LinkedIn ist vornehmlich als Karriere-Portal bekannt. In Deutschland wird das Business-Netzwerk gerne mit dem Wettbewerber Xing gleichgesetztIch denke, die beiden unterscheidet aber eine EigenschaftAuf LinkedIn finden Gespräche statt. Die Plattform hat sich schon länger von einem reinen „Business-Marktplatz“ hin zu einem Content-Netzwerk entwickelt. Lange wurde diese Funktion dazu genutzt, um etwa als potenzielle Arbeitnehmerin oder als potenzieller Arbeitnehmer herauszustechen. Inzwischen werden die Kommentarspalten unter den zahlreichen Artikeln, Verlinkungen und Meinungsbekundungen auch für eine rege Diskussion über unternehmerische Verantwortung und die Arbeitswelten der Zukunft genutzt. Welche Möglichkeiten ergeben sich hier also für B2B-Beziehungen? 

Beim B2B-Marketing geht es vor allem um VertrauenBeziehungen zwischen Unternehmen leben von Langfristigkeit und professionellem Austausch. Beides kann nur gelingen, wenn der Auftritt entsprechend transparent und authentisch ist. Dazu gehört einerseits eine Präsentation der eigenen Fähigkeiten, aber andererseitsso denke ich, auch der Mut, sich Diskussionen zu stellen und sich auf andere Positionen einzulassen. Als Network bietet LinkedIn die Grundvoraussetzungen dafür: Man kann sich mit wenig gestalterischem Aufwand präsentieren und direkt mit anderen Unternehmen oder Personen in Kontakt treten. 

Auf LinkedIn wird die Möglichkeit zum Austausch in vielen Bereichen produktiv genutzt. Insbesondere unter Beiträgen, die von LinkedIn als „Aktuell und diskutiert“ entdeckt und geteilt werden, habe ich schon einige Diskussionen um drängende Themen und um die Zukunft der eigenen Branche oder der Gesellschaft im Ganzen beobachten können. Führungspersonen, Angestellte und Jobsuchende tauschen sich gleichermaßen aus. Das geht nicht ohne Reibungen und es finden sich auch hier sinnfreie oder schlicht unfreundliche Kommentare. Themen wie Corona-Folgen und Diversity können aber nicht nur oberflächlich behandelt werden  LinkedIn ist auch ein Special-Interest-Portal für Unternehmenskultur und professionellen Austausch, das merkt man den Beiträgen an. Wer sich hier Mühe gibt, kann mit produktiven Gesprächen belohnt werden. Durch eine aktive Beteiligung an diesen Debatten, durch ein konsequent offenes und ehrliches Content-Marketing auf der Plattform und durch persönliche Involvierung ist es aus meiner Sicht möglich, das eigene Unternehmen mit seiner Unternehmenskultur und seiner fachlichen Kompetenz authentisch zu präsentieren. 

Fazit

LinkedIn ist (noch) keine Plattform für Content-Masse. Wenige fundierte Posts mit gutem Content sowie informative und ansprechende Visuals sind mehr wert als zu versuchen, mit schierer Menge Aufmerksamkeit zu erlangen. Potenzielle B2B-Partner interessieren sich für das konkrete Unternehmen und dessen Produkte, nicht für breit angelegte Werbekampagnen mit narrativem Marketing. Content sollte primär zum Gespräch und erst sekundär zum Kauf anregen. Genau deshalb kann die Plattform eine gute Ergänzung zum „klassischen“ B2B-Marketing sein. Wer sich auf LinkedIn gut positioniert, kann auch außerhalb des Netzwerks auf Austausch hoffen.