Mein Facebook gehört mir nicht, aber jammern ist trotzdem erlaubt

Eine Replik auf den Artikel »Nochmal: „Dein“ Facebook gehört dir nicht!« von Dr. Kerstin Hoffmann

Seit Jahren bediene ich mich des Telefons, um mit anderen zu kommunizieren und um mich auszutauschen. Ich kann mich noch erinnern (ja, so alt bin ich!), dass diese Telefone früher der Post gehörten und von uns Nutzern nur geliehen waren. Sie waren hübsch grau, danach dann orange und grün und man musste sie nehmen, wie sie kamen. Inzwischen sind wir zwar stolze Besitzer der Endgeräte, aber die Infrastruktur gehört immer noch nicht uns.

Mancher wird merken, worauf ich hinaus will: Die Telefonleitung gehört mir nicht, aber man darf sie trotzdem nicht zensieren. Ich erwarte, dass ALLES, was ich sage, übertragen wird, egal welchen Inhalt es hat. Ja, eigentlich erwarte ich sogar, dass die Leitungsinhaber – auch wenn sie die Möglichkeiten dazu haben – gar nicht erst mithören, was ich sage.

Ich höre schon den Einwand, dass mein Vergleich hinke. Mag sein, mag sein. Aber es ist oft ganz hilfreich, den Kontext zu wechseln, um den Kern zu sehen. Und der Kern ist: Datenschutz und Eingriff in Inhalte. Facebook gehört mir nicht, aber ich möchte es nutzen. Und von einem Geschäftspartner, egal wie groß oder neu er ist, erwarte ich faire Vertragsbedingungen.

Bei Facebook sind die Vertragsbedingungen nicht fair. Facebook filtert, liest und übernimmt meine Daten, wie es dem Unternehmen gefällt. Seine Geschäftsbedingungen sind intransparent, nichts wird verbindlich und nachhaltig sichergestellt. Und eins sei betont: Facebook ist NICHT umsonst. Wir zahlen dafür. Nicht mit Geld, einverstanden. Aber mit unseren Daten – und die sind durchaus werthaltig. Der Unterschied zu Telekommunikationsanbietern ist eigentlich nur der: Die Einzugsermächtigung von Facebook ist unbegrenzt und nicht rückholbar.

Ändern wird sich das auch nicht durch mein Jammern. Aber ich freue mich trotzdem, wenn das Geschäftsgebahren von Facebook mal wieder Raum in den Nachrichten bekommt. Und sei es auch »nur« durch einen »typischen« Domian.

*Bildrechte: mueritz (CC BY-SA 2.0)

Von | 2015-07-16T12:57:06+00:00 20. März 2013|Kategorien: Beratung, Social Media, Unternehmen|Tags: , , , |

Über den Autor:

Sabine Haas
Sie gründete 1994 das result Markt- und Medienforschungsinstitut, 2007 folgte eine Webagentur, im Jahr 2011 der Geschäftsbereich Beratung. Als Kennerin der alten wie auch Neuen Medien gehört sie zu den gern gesehenen Speakerinnen bei Fachveranstaltungen & Kongressen rund um das Thema "Digitaler Wandel/Medienwandel".

2 Kommentare

  1. Michael M. Roth 21. März 2013 um 13:02 Uhr

    Danke für Deinen Beitrag, liebe Sabine.

    Ich sehe das auch so bzw. ähnlich.
    Den Vergleich mit dem Telefon finde ich durchaus hilfreich und angemessen.
    Im Übrigen ist bei einem selbst gehosteten Blog nicht anders. In aller Regel werden sich die Daten auf dem Server eines Providers befinden. Der gehört auch nicht uns, schon gar nicht die ganze Infrastruktur, Backup-Systeme, Internet-Anbindungen usw. Trotzdem erwarten wir, dass wir dort frei unsere Meinung kund tun können.

    Wie ich in dem Beitrag von Kerstin Hoffmann kommentiert hatte, gibt es eine Corporate Social Responsibility. Ich denke sogar, dass sich Facebook dieser bewusst ist. Mark Zuckerberg hat einen unglaublichen Beitrag für unsere Kommunikation, für die Art, wie wir kommunizieren, geleistet. Er ist alles andere als unsozial; soziale Bedürfnisse und Rechte dürften ihm auch nicht egal sein. Facebook ist weit, galaktisch weit über den Status eines BBS – Bulletin Board System – wie wir es in den 1990er Jahren hatte, hinaus gewachsen. Soziales Bewusstsein und ein Bewusstsein für Recht und Gerechtigkeit, wozu auch Meinungsfreiheit gehört, sind unbedingt notwendig bei einem solchen System. Gleichzeitig unterscheiden sich teils US-amerikanisches, europäisches und deutsches Rechtsverständnis. Das ist Teil 1. Teil 2 ist die Herausforderung der Umsetzung. Dies wird eine Kombination aus Automatismen und menschlicher Moderation sein.

    Selbst unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Facebook auf sein – oft zitiertes – Hausrecht bestehen könnte, finde ich es sehr gut und hilfreich, dass Jürgen Domian diese Art von Aufschrei tatsächlich in Gang gebracht hat. Der Erfolg, die Entschuldigung von Facebook bezüglich der Löschungen, gibt ihm Recht.

    Neben der aus meiner Sicht teils herablassenden Kritik von Kerstin Hoffmann gegenüber Jürgen Domian enthält ihr Artikel aber auch wichtige Hinweise, einen Appell an die Internet-User, die “Unperfektion” von Systemen und die ihnen immanenten Risiken bei der Benutzung zu beachten.

  2. Michael Stein 21. März 2013 um 13:41 Uhr

    Ich sehe auch gar keinen Widerspruch darin, die (Vertrags-)Verhältnisse einerseits zu kennen und rational zu analysieren und sie andererseits zu beklagen. Das dingliche Pendant dazu ist die aktuelle Diskussion um den bewusst eingebauten Verschleiß von Elektrogeräten. Da gehen wir auch ganz naiv einen Kaufvertrag ein, bei dem wir den Vertragspartner später kritisieren. Normal.

    Aber zum Bloggen: Es wird seine Blütezeit (in Deutschland) erst noch erleben. Die Kids sind es durch FB etc. gewohnt, täglich ins Internet reinzuschreiben. Wenn sie etwas älter sind und sich umfänglicher, ambitionierter äußern wollen, werden sie ein eigenes Blog betreiben, denn die Probleme Datenhoheit und Netzneutralität werden sie (auch durch Domian) bis dahin kennen.

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