NetzpolitikCamp, die Erste!

Am 11. März 2015 fand erstmalig das Netzpolitikcamp statt. Unter der Schirmherrschaft der NRW-Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien Angelica Schwall-Düren und mit Unterstützung ihres Ministeriums versammelten sich rund 80 Besucher im Coworkingspace GarageBilk. In insgesamt 15 Sessions wurde viel über Politik im und für das Internet diskutiert, aber auch tangierende Themen erörtert. 

netzpolitikcamp_bearbeitet

Einen guten Start in den Tag konnte man bei Jens Best erhalten, der mit der provokanten These »Das Wort Netzpolitik ist angekommen, jetzt müssen wir es wieder loswerden« Grundlagen definierte, auf denen man im Laufe des weiteren Tages aufbauen konnte. So echauffierte Best sich: »Wie kann man sich noch mit Störerhaftung auseinandersetzen?«, das Internet werde – ohne dass wir es merkten – zu einem zentralisierten Facebookgoogleamazonnetz und schaffe damit eine Antwort auf eine Frage, die wir Nutzer uns noch gar nicht gestellt hätten. Er forderte die Politik auf, Regeln für die großen Internetunternehmen aufzustellen und als Vorreiter einer Gegenbewegung zu agieren. Wichtig sei, dass diese Aufgabe als ein gesellschaftliches Thema begriffen würde, das ein Bündnis von links bis rechts erfordere.

Dem entsprang eine fruchtbare Diskussion, die naturgegeben zu keinen Lösungen führte. Wie der komplette Tag übrigens, was aber auch nicht das Ziel der Veranstaltung war. Vielmehr sollten die Protagonisten der Netzpolitik aufeinandertreffen und erst einmal die Problemlage definieren. Folgerichtig ging es in den folgenden Sessions verstärkt um einzelne Aspekte der Netzpolitik, aber auch um Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel die Vermittlung von Medienkompetenz oder die Zukunft der Arbeit.

Tagesaktualität und Rahmenthemen

Ein besonders tagesaktueller und in der momentanen politischen Landschaft heiß diskutierter Punkt war tatsächlich die sogenannte Störerhaftung. Der Piraten-Abgeordnete des NRW-Landtags Daniel Schwerd informierte über den Referentenentwurf. Die Thematik sei nicht nur für Internetzugangsprovider interessant, sondern für alle Web-2.0-Dienstleister. Im Zentrum stünde dabei die Frage, ab wann ein Anbieter die Verantwortung für die Taten seiner Nutzer trage.

Besonders widersprüchlich im Störerhaftungsentwurf wirkt die Unterscheidung zwischen privatem und gewerblichem Anbieter. Während ein Cafébesitzer, der seinen Kunden kostenfreies WLAN anbietet, nur eine Pro-forma-Ausschlussklausel anklicken lassen soll, muss eine Privatperson genaue Daten von ihren Besuchern abfragen und im Zweifelsfall trotzdem die Haftung übernehmen. Das führte in der Session des Netzpolitikcamps zu kreativen Lösungsvorschlägen der Problematik: So hatte ein Zuhörer die Idee, WLAN-Codes in einen Kaugummiautomaten zu stecken und für zehn Cent zu verkaufen; das würde reichen, um das WLAN gewerblich zu betreiben. Dass diese amüsante Lösung nicht die Basis des Problems löst, war aber natürlich allen klar.

Round-up

Ein BarCamp ist immer das, was die Teilnehmer daraus machen, und es waren viele gute und inspirierende Besucher da. Der Tag war gelungen und eine Bereicherung. Man konnte sich kennen lernen und austauschen, Probleme identifizieren und sie ansatzweise angehen. Kein Zweifel bleibt darüber, dass dies erst der Anfang war. Das gilt nicht nur für eine eventuelle Wiederholung des Netzpolitikcamps, sondern auch für die Diskussion an sich. Es wäre wünschenswert, wenn sich diese nicht nur auf Nordrhein-Westfalen beschränkte und auf diese Weise mehr Raum für Lösungen entstehen könnte.

»Mehr Raum« ist übrigens auch der einzige Kritikpunkt an der Organisation des Netzpolitikcamps. Die GarageBilk ist ein toller Coworkingspace, erscheint mir als Veranstaltungsort für ein BarCamp jedoch weniger geeignet. Vielleicht wird aus dem Netzpolitikcamp ja ein Wanderzirkus, der in verschiedenen Städten gastiert? Das würde beide Herausforderungen auf einmal lösen.

Von | 2015-07-15T10:46:11+00:00 18. März 2015|Kategorien: Allgemein|Tags: , |

Über den Autor:

2 Kommentare

  1. Stefan Evertz 19. März 2015 um 13:11 Uhr

    Danke für den Bericht und das Feedback zum NetzpolitikCamp, das ich als Organisator und Moderator der Veranstaltung gerne mitnehme. Die Location hat nach den Rückmeldungen, die uns erreicht habe, zwar eigentlich sehr gut gepasst. Es war aber offensichtlich, dass die geplante und erreichte Teilnehmerzahl von gut 80 Personen die GarageBilk ziemlich exakt ausgefüllt hat – mehr Personen wären in keinem Fall über den Tag hinweg gegangen. Ansonsten möchte ich noch den Hinweis hinterlassen, dass seit wenigen Minuten auch die Dokumentation der 15 Sessions online ist: http://www.netzpolitikcamp.de/2015/03/dokumentation-der-sessions-ist-online/

  2. Johannes Mirus 19. März 2015 um 14:17 Uhr

    Hallo Stefan, danke für den Kommentar! Ich finde auch, dass die Location gut gepasst hat für ein BarCamp, aber halt leider nicht für ein BarCamp mit 80 Leuten. Aber es soll ja auch Menschen geben, die auf das Kuschelige stehen. ;)

    Danke auch für die Verlinkung! Gefällt mir sehr gut mit den Protokollen, das ist eine super Idee. Sollte es auf viel mehr BarCamps geben.

Hinterlassen Sie einen Kommentar