re:publica 2013: Ansätze für die Marktforschung

In einigen der zahlreichen Sessions der diesjährigen re:publica, die vergangene Woche in Berlin stattfand, wurden auch Themen angesprochen, die besonders für die Marktforschung an Bedeutung gewinnen. 

Mass Customization

Da war beispielsweise der Vortrag von der Bachmann-Preisträgerin Kathrin Passig. Ihre Session zum Thema »Mass Customization« zeigte, wie Marktforschung und Produktion heutzutage miteinander verschmelzen. Am Beispiel der von ihr ins Leben gerufenen Seite Zufallsshirt zeigte sie, wie Kunden Massenware individuell zusammenstellen und bedrucken lassen können. Mass Customization ist ein riesiger Markt, der noch viel größer werden wird und schon viele Bereiche erfasst hat. Selbst Möbelhersteller probieren sich daran, auch Automobile kann sich der Kunde immer individueller zusammenstellen. Wo die Produktion flexibel genug für Kundenwünsche wird, muss klassische Marktforschung die Segel streichen. Der Produzent braucht dann nicht mehr wissen, in welchen Farben er sein Produkt anbieten muss. Die Marktforschung ist in den Prozess schon mit eingebunden.

Crowdsourcing

Einen anderen größeren Themenblock bildete auf der #rp13 das »Crowdsourcing«. Da unser Institut Crowdsourcing als Methode einsetzt, war ich daran natürlich besonders interessiert.

Der Vortrag, der mich in diesem Zusammenhang am meisten begeisterte, kam von Thomas Gegenhuber und Robert Bauer. Sie zeigten zunächst einmal die ganze Bandbreite der Möglichkeiten auf, die Crowdsourcing bietet. Von Massen-Crowdsourcing, wo jedermann ohne Vorwissen teilnehmen kann und das auf eine große Anzahl Teilnehmer abzielt, bis hin zum Spezialisten-Crowdsourcing, bei dem ausgewiesene Experten eine Handvoll Ideen liefern, die fundiert und gebrauchstauglich sind. Als Beispiele nannten die Referenten zum einen den »Mechanical Turk« von Amazon, wo anonym Massenaufgaben verteilt werden, deren Erledigung durch Menschen günstiger und schneller ist als durch Maschinen oder Computer. Auf der anderen Seite stand als Beispiel ein Projekt mit der Weltraumbehörde NASA, bei dem zwar nur wenige Experten teilnahmen, aufgrund ihres technisch-fundierten Wissens jedoch brauchbare Ergebnisse lieferten.

Darüber hinaus befassten sich die beiden Redner mit dem sozialen Kontext von Crowdsourcing. Sie stellten die noch unbeantwortete Frage in den Raum, wie sich Verteilungsgerechtigkeit realisieren ließe – was vor allem die Frage allgemeine Incentivierung vs. Prämierung der besten Ideen betrifft –, eine Frage, die vor allem in Marktforscher-Kreisen intensiv diskutiert wird. Die andere Frage war die nach der Verfahrensgerechtigkeit: Wer entscheidet überhaupt, welche Ideen letztlich die besten und sinnvollsten sind? Wer stellt die Regeln auf? Wie muss man damit umgehen, wenn die Regeln sich als unwirksam herausstellen?

Ebenfalls angesprochen wurde das Akzeptanzproblem von Crowdsourcing in den Fachabteilungen des Auftraggebers. Man stelle sich vor: Da arbeitet über einen gewissen Zeitraum eine hierzu abgestellte Person oder sogar ein ganzes Team ergebnislos an der Lösung einer komplexen Aufgabe. Daraufhin soll der Lösungsprozess nach außen abgegeben und via Crowd gelöst werden. Das kann zu Unmut bei den betroffenen Personen des Auftragsunternehmens führen, könnte bei ihnen das Gefühl von Inkompetenz und Versagen hinterlassen. Deshalb ist es wichtig, die Mitarbeiter aus den betroffenen Abteilungen von Anfang an teilhaben zu lassen, ganz im Sinne von: Manchmal braucht es halt ein paar frische und unvoreingenommene Impulse von außen, um zu den ganz großen Lösungen zu finden.

Die re:publica war für mich einmal mehr eine große Quelle der Inspiration – nicht nur, aber auch aus Sicht des Marktforschers.

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