Nachlese #GOR13 / SymanO: Wirtschaft trifft Wissenschaft

Die 15. General Online Research Conference (GOR) fand in diesem Jahr vom 4. bis 6. März in Mannheim statt. Veranstaltungsort: die Duale Hochschule in Mannheim. Ein Novum der diesjährigen GOR: Neben den drei Themensträngen »Methodology and Surveys«, »Applied Research« und »Social Media« konnten sich die Teilnehmer in einem vierten Strang Vorträge auf der SymanO anhören.

Für uns waren in diesem Jahr die Kolleginnen Dagmar Wies und Julia Giesen vor Ort. Ihre Eindrücke und Erlebnisse lassen die beiden in folgendem Zwiegespräch – von Forscherin zu Forscherin – Revue passieren.

Julia: Dagmar, für Dich war es nicht der erste GOR-Besuch, auch wenn der letzte schon ein paar Jahre zurückliegt. Wie hast Du diese GOR wahrgenommen – auch im Vergleich zu früheren Besuchen?

Dagmar Wies und Julia Giesen

Bildrechte: result gmbh

Dagmar: Ich war das erste Mal 1999 auf der GOR, damals hieß sie noch »German Online Research«. Seinerzeit gab es deutlich weniger Programm, und die Veranstaltung war insgesamt noch etwas unübersichtlich. Ich persönlich habe und auch unser Institut hat damals Neuland betreten: Inhaltlich war Onlineforschung zu dieser Zeit noch ein sehr aufregendes, weil noch recht neues Thema. Im Anschluss an die GOR bin ich dann auch tatsächlich mit einer ersten Onlinebefragung gestartet: eine interne Mitarbeiterbefragung, mit der wir sowohl eine entsprechende Software als auch die gesamte neue Befragungssituation sehr gut im Testmodus durchlaufen konnten – quasi die Initialzündung der result gmbh in die Onlineforschung.
Zur diesjährigen GOR kann ich sagen, dass das Konzept, die angewandte und die universitäre Forschung (auch durch die Zusammenlegung von GOR und SymanO) in einem Kongress zu verbinden, weiterhin ein extrem fruchtbares ist. Und natürlich, dass die Onlineforschung als solche ganz selbstverständlich ins Methoden-Portfolio übernommen wurde.
Du, Julia, betreust in unserem Institut federführend die quantitative Forschung. Und obgleich man – wie wir gelernt haben – die Trennung »Quant/Qual« und »Online/Offline« aufbrechen sollte: Welche Erkenntnisse für »Deinen« Forschungsbereich nimmst Du von dieser GOR mit?

Julia: Sehr viele, und es wird sicher auch noch ein paar Tage dauern, bis ich die ganzen Erkenntnisse und Eindrücke für mich sortiert und verarbeitet habe. Die GOR13/SymanO hat mir einmal mehr gezeigt, dass es in der quantitativen Forschung ein unglaublich großes Spektrum an Möglichkeiten, aber auch Fragegestellungen und Herausforderungen gibt. Diese können manchmal einen ganz kleinen abgegrenzten Bereich betreffen, wie zum Beispiel die Frage »Wie groß sollte ein Textfeld für eine offene Frage in einer Web-Befragung sein?«. Interessant fand ich auch, dass das Thema »Nutzung von Avataren als Interviewer« in Online-Befragungen sowohl auf der GOR als auch auf der SymanO angesprochen wurde. Hier hat sich aber auch gezeigt, dass es in diesem Bereich noch weiterer Forschung bedarf, um sich nicht mehr Probleme einzuhandeln, als damit auf der anderen Seite gelöst werden. Und natürlich haben mich auch die Themen »Mobile Research« und »Fragebogenoptimierung« (auch im Sinne von Surveytainment besonders interessiert. »Mobile Research« ist ganz klar mehr als eine Online-Befragung auf einem anderen Endgerät auszufüllen. Das wurde in einer Vielzahl von Beiträgen noch einmal sehr deutlich. Ein großes Learning ist für mich in jedem Fall: In etlichen »neuen« Forschungsfeldern wie beispielsweise »Mobile Research« befinden wir uns alle in vielerlei Hinsicht noch in einer Experimentierphase, und es ist sehr spannend, den Weg zu optimaleren Lösungen mit zu verfolgen und mit zu gestalten. Und, wie Du schon angesprochen hast: Es lohnt sich, alte Trennungen aufzubrechen, um einen echten Mehrwert liefern zu können. Hybridprojekte werden immer bedeutungsvoller und sind erfolgreich, wie man an der Verleihung des Best Practice Award sehen konnte. Die Gewinner (GIM und Barnes & Nobles) haben eine sehr spannende und vielschichtige Studie zum Thema »E-Reading« durchgeführt, in der eine Vielzahl von Methoden sowohl online als auch offline eingesetzt wurde. Ein Plädoyer dafür, dass jede Methode ihre Vorzüge hat, aber entstehende Wissenslücken mit Erkenntnissen aus anderen Methoden geschlossen werden können.
Aber nicht nur für die quantitative Forschung gab es viele interessante Themen. Du bist ja bei result schon sehr lange im Bereich Qualitative Markt- und Medienforschung tätig. Was konntest Du wiederum für diesen Forschungsbereich an Erkenntnissen auf der GOR mitnehmen?

Außenansicht des GOR-Veranstaltungsortes

Bildrechte: result gmbh

Dagmar: Zunächst einmal war es für mich persönlich nach längerer Abstinenz mal wieder eine Bestätigung, wie wichtig neue Impulse und Gespräche in unserer Branche doch sind! Für die qualitative Onlineforschung habe ich mitgenommen, dass sie nicht den Fehler begehen darf, einfach nur (zu viele) Fragen zu stellen, sondern sich vielmehr die Kreativität der Probanden (wie beispielsweise bei Crowdsourcing oder auch ethnografischen Interviews) zunutze machen muss. Also wieder einmal nicht die Übertragung der Methode auf ein anderes Medium, sondern das Schaffen einer eigenständigen Methode – womit sie definitiv nicht die billige und schnelle Variante der qualitativen Offline-Forschung ist. Schön in diesem Zusammenhang fand ich auch den dringend geäußerten Wunsch nach Abschaffung von engen Begriffsdefinitionen »Qual/Quant« und »Offline/Online«. Außerdem wurde mir besonders durch die anregende Podiumsdiskussion einmal mehr klar, dass wir Institutsforscher alle vor denselben Hürden stehen: Unser Wunsch nach Innovation steht häufig der bewährten Benchmark-Suche der Marketingabteilungen gegenüber. Als schönes Beispiel diente mir der zwölfseitige Interviewleitfaden! Hier heißt für uns die Herausforderung, eine deutlichere Betonung unserer Beratungskompetenzen auch schon in der Planungsphase der Studie zu schaffen. Bis diese Kluft überwunden wird, ist es noch ein steiniger Weg.
Für mich waren zudem die thematische Vielfalt der GOR13/SymanO und auch die Auswahl der Vortragenden – die Verbindung von Praxis und Theorie – sehr gelungen. Wie ging es dir damit?

Julia: Genau so ging es mir auch. »Wirtschaft trifft Wissenschaft«, und das ist – meiner Meinung nach – für beide Bereiche nicht nur inspirierend, sondern auch dringend notwendig. Wir haben ja sowohl viele Vorträge aus der Wissenschaft als auch aus der Praxis gehört. Es hat sich gezeigt, dass einige Forschungsfragen in beiden Bereichen auftauchen und untersucht werden, aber mittels anderer Herangehensweisen, Ressourcen und Motivationen – was für mich sehr spannend war. Eine Veranstaltung wie diese, die beides vereint, kann nur als Gewinn gesehen werden.
Und welche Themen oder auch Vortragende fandest Du nachhaltig besonders beeindruckend oder inspirierend?

Dagmar: Leider habe ich die erste Keynote vom »BrainJuicer« John Kearon verpasst, von der alle ganz beseelt berichteten. Trotzdem gab es für mich gleich mehrere Highlights: Die beiden Vorträge aus dem Best-Practice-Bereich »The Closer Effect« und »Read between the lines …« haben mir durch den angewandten Methodenmix sehr gut gefallen und werden sicher auch auf unsere Praxis Einfluss nehmen. Sehr gut fand ich zudem die Podiumsdiskussion zur Frage »Qualitative Online Research – Deeper Insights – or just faster and cheaper?«. Eine lockere Runde, die sich inhaltlich auf beeindruckende Weise um die Herausforderungen der qualitativen Onlineforschung drehte und unter anderem deutlich machte, dass die Auswertung solcher Studien mit Ergebnismengen konfrontiert, deren systematische Bearbeitung das »faster« ad absurdum führt. Sehr beeindruckt hat mich auch die Keynote von Professor William H. Dutton zum Internet als Fünfte Gewalt im Staat: Das Internet hat für ihn die Kraft der Demokratisierung »von unten«, was er anschaulich an Beispielen belegt und deshalb eindringlich die Freiheit des Internet propagiert. Schön, dass die Forscherperspektive aufgebrochen wurde und aus der Vogelperspektive das »Internet als solches« einmal Betrachtung fand.
Wie hast Du denn die Veranstaltungsehe der GOR mit der SymanO empfunden? Für Dich eine glückliche Verbindung?

Julia: Absolut! Ich denke, es bringt auf der einen Seite für die Veranstalter allein aus organisatorischer Sicht jede Menge Vorteile. Aber auch die Teilnehmer können davon nur profitieren. Man hat drei statt vier Auswahlmöglichkeiten, wie man sich den jeweiligen Veranstaltungsslot gestalten kann. Die Veranstaltungskombi erweitert einerseits die Themenvielfalt und gleichzeitig werden ähnliche oder dieselben Themen in beiden Veranstaltungen aufgegriffen, sodass man das ein oder andere Thema vertiefen beziehungsweise verschiedene Perspektiven dazu beleuchten kann.

Dagmar: Wie hast Du die Organisation der GOR13/SymanO denn erlebt?

Vortrag von Professor William H. Dutton bei der GOR

Bildrechte: result gmbh

Julia: Organisatorisch gibt es aus meiner Sicht nichts zu kritisieren. Wir haben ausführliche Unterlagen nach der Registrierung erhalten, die Räume waren gut ausgeschildert, es gab leckeren Kaffee und kleine Köstlichkeiten. Mir hat auch gut gefallen, dass der Charme des Universitären, also das Sitzen in einem Audimax, das Essen in der Mensa etc. spürbar geblieben ist. Das hatte für mich etwas von einer angenehmen Zeitreise.
Wir haben ja in den zwei Tagen auf der GOR jede Menge Vorträge gehört, sind mit verschiedensten Leuten ins Gespräch gekommen. Welches Fazit ziehst Du für Dich aus diesen zwei Tagen?

Dagmar: Kurz gesagt: Offenheit, Austausch, Methodenmix, Weiterentwicklung! Und für die GOR: Die Verbindung mit der SymanO aufrechterhalten!
Und Dein Fazit?

Julia: Meiner Meinung nach eine der besten auf Fortbildung ausgerichteten Veranstaltungen, in der der Fokus eindeutig auf Inhalt gelegt ist. Ich bin dort mit der Hoffnung hingefahren, gemeinsam mit Gleichgesinnten über den Tellerrand hinauszuschauen. Das tat ich. Und ich habe einen großen Forschungshorizont gesehen.

Frühere Beiträge im Wirkungsblog zur General Online Research Conference (GOR):

Von | 2015-07-16T12:58:01+00:00 12. März 2013|Kategorien: Allgemein, Digitaler Wandel, Marktforschung, Medienforschung, Methoden, Veranstaltungen|Tags: , , |

Über den Autor:

Alexa Brandt
Seit 1998 als Redakteurin für die result gmbh tätig, übernahm sie im August 2012 als zertifizierte Social Media Managerin die Leitung der Unternehmenskommunikation und kümmert sich neben der klassischen PR auch um die sozialen Kanäle und das Corporate Blog der Digitalagentur. Zudem verantwortet sie redaktionelle Projekte namhafter Kunden. Seit Juni 2013 ist sie stellvertretende Leitung des Bereichs Agentur.

2 Kommentare

  1. Christoph Irmer 12. März 2013 um 15:43 Uhr

    Hallo liebes Result-Team,
    vielen Dank für den überaus interessanten Nachbericht zur GOR und vor allem auch für das viele Lob zur Veranstaltungen!
    Hat mich sehr gefreut!
    viele Grüße,
    Christoph

  2. Julia Giesen 12. März 2013 um 16:19 Uhr

    Lieber Christoph,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich kann nur sagen: Lob, wem Lob gebührt. Es war wirklich toll und das darf ja dann auch mal kundgetan werden.
    Liebe Grüße nach München,
    Julia

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