Pinterest – Die „Mädchenplattform“

Neuerdings bin ich bei Pinterest angemeldet. Und ich muss sagen, dieses neue Angebot beeindruckt mich sehr, aber ich bin ja auch ein Mädchen : ).

Eigentlich ist die Idee schnell erklärt: Pinterest stellt eine virtuelle Pinnwand dar, auf die der Nutzer Fotos heften kann – von Produkten, von Rezepten, von Prominenten oder Filmszenen, von Architektur und Kunst, von Büchern, von schlichtweg allem, was dem User gefällt.

Jetzt werden Sie denken: „Was ist denn daran so besonders? Das kann ich doch auch auf Facebook!“ Ja, schon. Und trotzdem ist Pinterest anderes. Die Besonderheit liegt in der Reduzierung: Der Dienst reduziert den empfohlenen Inhalt auf ein einziges aussagekräftiges Bild. Dadurch entsteht ein „virtuelles Bilderbuch“ mit wunderbaren Fotografien und eine bunte Sammlung visueller Eindrücke und Erlebnisse. Die Reduzierung auf das Bild setzt der Multimedialität des Netzes bewusst Grenzen und schafft damit eine eigene Netzästhetik – natürlich usergeneriert und von Usern bewertet. Das ist neu und zugleich faszinierend – insbesondere für Mädchen : ).

Ich glaube, dass Pinterest in der Lage ist, viele Netzthemen neu zu beflügeln und einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung des Social Web zu setzen. Einige Thesen gehen mir dazu durch den Kopf, die ich gerne mit Ihnen hier diskutieren möchte:

    1. Der Trend geht von „unaufgeräumt“ zu „aufgeräumt“. Die Vielzahl der professionell eingestellten Netzinhalte gekoppelt mit den Nutzerkommentaren und Ergänzungen führt auf vielen Internetangeboten zu einer undurchsichtigen und unüberschaubaren Vielfalt, die den Nutzer überfordert. Dies ist ein Grund, warum das iPhone mit seinem „Ordnungsprinzip“ App so erfolgreich ist. Nutzer möchten „aufgeräumte Seiten“. Pinterest schafft durch seine Reduziertheit ein Gefühl der Übersichtlichkeit.

 

    1. Stückwerk soll wieder ganzheitlich zusammengeführt werden. Bewegt man sich in den sozialen Netzen, dann erhält man eine Masse von verschiedenen Informationen zu den unterschiedlichsten Inhalten. Diese Tatsache ist interessant und anregend, aber auch störend und verwirrend. Das Gesamtbild geht verloren, der „Sinn“ einer Facebook-Pinnwand erschließt sich vielen Nutzern nicht wirklich. Ich glaube, dass Pinterest versucht, der Gesamtanmutung seiner Plattform Einheitlichkeit und Sinn zu geben. Man ruft die Pinnwände auf und fühlt sich sofort durch die Gesamtwirkung der einzelnen Bilder angesprochen.

 

    1. Social Commerce funktioniert stark über die Ästhetik. Pinterest hat etwas erkannt, was viele Social-Commerce-Plattformen unterschätzen. Wenn ich im sozialen Raum einkaufe, will ich anderen Nutzer durch meine Einkäufe imponieren und sie beeindrucken. Produkte, mit denen ich mich nicht „schmücken“ kann, werde ich nie „social“ erwerben. Das heißt, je besser ein Produkt in Szene gesetzt wird, umso eher bin ich motiviert, mein Interesse für das Produkt öffentlich zu machen und zu teilen. Ästhetik wir damit im E-Commerce eine neue Dimension bekommen.

 

    1. Multimedia ist schön, Reduzierung ist manchmal noch schöner. Man sollte nicht immer alles machen, was man möglich ist. Dies gilt auch für das Internet. Nachdem es in den vergangenen Jahren Trend war, alle Inhalte möglichst multimedial aufzubereiten, zeigt Pinterest den Charme der Reduktion. Es kann durchaus die Wirkung steigern, wenn man sich bei gewissen Themen nur auf eine Ausdrucksform setzt. Weniger ist eben manchmal mehr. Twitter hat dies mit seinen 140 Zeichen bereits bewiesen.

 

    1. Die Rechtsfrage muss geklärt werden. Spiegel Online weist in einem Artikel zu Recht darauf hin, dass mit Pinterest endgültig das ad absurdum geführt wird, was doch schon bei Facebook nicht funktionierte: Deutsche Nutzer haben fast keine Chance, sich ohne ständige Urheberrechtsverstöße an solchen Plattformen zu beteiligen. Darauf muss die deutsche Rechtsprechung endlich reagieren. Amerika ist da anscheinend schon viel weiter.

 

Vielleicht ist es zu früh und auch zu verwegen, aufgrund einer neuen Social-Media-Plattform gleich mit fünf Thesen an den Start zu gehen. Daher freue ich mich auch über kritische und natürlich auch über zustimmende Anmerkungen.

Update:

Die Kollegen von t3n.de haben zu diesem Thema heute eine tolle Infografik von monetate.com in einem Beitrag verwendet:

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Von | 2012-02-09T16:40:27+00:00 9. Februar 2012|Kategorien: Social Media, Tipps & Tricks|Tags: , , , , , |

Über den Autor:

Sabine Haas

Sie gründete 1994 das result Markt- und Medienforschungsinstitut, 2007 folgte eine Webagentur, im Jahr 2011 der Geschäftsbereich Beratung. Als Kennerin der alten wie auch Neuen Medien gehört sie zu den gern gesehenen Speakerinnen bei Fachveranstaltungen & Kongressen rund um das Thema „Digitaler Wandel/Medienwandel“.

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