Belohnungen fürs Reklamegucken: Neue Werbeform mit viel Potenzial

Früher war die Welt noch in Ordnung: Da haben die Hörer und Zuschauer der klassischen Massenmedien verstanden, dass interessante Fernseh- und Radioinhalte finanziert werden müssen – und zwar durch Werbung. Und da die meisten während den Reklamepausen gerade nichts Besseres zu tun hatten, wurde die Werbung eben mitgeschaut oder gehört. Und heute? 

Die Wenigstens besitzen die Toleranz und zeigen die Bereitschaft, das knappste Gut unserer hektischen Gegenwart zu verschwenden: die (Frei-)zeit. Warum sollte man Werbung schauen und damit seine Fernsehnutzung wie Kaugummi verlängern, wenn man das Ganze für kleines Geld auch über On-Demand-Dienste werbefrei nutzen kann? Warum Werbung im Radio hören, wenn man über seinen Audiospeicher die maßgeschneiderte eigene Musik hören kann? Warum Banner-Werbung ertragen, wenn es Ad-Blocker gibt? Die Bereitschaft, Werbung zu nutzen, sinkt. Und für Unternehmen stellt sich die Frage: Wie gelangen meine Werbebotschaften dennoch zum Kunden?

Eine sehr gute Lösung für diese zunehmende Herausforderung wurde in der Gaming-Branche entwickelt. Immer mehr App-Spiele bieten ihren Kunden an, über die gezielte Nutzung von Werbung an Belohnungen zu kommen. So kann man beispielsweise zusätzliches Spielvermögen oder -inventar erhalten, indem man einen Werbespot anschaut. Das ist schlicht genial: Der Kunde kann mit kleinem Zeitaufwand »Spielgeld« erwerben, für das er echtes Geld zu zahlen oftmals nicht bereit ist.

Das ist aber nur der Anfang: Auch Probeabos gegen »Spielgeld« oder Schnupperangebote zu vergünstigten Konditionen werden bereits angeboten. Damit bekommt das Marketing eine neue Dimension: Es ist plötzlich klar an einen Nutzen gekoppelt, wenn der Kunde Werbung konsumiert oder sich auf Schnupperangebote einlässt. Auch wenn der Nutzen nur aus Spielgeld besteht, sollte man die Wirkung nicht unterschätzen. Wie sagte ein Mitarbeiter von uns einmal: „Für einen Level mehr tue ich alles!“

Die Frage, die ich diesem Zusammenhang spannend finde: Was, wenn diese Belohnungserwartung Schule macht? Dann möchten die Nutzerinnen und Nutzer auch für die übrige Werbung etwas bekommen beziehungsweise Werbung nur noch dann sehen oder hören, wenn sie sie explizit »bestellt« haben. Man stelle sich vor: Werbung kommt nur dann in das Blickfeld, wenn sie abgefordert wurde, und mit ihrer Nutzung verdient sich der Kunde oder die Kundin virtuellen Lohn. Ein ganz neues Werbesystem wäre das. Aber schlecht finde ich es nicht…

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By | 2015-07-15T10:30:16+00:00 14. April 2015|Categories: Allgemein, Digitaler Wandel, Fernsehen, Forschung, Kunde & Produkt, Werbung|Tags: |

Über den Autor:

Sabine Haas
Sie gründete 1994 das result Markt- und Medienforschungsinstitut, 2007 folgte eine Webagentur, im Jahr 2011 der Geschäftsbereich Beratung. Als Kennerin der alten wie auch Neuen Medien gehört sie zu den gern gesehenen Speakerinnen bei Fachveranstaltungen & Kongressen rund um das Thema "Digitaler Wandel/Medienwandel".

Ein Kommentar

  1. […] aber, wenn wir der Werbung mehr und mehr ausweichen können? Wenn wir vermehrt im Fernsehen Sendungen werbefrei »on demand« konsumieren? Wenn wir Ad-Blocker […]

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