Richard Gutjahr erzählte am Montag beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland (übrigens ohne zu jammern), dass es manchmal frustrierend sei, wie wenig Abrufe die aufwändig recherchierten Beiträge auf seinem Blog haben.

Zum Beispiel diese Artikel aus der Recherche-Reihe »THE FARM«:

Sein Fazit: Aufmerksamkeit ist die einzige Währung, die für Medieninhalte künftig noch zähle und der Kampf um Aufmerksamkeit werde immer härter. So weit, so gut. Ich frage mich allerdings, ob in diesem Kampf alle die gleichen Waffen haben. Ich glaube, das ist nicht so.

Wenn ich mein eigenes Surfverhalten kritisch prüfe, dann leiten mich bei meinem Weg durch das Internet doch in erster Linie zwei Aspekte:

a) Markenprägung
b) Algorithmen von Google und Facebook

Dagegen kann ich nur wenig tun. Meist fällt es mir noch nicht mal auf. Und wenn es mir auffällt, steuere ich für einen Moment gegen, aber dann hat sie mich wieder: die Nutzungsgewohnheit.

Suche ich nach Nachrichten, öffne ich meine gewohnten Tageszeitungen. Suche ich nach irgendeinem Thema, dann tue ich das bei Google. Und so geht mir Gutjahrs´ Blog immer wieder durch, ebenso wie viele andere Blogs, die mich theoretisch interessieren würden (klar, ich könnte sie abonnieren, aber das ist mir ein »Newsstream« zu viel).

Ein Kiosk mit vielen Zeitungen, Zeitschriften und Büchern(Bild (cropped): Stew Dean – flickr – (CC BY 2.0))

Und von wegen: »The news will find me!« Ich finde, es muss heißen »The news will find me – sometimes.« Denn oftmals bekomme ich über Stunden oder Tage nichts von dem mit, was in meinem Stream auf Twitter läuft, während ich fast immer einen Blick auf die Tageszeitung oder eine Info aus dem Radio schaffe. Oftmals vergesse ich über Stunden und Tage, meinen Facebook-Filter auszustellen. Oftmals vergesse ich über Stunden und Tage, bei Google+ reinzuschauen. Und dann sind sie weg, die News, von denen ich gerne gehabt hätte, dass sie mich finden.

Mit anderen Worten: Um auffindbar zu sein, benötigt man entweder eine so bekannte Marke, dass sie sich fest ins »Relevant Set«, die Nutzungsgewohnheiten und am besten sogar den Tagesablauf des Publikums eingebrannt hat. Oder man muss von den Algorithmen der Giganten nach vorne gespült werden. Beides geht aber nicht, ohne eine Menge Geld in die Hand zu nehmen (bzw. in der Vergangenheit in die Hand genommen zu haben). Und Geld haben eher die großen Verlage (trotz ihres Gejammers) als ein kleiner Blogger. Dies macht den Kampf um Aufmerksamkeit recht unfair.

Normalerweise mag ich es gar nicht, einen Blogbeitrag zu verfassen, der etwas problematisiert, ohne Lösungswege aufzuzeigen. Aber in diesem Fall fällt es mir schwer, einen Weg aus diesem Dilemma auszumachen. Vielleicht sollte man über Möglichkeiten nachdenken, einen systematischen Markenaufbau jenseits teurer klassischer Werbemaßnahmen zu erreichen. Vielleicht wäre auch eine stärkere themenübergreifende Vernetzung und gegenseitige Promotion der qualitativ guten Blogs sinnvoll. Vielleicht müssen wir Userinnen und User uns auch ändern. Eins steht für mich fest: Qualität jenseits großer Medienunternehmen setzt sich im Netz derzeit bei Weitem noch nicht durch, und das muss sich schnell ändern, bevor diese Art von Qualität die Waffen streckt und wieder verschwindet …