wie schnell man in Politik und Gesellschaft wieder zur Tagesordnung überging, obwohl der ganze Überwachungsskandal noch nicht annähernd aufgeklärt ist. Es ist deshalb auch unabdingbar, das Thema nicht von der Agenda verschwinden zu lassen. Sascha Lobos „Rede zur Lage der Nation“ macht das sehr deutlich. Trotz seiner gewohnten Art, Wünsche und Anforderungen an das „Internet in Deutschland“ als Vorwürfe zu formulieren, war er dieses Jahr ungewöhnlich ernst. Wir müssen für ein freies Internet einstehen, wir müssen aktiv(er) werden und dürfen Lobbyarbeit nicht alleine den Vogelschützern überlassen. Er regte einen Marsch durch die Institutionen an, der finanziert werden muss.

In das gleiche Horn blies Felix Schwenzel. Er nahm in seinem sehenswerten Vortrag die Bürgerrechtsbewegung der afroamerikanischen Menschen in den 1960er-Jahren als Beispiel dafür, wie sich die Netzgemeinde formieren muss und insbesondere, wie Bilder entstehen müssen, um der Allgemeinheit deutlich zu machen, wohin der Weg führt und welche Gefahren in einer Zukunft lauern, in der Überwachung zum Normalzustand wird.

Dass man den Fall Snowden und seine Folgen auch humoristisch darstellen kann, bewies Marcus John Henry Brown. Der in Deutschland lebende Brite vermischte in seinem fiktiven Agentur-Pitch äußerst geschickt Fakten mit realistischen Annahmen und aberwitzigen Übertreibungen. An keiner Stelle jedoch kommt man aus dem Grübeln heraus: Ist der ganze NSA-Skandal vielleicht doch nur eine geschickte PR-Maßnahme?

Dieser kleine Ausschnitt zeigt: Auf der re:publica 2014 ging es nachdenklicher zu als noch vor einem Jahr. Nichtsdestoweniger – nein, gerade deswegen war sie wieder einmal eine Reise wert. Die Mischung aus Information, Anregung, Humor und Gesellschaft ist beispiellos in der deutschen Konferenzkultur. Ich freue mich schon jetzt auf die #rp15.

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