Vor einigen Wochen habe ich von den Möglichkeiten des Mediums Podcast geschwärmt. Vor allem die relative Unabhängigkeit von großen, zentralistischen Plattformen wie Facebook (inklusive Instagram) oder YouTube schenkt Podcasts eine beneidenswerte Freiheit in der inhaltlichen Ausgestaltung. Das erlaubt, dass Nischen mit Podcasts bedient werden können, die sich in anderen Umgebungen nicht durchsetzen können. Bei dem genannten Artikel hatte ich natürlich meine »Lieblingspodcasts« im Kopf, so zum Beispiel Angebote zu spezifischen Hobbys, für die sich das zwanglose Format hervorragend eignet. Auch für Analysen sich ständig verändernder Felder, wie die Politik oder die Weltwirtschaft, bieten sich Podcasts wegen ihrer flexiblen Form an. Woran ich sicher nicht gedacht habe, sind Ratgeber-Podcasts über Versicherungen.

Genau das ist der Versicherungsflüsterer-Podcast. Mein erster Eindruck war eher verhalten: Nicht nur der Name erscheint mir sperrig, der ganzen dazugehörigen Webseite fehlt in meinen Augen der Charme, den die Zwanglosigkeit von Podcasts eigentlich ausmacht. Der »Slogan« der Seite soll hier als Beispiel ausreichen: »Kennst Du das? Du verstehst bei Versicherungen nur Bahnhof?« Nach einigen weiteren solcher Fragen folgt das unumgängliche »Dann bist Du hier genau richtig«. Ich kann nur vermuten, dass hier ein ironischer Unterton die trockene Thematik auflockern soll, um sie der jungen Zielgruppe schmackhaft zu machen. Kaum habe ich die Irritation über die Webseite überwunden, höre ich beim Anspielen der ersten Episode den gleichen Slogan aus einem viel zu langen Intro. Zugegeben, das ist keine Krankheit dieses spezifischen Podcast. An die leider sehr weit verbreiteten einminütigen Vorstellungs-Ergüsse am Beginn einer jeden Episode werde ich mich sicher nie gewöhnen.

Danach wird es besser. Die beiden Sprecher, Patrick Hamacher und Bastian Kunkel, geben gut recherchierte und allgemein gültige Informationen rund um Versicherungen preis. Es geht zum Beispiel um Unwahrheiten rund ums Versichern oder um die Vor- und Nachteile gewisser Versicherungsformen. Einige Interviews polieren das Profil des Podcast auf. Durch das ausgewogene Programm hat der Podcast für Menschen, die das Thema interessiert, sicherlich einen gewissen Nutzen.

Als gänzlich unabhängiges auditives Magazin würde ich den Versicherungsflüsterer-Podcast dennoch nicht einschätzen. Seine Macher vertreiben über ihre eigenen Webseiten, Was-Ist-Versicherung und Versicherungen mit Kopf, Versicherungspolicen. Sie sind zwar unabhängige Makler und promoten so nicht nur Produkte einzelner Versicherungsgeber. Trotzdem merkt man in ihren Beiträgen den Drang, zu verkaufen. Sie sind gewissermaßen ihre eigenen Influencer.

Es stellt sich nur noch die Frage, inwiefern sich das lockere Format Podcast als Ratgeber-Medium eignet. Podcasts zeichnen sich vor allem durch eher ungeschnittene, rohe Aufnahmen aus. Das schafft Authentizität und eignet sich auch, um sich von den aalglatten Profilen der Instagram-Influencer abzugrenzen. Aber eignet sich ein Podcast, wenn ich effektiv nach verlässlichen Informationen suchen will? Persönlich wünsche ich mir eher unabhängige Webseiten, die transparent und übersichtlich Informationen zusammenstellen. Für mich ist das Fazit also: Wer sich insgesamt für Versicherungen interessiert, ist hier gut aufgehoben, wer nur eine Versicherung sucht, findet woanders (hoffentlich) bessere Übersichten.