Radio in der Krise – Internet schuld?

Zu unserem Alltagsgeschäft im Bereich der Medienforschung gehören auch immer wieder umfangreiche Gruppendiskussionen zum Thema Radio. Hörer verschiedener Radiosender werden zu ihren Einschaltmotiven, Wünschen und Erwartungen an das Medium Radio befragt.

Das Radio war schon immer überwiegend ein “Begleitmedium”, die Gespräche mit jungen Radiohörern in diesem Jahr zeichnen aber ein besonders trauriges Bild der Radionutzung: Stammhörer sogenannter “Junger Wellen” können oft kaum Inhalte wiedergeben. Sogar kultige Elemente, wie z.B. Comedy, werden fast nicht mehr wahrgenommen. An Moderatorenwechsel erinnert man sich allenfalls so: “Da war irgendwas, aber ich weiß nicht genau was.”

Zwar wird fast flächendeckend morgens “zuerst das Radio angeschaltet”. Was man da aber eigentlich hört, ist – außer “dass die Musik meinen Vorlieben entsprechen muss” – nahezu “egal”. Es macht sich eine “Wurstigkeit” insbesondere bei den jüngeren Befragten breit, die Redakteure ängstlich stimmen muss.

Viele Befragte bestätigen dem Radio – als Vorzug vor “eigener” Musik – lediglich die “Bequemlichkeit”: “Ich muss mich um nix kümmern, einfach anmachen und den Rest erledigen andere für mich.” Dabei möchten die meisten am liebsten “auf das viele Gequatsche” verzichten. Redaktionellen Inhalten steht man zunehmend gleichgültig gegenüber.

In diesem Zusammenhang bekommt das Internetradio in seiner Form als Musikabspielstation einen hohen Stellenwert: “Das finde ich toll, einfach Musik durchlaufen lassen, mit Überraschungseffekt, weil nicht von mir zusammengestellt, und keiner palavert mir dazwischen.”

Einziges Argument gegen Internetradio am Morgen (und damit zur Primetime des Mediums Radio): “Morgens fahre ich doch nicht extra den Rechner hoch.”

Aber wie lange das noch gilt, ist fraglich. Der PC webt sich immer weiter in die Mediennutzung ein, wie unsere Web-2.0-Studie belegt.

Redaktionen müssen sich nun fragen, wie man Hörer wieder fester binden – und – was noch wichtiger ist, wie man heranwachsenden Generationen den Weg zum “klassischen” Radio weisen kann. Eine spannende Herausforderung …

Von | 2007-07-11T11:30:33+00:00 11. Juli 2007|Kategorien: Internet, Radio|Tags: , , |

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4 Kommentare

  1. MaSchulz 17. Juli 2007 um 16:34 Uhr

    Eine spannende Herausforderung auch für die Forschung. Wie werden Sie in dieser Hinsicht auf die veränderten Muster reagieren? Bedarf es einer Neuausrichtung der Methodik?

  2. Regine 19. Juli 2007 um 10:01 Uhr

    Sorry für die verspätete Stellungnahme, zwei Tage nicht im Büro, fern von Internetzugängen…

    Sie haben völlig recht, die Herausforderung bezieht sich nicht nur auf die Redaktionen, auch die Forschung ist gefragt, auf die veränderte Rezeptionshaltung zu reagieren. Wir sind zur Zeit in der Entwicklungsphase zusätzlicher Erhebungsmethoden. Einen Komplett-Ersatz der Gruppendiskussionen wird es allerdings vermutlich nicht geben; dazu ist es zu wichtig „ganz nah“ am Hörer zu sein. Wir werden an dieser Stelle über die Erkenntnisse neuer Zusatztechniken berichten – das braucht allerdings etwas Geduld, weil ja alles immer gut überprüft sein will!

    Herzliche Grüße, Regine Hammeran

  3. M. M. 21. Juli 2007 um 11:48 Uhr

    Hallo Frau Hammeran,

    das Medium Radio ist für mich schon lange “gestorben”. Zu Hause höre ich überhaupt kein Radio.
    Auf dem Weg zu Arbeit höre ich Deutschlandfunk!
    – keine nervigen “jingles”
    – keine nervige Werbung
    – kein dummes Geschwätz von den Moderatoren
    – keine sich ständig wiederholende Musik

    Mittlerweile lege ich mehr Wert auf Information und Berichten aus dem In- und Ausland, Politik, Wirtschaft, Kultur etc.
    Man lernt beim Hören von DLF auch immer was dazu. Kaum ein anderer Radiosender kann das auch nur annähernd bieten.

    Meiner Meinung ist es nur eine Frage der Zeit wann das Internet auch in das Autoradio Einzug hält. Und somit das klassische Radio verdrängen wird.

    Gruß
    M.M.

  4. Regine 21. Juli 2007 um 21:46 Uhr

    Naja, solange Sie Deutschlandfunk hören, scheint das Medium Radio für Sie ja doch noch nicht ganz gestorben zu sein. Sie haben lediglich Ihre Präferenzen vom “Dudelfunk” zum “Einschaltradio” verlagert und mit dem erwähnten Sender eine – wie ich finde – sehr gute Wahl getroffen. DLF sendet übrigens auch im Internet, ist aber nicht das, was ich mit dem Internetradio als Abspielstation (z.B. Last FM) meine. Somit hoffe ich auch weiterhin, dass das klassische Radio nie ganz verdrängt wird, da ich redaktionelle Inhalte – wie offensichtlich auch Sie – hoch wertschätze. Man muss nur eben einen Weg finden, insbesondere jüngeren Web-Affinen Geschmack an eben diesen redaktionellen Inhalten zu vermitteln.

    Herzliche Grüße, Regine Hammeran

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