»Ohne Google+-Präsenz wird es schwer, sich auf der ersten Seite der Suchergebnisse zu platzieren«

Die Einführung von Google+ liegt nun schon einige Zeit zurück, und Google scheint noch einiges in petto zu haben. So startete das Unternehmen Anfang 2012 die personalisierte Suche in Deutschland, und erst kürzlich vermeldete Google, Google+ haben die Grenze von 100 Millionen aktiven Nutzern überschritten. Nun vor wenigen Tagen das Redesign des Netzwerks. Bei all den Neuerungen stellen sich Unternehmen eine Frage: Sollte ich mit meiner Firma auf Google+ vertreten sein? Bin ich ohne eine Präsenz in dem Netzwerk über die Google-Suche noch auffindbar? All diese Fragen haben wir auch Eve Windmüller gestellt. Sie ist freiberuflicher Internet-Coach, auf das Netzwerk Google+ spezialisiert und hat unsere Geschäftsführerin Sabine Haas auf einer Veranstaltung der IHK kennengelernt.

(Bildquelle: (CC BY 2.0) west.m| flickr.com)



1. Liebe Frau Windmüller, können Sie sich den Lesern unseres Blogs einmal kurz vorstellen?

Ich arbeitete 25 Jahre in der „Old Economy“ in den Bereichen Export, Fachhandel und großflächiger Einzelhandel in international agierenden Firmen. Neugierig auf Weiterentwicklung wechselte ich in den 90er Jahren in die IT-Industrie. Dort war ich zwei Jahre für die GMX AG und anschließend acht Jahre für Microsoft Deutschland tätig. Jetzt gebe ich mein gesammeltes Wissen an Menschen weiter, die mehr darüber erfahren möchten, wie professionelle Internetrecherche heute aussieht. Mit meiner Firma Internet Information Coaching vermittle ich digitale Strategien für Unternehmer und Mitarbeiter in Wirtschaft, Handwerk und Wissenschaft, vom Mittelstand bis zum Global Player.

2. Sie haben gemeinsam mit unserer Geschäftsführerin Sabine Haas auf einer Veranstaltung der IHK referiert und haben sich dem Thema Google+ gewidmet. Die Einführung der sozialen Suche durch Google liegt nun schon einige Zeit zurück. Stellt diese personalisierte Suche aus der Sicht der Nutzer tatsächlich eine Verbesserung dar?

Nun, hier mache ich sehr gerne einen kleinen Schwenk in den Bereich Empfehlungsmarketing, der im Internet in den unterschiedlichsten Ausprägungen zu finden ist. Wenn Sie ein Produkt online kaufen, das Sie noch nicht kennen, so werden Sie die Erfahrungsberichte der anderen Nutzer, die dieses Produkt bereits gekauft haben, bei Ihrer Kaufentscheidung berücksichtigen. Ähnlich verhält es sich im Bereich der Informationen. Das Informationsangebot ist nahezu unüberschaubar. Nehmen wir an, Sie haben in Ihren Kreisen bei Google+ einige Personen, die Ihnen durch ihre fachlich fundierten Beiträge bereits mehrfach positiv aufgefallen sind. Spricht eine dieser Personen nun in Ihrem Interessensgebiet eine Empfehlung für eine bestimmte Seite aus, sei es durch ein „+1“, einen Kommentar oder die Weiterleitung des Artikels mit der Url dieser Seite, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie diese Empfehlung aufgreifen. Sie werten diese Empfehlung sozusagen als Qualitätsgarant für den angebotenen Inhalt. Dies wiederum erleichtert Ihnen deutlich die Auswahl hochwertiger Informationen aus dem bestehenden immensen Informationsüberangebot. Nichtsdestotrotz sollte man nicht vergessen, dass die personalisierte Suche unter Datenschutzaspekten nach wie vor kontrovers diskutiert wird.

3. In der Vergangenheit haben sich viele Agenturen mit der Suchmaschinenoptimierung beschäftigt. Sind die Erkenntnisse darüber, wie man SEO für Unternehmen einsetzen kann, jetzt, nach der Einführung der sozialen Suche, überhaupt noch gültig bzw. relevant?

Die Grundlage von Search Engine Optimization ist das Verständnis des Google-Suchalgorithmus beziehungsweise der Einflussfaktoren. Mit der Einführung der sozialen Suche ist eine neue Stellschraube hinzugekommen. Diese macht jedoch die Kenntnisse um und die Berücksichtigung der anderen Möglichkeiten nicht obsolet. Die Suchalgorithmen werden sich kontinuierlich weiterentwickeln und somit werden auch weiterhin immer neue Stellschrauben hinzukommen, während andere verschwinden. SEO ist also nicht etwas, was man lernt und dann anwendet, sondern ein Feld konsistenter Veränderung.

4. Für viele Unternehmen stellt sich die Frage: „Muss ich meiner Firma nun eine Google+-Präsenz einrichten, oder nicht?“ Die Meinungen sind, was diese Fragestellung betrifft, sehr geteilt. Die einen halten Google+ für ein relevantes Netzwerk – gerade auch im Hinblick auf die Positionierung im Google Ranking – andere halten das Netzwerk für eine leere Hülle, in der sich wenig Interaktion abspielt. Welche Position vertreten Sie?

Grundsätzlich kann man sagen, dass sich Google+ von anderen sozialen Netzwerken deutlich unterscheidet: Bei Google+ handelt es sich um ein „Interessennetzwerk“, in dem eher themenbezogene und professionelle Diskussionen geführt werden. Das Thema Statusupdates wie z. B. „Ich bin gerade in den Bus gestiegen“ findet hier nicht statt.

Bei Google+ kann man nun wirklich nicht von einer leeren Hülle bei Google+ sprechen. Allerdings erschließt sich dem Nutzer dieses Netzwerk nur, wenn er/sie zunächst für sich selbst festlegt, für welche Inhalte beziehungsweise die Beiträge welcher Personen man sich interessiert und diesen folgt. Wenn Sie diese Auswahl nicht treffen, bleibt Ihr „Stream“ (hier werden alle eingehenden Beiträge angezeigt) leer. Hier bietet Google+ neuen Nutzern zahlreiche Hilfestellungen durch verschiedene Userlisten an. Der Umstand, dass Sie ohne Rückbestätigung öffentliche Beiträge dieser von ihnen ausgewählten Personen mitlesen können, ist meiner Meinung nach ein ganz klarer Vorteil gegenüber anderen Netzwerken. Darüber hinaus ermöglicht es die Google+-Suche, gezielt nach Interessensgebieten zu suchen, zu denen Ihnen dann sowohl Personen in Google+, neueste Beiträge im Netzwerk als auch die aktuellsten Informationen aus dem Web (Sparks) angezeigt werden. Dies ermöglicht es natürlich auch Firmen, gezielter nach den für sie relevanten Zielgruppen zu suchen.

Wie Sie wissen, ergibt sich Interaktion immer aus dem Kreis der jeweils Beteiligten. Hat man im ersten Schritt mehrheitlich Personen ausgewählt, die zwar kontinuierlich, aber nur zwei- oder dreimal pro Woche Beiträge veröffentlichen, kann man schnell den Eindruck gewinnen, es gebe wenig bis keine Interaktion. Hier lohnt es sich, einen genaueren Blick in den „Stream“ der betreffenden Person zu werfen. Hier sieht man genau, wie viele Beiträge durchschnittlich veröffentlicht werden, und kann sich dann ein eigenes Interessenportfolio passgenau zusammenstellen. Vor dem Hintergrund der zukünftig sehr engen Verknüpfung der Google+-Inhalte mit den Google-Suchergebnissen, rate ich Unternehmen auf jeden Fall zu einer Google+ Präsenz. Hat man sich zu diesem Schritt entschlossen, wird es ohnehin geraume Zeit in Anspruch nehmen, um eine aktive Community aufzubauen, daher sollte man früh genug beginnen.

5. Sind Unternehmen ohne Google+-Präsenz überhaupt noch in der Lage, sich im Google Ranking sichtbar zu platzieren? Was raten Sie Unternehmen, die auch in Zukunft über Suchabfragen bei Google auffindbar sein wollen?

Meiner Einschätzung nach wird es zukünftig ohne gleichzeitige Präsenz auf Google+ für Unternehmen schwierig sein, Platzierungen auf der begehrten ersten Seite im Google-Ranking zu belegen. Schon jetzt ist auf den amerikanischen Seiten von Google feststellbar, wie eng diese Verknüpfung der Inhalte sein wird – sogar zulasten der AdWords, denn oben rechts stehen auf den ersten drei Platzierungen – Sie ahnen es – Beiträge von Google+ zu dem eingegebenen Suchbegriff. Man sollte sukzessive beginnen, um so für das eigene Unternehmen den richtigen Rhythmus auch hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Ressourcen zu finden. Die in diesem Zusammenhang wichtigsten Kriterien sind Kontinuität und qualitativ wertvolle Inhalte. Dabei müssen die Beiträge durchaus nicht immer aus ihrer Feder stammen, teilen Sie interessante Informationen mit ihrer Community. Amerikanischen Studien zufolge liegt ein ideales Verhältnis hier bei circa 65 bis 70 Prozent eigene Inhalte sowie 30 bis 35 Prozent Inhalte Anderer, die einen hohen Informationswert besitzen.

Oder um es mit diesem einprägsamen englischen Satz zu sagen: „Sharing is Caring!“

Vielen Dank für das Interview!

By | 2012-04-13T07:30:31+00:00 13. April 2012|Categories: Social Media|Tags: , , , , , |

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2 Kommentare

  1. Silverio 13. April 2012 um 17:52 Uhr

    Es ist ja grundsätzlich nie verkehrt mit der Zeit zu gehen und sich breit aufzustellen und eben einfach hinzugehen wo zum einen die User also potentielle Kunden sind und zum anderen wo einen Google hinhaben will. So viel Macht muss man dem Konzern zugestehen.

  2. […] Interview: “Ohne Google+-Präsenz wird es schwer, sich auf der ersten Seite der Suchergebnisse… Im lesenswerten Interview mit neolog consulting hat Eve Windmüller ein paar sehr feine Antworten zum Einsatz von Google+ für Unternehmen gegeben. Ein Ausblick auf die Bedeutung der personalisierten Suche sowie das sich verändernde Feld SEO sind dabei ebenso Thema wie die Einordnung des Netzwerks als explorativ und themenorientiert. – via @SebastianBoms […]

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